Von Tinder-Date beim Sex erwürgt

Tote Backpackerin Grace Millane (†21): Hier schmuggelt der Killer ihre Leiche aus dem Hotel

19. November 2019 - 13:39 Uhr

Tödliches Tinder-Date: War es ein Unfall oder war es Mord?

Sie hatte gerade den Uni-Abschluss in der Tasche, wollte eine Weltreise machen – und wurde brutal aus dem Leben gerissen. Am Abend vor ihrem 22. Geburtstag stirbt die britische Backpackerin Grace Millane in einem Hotelzimmer in Auckland (Neuseeland). Am anderen Ende der Welt - beim Sex erwürgt von ihrem Tinder-Date. Der Täter, ein 27-jähriger Mann, sagt, es sei alles ein tragischer Unfall gewesen. Jetzt, ein Jahr nach der Tat, kommen im Prozess neue, erschütternde Details ans Licht: Wie eiskalt der Killer seine Tat zu vertuschen versuchte, zeigen wir im Video.

27-Jähriger schaute neben der Leiche Pornos und machte neue Dates aus

Sie wollte einen romantischen Abend verbringen und geriet an einen Killer: Rucksack-Touristin Grace Millane (†21) wurde von ihrem Tinder-Date erwürgt.
Sie wollte einen romantischen Abend verbringen und geriet an einen Killer: Rucksack-Touristin Grace Millane (†21) wurde von ihrem Tinder-Date erwürgt.
© Facebook, Grace Emmie Rose Millane

Mithilfe von Überwachungskameras haben Ermittler rekonstruiert, wie der 27-jährige Täter den 2. Dezember 2018 verbrachte. Die Stunden, nachdem er Grace zu Tode würgte. Direkt morgens früh verlässt der Killer das CityLife-Hotel in Auckland, geht einen Koffer kaufen. Den Plan, Graces Leiche heimlich zu entsorgen, hat er zu diesem Zeitpunkt offensichtlich schon gefasst.

Anschließend besorgt er sich Reinigungsmittel, säubert sein Zimmer von den Spuren des Verbrechens. Dann mietet er sich ein Auto – eines mit genug Stauraum. Besonders perfide: Während Graces Leiche noch in seinem Zimmer liegt, schaut er Hardcore-Pornos und verabredet sich über Tinder direkt zum nächsten Date. Das haben die Ermittler aus seinen Netzwerk-Daten erfahren.

Killer schmuggelte ihre Leiche in einem Koffer aus dem Hotel

Backpackerin Grace Millane von Tinder-Date beim Sex erwürgt: In diesem Koffer, verscharrt im Buschland um Auckland, Neuseeland, fanden Ermittler ihre nackte Leiche
In diesem Koffer, verscharrt im Buschland um Auckland, Neuseeland, fanden Ermittler Graces nackte Leiche.
© Polizei Auckland

Am Abend erst kehrt er von seinem Date zum Hotel zurück. Für ihn scheint jetzt festzustehen: Graces Leiche muss fort. Augenblicklich. Und zwar so weit weg vom Tatort wie möglich. Überwachungskameras im Hotel filmen, wie der 27-Jährige zwei Koffer in den Aufzug karrt. Seelenruhig schiebt er seinen Gepäckwagen durch die Lobby und hinaus auf den Parkplatz, wo der Mietwagen schon bereitsteht.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand um ihn herum ahnt: In einem der Koffer liegt die Leiche von Grace Millane – nackt, mit Gewalt und in Fötus-Stellung ins enge Gepäckstück gestopft. Der Killer fährt aus der Stadt hinaus ins Buschland um Auckland.

