Backpackerin vom Tinder-Date beim Sex erwürgt

Grace (†21) soll auf BDSM-Datingseiten aktiv gewesen sein

© Facebook, Grace Emmie Rose Millane

19. November 2019 - 14:46 Uhr

Junge Rucksack-Touristin soll Vorliebe für BDSM-Sex gehabt haben

Überraschende Wende im Prozess um den Todesfall Grace Millane: Die junge Backpackerin, die am Abend ihres 22. Geburtstags von ihrem Tinder-Date erwürgt wurde, ist offenbar regelmäßig auf BDSM-Datingseiten aktiv gewesen – und das noch wenige Stunden vor ihrem Tod. Das hat die Verteidigung des Täters vor Gericht bekanntgegeben, wie britische Medien berichten. Demnach soll Grace schon zuvor regelmäßig BDSM-Sex praktiziert haben – und eine Vorliebe für Atem-Spiele und Würgen gehabt haben.

Vom Tinder-Date beim Sex erwürgt: War es ein Unfall oder war es Mord?

Grace hatte gerade ihren Uni-Abschluss in der Tasche, wollte das mit einer Weltreise feiern. Während ihres Zwischenstopps in Auckland, Neuseeland, verabredete sich die junge Britin über Tinder zu einem romantischen Abend – und geriet an ihren Killer. Der 27-jährige Neuseeländer hat inzwischen eingeräumt, Grace beim Sex erwürgt zu haben. Er spricht von einem Versehen. Grace habe ihn gebeten, seine Hände um ihren Hals zu legen, sie zu würgen. Er habe nicht bemerkt, wie die Situation außer Kontrolle geriet.

Die Verteidigung des Mannes hat jetzt Beweise vorgelegt, die ihn entlasten sollen. Darunter die schriftliche Erklärung eines Ex-Freundes von Grace: Während ihrer Beziehung hätten sie gemeinsam BDSM-Sexpraktiken ausprobiert, berichtet der ehemalige Partner. Grace habe besonders Interesse an Atemkontrolle gehabt.

Natürlich immer unter sicheren Rahmenbedingungen: So hätten sie ein spezielles Code-Wort für den Notfall vereinbart. Und zusätzlich die Absprache gehabt: Wenn Grace aufhören wolle, solle sie abklopfen. Dann würde der Sex sofort beendet.

Grace war auf BDSM- und Fetisch-Portalen aktiv

Auckland, Neuseeland: Backpackerin Grace Millane (21) von Tinder-Date beim Sex erwürgt
Grace (†21) soll eine Vorliebe für riskante BDSM-Praktiken gehabt haben, wie jetzt das Gericht erfahren hat.
© Facebook, Grace Emmie Rose Millane

Aus Polizei-Informationen gehe laut Verteidigung außerdem hervor, dass Grace auf BDSM- und Fetisch-Datingportalen wie "Whiplr" aktiv gewesen sei. Zuletzt habe sie ihr Profil kurz vor dem Treffen mit ihrem Killer aufgerufen. Auch habe eine Freundin von Grace ausgesagt, sie hätten gelegentlich über ihre Bett-Vorlieben gesprochen: Grace habe dabei erwähnt, dass sie es möge, wenn ihr Partner ihr an den Hals fasse.

Damit stehe außer Frage, dass Grace ein starkes, aktives Interesse an riskanten Sexpraktiken gehabt habe, behauptet die Verteidigung. "Dass wir hier bis ins Detail analysieren müssen, was Grace im Schlafzimmer bevorzugt hat, soll in keiner Weise ihrem Ruf oder der Erinnerung an sie schaden", zitiert die Zeitung "The Guardian" den Verteidigungs-Anwalt Ron Mansfield. Aber es sei nötig, um für ein gerechtes Urteil zu sorgen.

Mediziner sagt aus: Alkohol könnte Graces Tod begünstigt haben

Zudem könnte die hohe Menge an alkoholischen Getränken, die sich Grace und ihr Killer während des gemeinsamen Dates teilten, maßgeblich zu ihrem Tod beigetragen haben. Das hat ein von der Verteidigung bestellter Pathologe ausgesagt. Überwachungskameras zeigen Grace gemeinsam mit ihrem Tinder-Date, wenige Stunden vor ihrem Tod – und beweisen: Die beiden tranken jede Menge Cocktails und Shots. Insgesamt mehrere Liter.

Der Alkohol hätte einen Rettungs-Mechanismus des Körpers – nach Luft zum Atmen zu kämpfen – verzögern oder unterdrücken können, so der Gutachter. Allerdings hätte der Täter die bewusstlose Grace dennoch weiterhin minutenlang würgen müssen, um ihren Tod herbeizuführen. Es sei jedoch möglich, dass der Täter selbst zu angetrunken war, um zu bemerken, dass etwas nicht stimmte.

Anklage plädiert weiterhin auf Mord: 27-Jähriger verstrickte sich in Widersprüche

Backpackerin Grace Millane von Tinder-Date beim Sex erwürgt: In diesem Koffer, verscharrt im Buschland um Auckland, Neuseeland, fanden Ermittler ihre nackte Leiche
An dieser Stelle, verscharrt im Buschland um Auckland, Neuseeland, fanden Ermittler die nackte Leiche von Grace Millane in einem Koffer.
© Polizei Auckland

Nach der Tat verstaute der 27-Jährige die Leiche in einem Koffer, den er im Buschland um Auckland verscharrte. Dass der Angeklagte versucht habe, die Tat so perfide zu vertuschen, sei zwar verwerflich, so die Verteidigung. Aber deswegen sei er noch lange kein heimtückischer Mörder.

Er sei verzweifelt und panisch gewesen, dass man ihm nicht glauben würde, es sei ein Unfall gewesen. Er habe keinerlei Motiv gehabt, Grace plötzlich ermorden zu wollen. Beide hätten stundenlang miteinander geflirtet und ganz offensichtlich die gegenseitige Aufmerksamkeit genossen.

Die Anklage hingegen spricht weiterhin von Mord. Sie hält die Darstellung des Angeklagten für unglaubwürdig. Wieso habe er Hardcore-Pornos geschaut, während Graces Leiche neben ihm lag? Wieso habe er direkt das nächste Tinder-Date vereinbart, noch bevor er die Leiche entsorgte? Wieso habe er sich bei der Vernehmung durch die Polizei immer wieder in Widersprüche verstrickt?

Der Prozess dauert noch bis mindestens Mitte Dezember an.