Macron vs. Le Pen: Hitziges TV-Duell vor der Stichwahl am Sonntag

Le Pen knöpft sich Deutschland vor - Macron wirft ihr Abhängigkeit von Russland vor

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine rechte Rivalin Marine Le Pen haben sich im einzigen TV-Duell vor der Wahl am Sonntag ein hitziges Wortgefecht geliefert. Die Kontrahenten fielen sich mehrfach ins Wort. Besonders hitzig wurde es beim Thema Umgang mit Russland und der Rolle Frankreichs in der EU – im Video.

VIDEO: RTL-Reporter Alexander Oetker in Frankreich: "Le Pen hat gelernt - Macron hat leicht pariert"

Wie ist das Duell zu bewerten? Unser Reporter Alexander Oetker hat die TV-Debatte in Frankreich verfolgt – seine Einordnung im Video.

Le Pen präsentierte sich als Anwältin der Verbraucher, die deren Kaufkraft steigern wolle: "Ich werde die Präsidentin der Lebenshaltungskosten sein."

Macron warf der für eine kräftige Mehrwertsteuersenkung auf Energie eintretenden Konkurrentin vor, ihre Vorschläge seien teilweise wirklichkeitsfremd. Dies gelte auch für Lohnsteigerungen, die sie im Falle ihrer Präsidentschaft erreichen wolle.

"Le Pen hat gelernt - Macron hat leicht pariert" Alexander Oetker in Frankreich
01:06 min
Alexander Oetker in Frankreich
"Le Pen hat gelernt - Macron hat leicht pariert"

30 weitere Videos

Le Pen erhielt Kredit von russischer Bank - "Abhängig von Putin"

 Emmanuel Macron NEWS : Dbat tlvis de l entre-deux tours de l lection prsidentielle - 20/04/2022 FredericChambert/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL
Emmanuel Macron wirft Le Pen vor, von Russlands Präsidenten Wladimir Putin abhängig zu sein.
www.imago-images.de, IMAGO/PanoramiC, IMAGO/Frederic Chambert

Macron attackierte seine Konkurrentin auch mit Blick auf ihre früher offen zur Schau getragene Nähe zu Russland. Er warf ihr vor, von dessen Präsidenten Wladimir Putin abhängig zu sein. Le Pens Partei erhielt 2014 einen Kredit von einer russischen Bank. Kurz vor den Wahlen 2017 wurde Le Pen zudem von Putin in Moskau empfangen. Die Chefin des Rassemblement National (RN) verteidigte den Kredit aus Russland, da in Frankreich damals kein Darlehen zu erhalten gewesen sei. Zudem habe diese Transaktion ihre Unabhängigkeit in keiner Weise beeinträchtigt.

Den Einmarsch Russlands in die Ukraine hat die 53-Jährige als klare Verletzung internationalen Rechts verurteilt. Zugleich will sie sich für eine Annäherung zwischen der Nato und Russland einsetzen, falls der Ukraine-Krieg beendet werde und ein Friedensvertrag stehe. Die Rüstungskooperation mit Deutschland will die rechte Kandidatin aufkündigen, die Macron in der Vergangenheit "Blindheit gegenüber Berlin" vorgeworfen hat.

Was denken Sie? Wer macht das Rennen in Frankreich?

Le Pen kritisiert Deutschlands Energiepolitik

 Emmanuel Macron et Marine Le Pen NEWS : Dbat tlvis de l entre-deux tours de l lection prsidentielle - 20/04/2022 FredericChambert/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL
Le Pen lehnt Gas-Importstopp ab: "Wir können nicht Harakiri betreiben in der Hoffnung, damit Russland zu schaden."
www.imago-images.de, IMAGO/PanoramiC, IMAGO/Frederic Chambert

In der TV-Debatte kritisierte sie zudem Deutschland wegen einer Energiepolitik, die sie als verfehlt bezeichnete, da sie das Land "sehr abhängig von russischem Gas" gemacht habe. Mit den gegen Russland verhängten Sanktionen stimme sie zwar überein. Doch ein Gasimportstopp komme für sie nicht in Frage. Dies sei nicht die richtige Methode: "Wir können nicht Harakiri betreiben in der Hoffnung, damit Russland zu schaden."

Die in den vergangenen Jahren auf eine weniger radikale Linie umgeschwenkte rechte Immigrationsgegnerin betonte zudem, sie sei nicht gegen den Islam, der seinen Platz in Frankreich habe. Sie kämpfe allerdings gegen radikalen Islamismus. Zugleich müsse das Problem der "massiven und anarchischen Einwanderung" gelöst werden. In einem Referendum solle über diese Frage entschieden werden.

Macron liegt in Umfragen vor Le Pen

Le Pen zeigte sich in der Fernsehdebatte besser vorbereitet als 2017, als sie nach Ansicht vieler Beobachter beim damaligen TV-Duell gegen Macron schlechter abschnitt. Sie erlitt bei der Präsidentenwahl damals eine krachende Niederlage gegen Macron. Anders als seinerzeit zog sie nun nicht mehr mit der Forderung nach einem Ausstieg aus der Euro-Zone in den Wahlkampf. Die EU soll aber nach ihrer Vorstellung durch ein "Europa der Nationen" ersetzt werden.

Macron warf seiner rechten Rivalin vor, insgeheim strebe sie weiter einen Austritt aus dem Euro an: "Heute wollen Sie zwar weiter heraus, aber Sie sagen es nicht mehr." Der Pro-Europäer betonte zugleich, er setze auf die deutsch-französische Achse. Le Pen erwiderte, sie sehe Frankreich als Welt- und nicht nur als europäische Macht. Sie habe im Europaparlament auch beobachtet, dass "die Deutschen die Interessen der Deutschen" verteidigt hätten. Sie wolle die EU zwar verändern, aber nicht aus ihr austreten.

In Befragungen vor der Stichwahl lag Macron in der Wählergunst zuletzt klar vorn, wobei er laut Umfragen für die Stichwahl am Sonntag mit 55,5 bis 56,5 Prozent rechnen kann. Damit zeichnet sich ein weit weniger enges Rennen ab, als es vor der ersten Runde der Präsidentenwahl laut Umfragen zu erwarten war. Die Fernsehdebatte galt als letzte große Chance für Le Pen, die Stimmung zu ihren Gunsten zu drehen. (reuters/eku)

Politik & Wirtschaftsnews, Service und Interviews finden Sie hier in der Videoplaylist

Playlist: 30 Videos

Spannende Dokus und mehr

Sie lieben spannende Dokumentationen und Hintergrund-Reportagen? Dann sind Sie bei RTL+ genau richtig: Ob zu Angela Merkel, zu Corona oder zu den Hintergründen zum Anschlag vom Breitscheidplatz – bei RTL+ finden Sie die richtige Reportage für Sie.