Er legt einen Zwischenstopp bei einem Baumarkt ein, kauft eine Schaufel. Mit der verscharrt er wenig später den Koffer samt Leiche im Dreck, bedeckt das Grab mit Ästen und Sträuchern. Erst Tage später finden Ermittlern den Koffer. Ab dann ist es offiziell traurige Gewissheit: Grace, die vermisste Rucksack-Touristin aus England, ist tot.​

21-jährige Backpackerin getötet: Täter spricht von einem tragischen Unfall

Bis zu fünf Minuten soll es gedauert haben, bis Grace schließlich starb.
Bis zu fünf Minuten soll es gedauert haben, bis Grace schließlich starb.
© Facebook, Grace Emmie Rose Millane

Mittlerweile steht fest, wie genau Grace starb. Die Todesursache: langanhaltender, heftiger Druck auf Hals und Nacken. Das habe die gerichtsmedizinische Untersuchung ergeben, wie unter anderem der britische "Guardian" berichtet. Graces Körper sei mit Blutergüssen übersät gewesen, ihr Oberkörper buchstäblich grün und blau.

Die meisten Verletzungen seien ihr wohl zum Zeitpunkt ihres Todes zugefügt worden, lautet das Fazit der Gerichtsmediziner – und sie seien typische Anzeichen von heftiger Gewaltanwendung. Der 27-Jährige soll Grace laut Anklage beim Sex gewaltsam aufs Bett gedrückt und sie langsam erwürgt haben – um sich an ihrer Hilflosigkeit zu ergötzen. Ein qualvoller Tod.

Der Beschuldigte hat zwar gestanden, Grace getötet zu haben. Aber: Es sei alles ein Versehen gewesen, sagt er. Die beiden hätten einvernehmlichen Sex gehabt. Im Zuge dessen habe Grace ihn aufgefordert, sie zu würgen und nicht loszulassen. Er habe Grace nie töten wollen – es sei einfach so passiert. Ein tragischer Unfall.

Obduktion belegt qualvollen Tod

Die letzten Stunden vor ihrem Tod: Grace Millane (†21) schrieb ihrer Freundin, sie spüre eine echte Verbindung zu dem Mann, der sie später erwürgen würde.
Die letzten Stunden vor ihrem Tod: Grace Millane (†21) schrieb ihrer Freundin, sie spüre eine echte Verbindung zu dem Mann, der sie später erwürgen würde.
© Überwachungskamera

Die Obduktions-Ergebnisse sprechen aber dagegen. Zwar könnten einige der Verletzungen theoretisch auch bei einvernehmlichen Sex-Praktiken entstanden sein – aber die Hämatome am Hals der jungen Frau legen nahe, dass Grace gewaltsam zu Tode gewürgt wurde.

"Solche Verletzungen entstehen nicht durch leichten Druck auf den Hals", zitiert der Guardian den Gerichtsmediziner Simon Stables. "Das braucht Kraft, so etwas kann nur mit einer Menge Anstrengung passieren."

Von einem Unfall, so die Anklage, könne deshalb kaum die Rede sein: Es habe bis zu fünf Minuten gedauert, bis Grace schließlich erstickt sei. Dass der 27-Jährige all die Zeit über nicht gemerkt haben soll, dass die junge Frau in Lebensgefahr schwebte, sei schlicht unglaubwürdig. Zudem: Wenn es sich wirklich um einen Unfall gehandelt hätte – wieso verabredete er neue Dates auf Tinder, statt Polizei und Rettungsdienste zu alarmieren?

Bei Vernehmung durch die Polizei: Graces Killer verstrickte sich in Lügengeschichten

Der Täter hat zugegeben, Grace getötet zu haben – spricht aber von einem tragischen Unfall beim Sex.
Der Täter hat zugegeben, Grace getötet zu haben – spricht aber von einem tragischen Unfall beim Sex.
© Facebook, Grace Emmie Rose Millane

Erschwerend kommt hinzu: Bei seiner ersten Vernehmung soll der 27-Jährige der Polizei zunächst erzählt haben, er und Grace seien nach ein paar Drinks getrennte Wege gegangen. Den Abend habe er alleine auf dem Hotelzimmer verbracht.

Offenbar wusste er nicht, wie viele Überwachungskameras ihn aufgezeichnet hatten – und wie leicht sein Alibi daher zu widerlegen war. Erst, als die Beweislast gegen ihn erdrückend wurde, änderte er seine Geschichte und gab zu, Grace tatsächlich getötet zu haben. Versehentlich, wie er jetzt behauptet.

Der Prozess soll mindestens vier Wochen dauern.