Zwei Frauen (20 & 42) gestorben

Tod nach Po-Vergrößerung: Düsseldorfer Arzt (50) bestreitet sämtliche Vorwürfe

28. September 2021 - 20:44 Uhr

Düsseldorfer Arzt droht jahrelange Haftstrafe

Er gilt heute weltweit als Schönheitsideal: ein stattlicher Po – wie der von Superstar Kim Kardashian. Um so auszusehen, lassen sich immer mehr Frauen operieren. In Düsseldorf sind zwei Patientinnen an den Folgen der Eigenfett-Transplantation gestorben. Nun steht ihr Arzt (50) vor Gericht wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge. Dem Operateur drohen zwischen drei und 15 Jahren Gefängnis. Doch der Mediziner ist sich keiner Schuld bewusst.

"Brazilian Butt Lift" gilt als gefährlichster Schönheitseingriff der Welt

Der Arzt bot Po-Vergrößerungen ("Brazilian Butt Lift") mittels Eigenfett-Implantation an. Eine Methode, die von plastischen Chirurgen wegen des Sterberisikos auch kritisch gesehen wird. Gefahr droht vor allem durch das wieder eingespritzte körpereigene Fett: Gelangen die winzigen Fettbrocken in die Blutbahn, droht eine tödliche Embolie. Die Sterberate wird auf 1:3000 beziffert.

In Düsseldorf, einer Hochburg der plastischen Chirurgie, legten sich mit ihrem Körper unzufriedene Frauen reihenweise auf die OP-Tische. Zwei von ihnen, 20 und 42 Jahre alt, starben 2018 und 2019 jeweils kurz nach dem Eingriff.

Dem 50-Jährigen Mediziner werden laut Anklage gleich eine Reihe von Fehlern vorgeworfen: So sei nicht ausreichend über die Risiken der Eingriffe aufgeklärt worden. Die Einwilligung der Patientinnen sei damit unwirksam gewesen. Außerdem habe er zu viel Flüssigkeit eingespritzt und Eingriffe ambulant ohne Nachsorge sowie Anästhesisten durchgeführt, die stationär mit Anästhesist hätten erfolgen müssen. Und: Der 50-Jährige habe unzulässige Medikamente verabreicht und Narkosemittel zu hoch dosiert.

Der Mediziner und seine Verteidiger widersprechen. Demnach sei sein Handeln 'lege artis' gewesen, habe also den Regeln der ärztlichen Kunst entsprochen.

Wirbel auch um Doktor-Titel des Schönheitschirurgen

"Lege artis" - der lateinische Begriff fällt häufiger an diesem Dienstag im großen Saal E.116 des Düsseldorfer Landgerichts. Während die Verteidiger um den angeklagten Arzt der Meinung sind, dessen Eingriffe hätten diesen Regeln voll entsprochen, weswegen der 50-Jährige freizusprechen sei, ist Oberstaatsanwalt Uwe Kessel ganz anderer Ansicht. Er spricht von "groben Verletzungen der Pflichten als Arzt".

Wegen Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in einem dritten Fall hat er den Arzt angeklagt. Außerdem ist noch ein Verfahren des Titelmissbrauchs angehängt worden: Der Mediziner soll seinen Doktortitel ohne den Landeszusatz "(ir)" für Iran verwendet haben, obwohl er ihn dort erwarb.

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Das wird dem Düsseldorfer Arzt vorgeworfen

Die Operation und die anschließende Behandlung der 42-Jährigen gegen Thrombose hätten stationär erfolgen müssen und nicht ambulant. Außerdem hätte der Eingriff nur mit einem Anästhesisten durchgeführt werden dürfen.

Weder das Fettabsaugen noch das Einspritzen sei ordnungsgemäß erfolgt. Eine Nachbeobachtung und Nachsorge habe gefehlt. Die Frau sei an Komplikationen des Eingriffs gestorben. Todesursache sei Blutverlust in Kombination mit einer Fettembolie gewesen.

Bei der 20-Jährigen seien 2018 mehr als zwölf Liter Flüssigkeit abgesaugt worden. Bei einer ambulanten Operation seien aber nur maximal fünf Liter erlaubt. Ein Narkosemittel sei um das Achtfache zu hoch dosiert gewesen.

Der Mediziner und seine Verteidiger führen dagegen mehrere Gegengutachten ins Feld und weisen sämtliche Vorwürfe zurück. Es gebe keine Fünf-Liter-Grenze, die Aufklärung über die Risiken sei einwandfrei und ausführlich gewesen.

Eine Überdosierung habe es nicht gegeben und sei auch nicht nachgewiesen. Statt eines Anästhesisten habe die Ehefrau des Angeklagten als ausgebildete Krankenschwester die Vitalfunktionen der Patientinnen überwacht. Die Todesursache sei zumindest in einem Fall nicht eindeutig festgestellt worden. Für den Prozess sind mindestens elf weitere Verhandlungstage vorgesehen. (dpa/kra)