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Telegram-Gruppe "Vereinte Patrioten": So heftig ticken Impfgegner, die Lauterbach entführen wollten

Der Plan der Telegram-Gruppe „Vereinte Patrioten“

Buchhalter und Impfgegner: Der Mann, der Karl Lauterbach entführen wollte

14.04.2022, Schleswig-Holstein, Husum: Karl Lauterbach (SPD, M, Bundesgesundheitsminister, geht vor dem Klinikum Nordfriesland zu dem Auto, mit dem er gekommen ist. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ermittelt gegen eine Gruppe Männer und Frauen,
Gesundheitsminister Lauterbach wäre beinahe Opfer einer Entführung geworden, doch die Ermittler griffen rechtzeitig ein.
ahe, dpa, Axel Heimken

Sie sollen Sprengstoffanschläge auf die Stromversorgung und die Entführung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geplant haben . All das, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und letztendlich die Macht in Deutschland zu übernehmen. Verantwortlich zeigt sich die ins Visier der Ermittler geratene Telegram-Gruppe „Vereinte Patrioten“. Deren Mitglieder: eine Gruppe von Querdenkern und Reichsbürgern. Doch wer genau sind die Menschen, die hinter den Terror-Plänen stecken? Bei Razzien am Mittwoch wurden bereits vier der zwölf Beschuldigten festgenommen. Einer der Täter: ein zurückgezogen lebender Buchhalter und Impfgegner.

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Buchhalter soll einer der führenden Köpfe der "Vereinten Patrioten" sein

Bei den Durchsuchungen in ganz Deutschland wurden am Mittwoch vier Beschuldigte festgenommen. Die beiden Hauptbeschuldigten seien ein 55-Jähriger aus Neustadt an der Weinstraße in der Pfalz sowie ein 54 Jahre alter Mann aus Falkensee in Brandenburg, teilten die leitenden Ermittler mit.

Laut einem Bericht der Bild-Zeitung soll es sich bei dem Mann aus Brandenburg um den Buchhalter Sven Georg B. handeln. Bei der Durchsuchung seines Hauses in Brandenburg sollen die Ermittler unter anderem eine SS-Uniform und eine Kalaschnikow gefunden haben. An seinem Briefkasten soll laut dem Bericht ein Aufkleber mit der Aufschrift „Ich lasse mich nicht Impfen“ kleben.

Laut „rbb“ soll B. einer der führenden Köpfe der Chatgruppe „Vereinte Patrioten“ sein und die Organisation der Gruppe in besonderer Weise vorangetrieben haben – im Netz, wie bei persönlichen Treffen. Außerdem sei er maßgeblich an der Finanzierung der Pläne der Gruppe beteiligt gewesen. Laut Generalstaatsanwaltschaft Koblenz wird B. der Reichsbürgerszene zugeordnet und sei nicht vorbestraft.

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Durchsuchungen: Waffen, Munition, Bargeld, Goldbarren, Silbermünzen und Devisen

Sven Georg B., so wie den anderen drei Festgenommenen werden die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen.

Bei den Durchsuchungen wurden insgesamt 22 Schusswaffen, sowie Munition, Bargeld, Goldbarren, Silbermünzen und Devisen sichergestellt. Schwerpunkt mit fünf Durchsuchungen war Rheinland-Pfalz. Drei weitere Objekte wurden jeweils in Bayern und Niedersachsen durchsucht, je zwei in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen. Durchsuchungen gab es zudem in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Brandenburg.

Die Extremisten tauschten sich in einer Telegramgruppe aus. Sie nannten sich nach Angaben der Ermittler „Vereinte Patrioten“, aber auch „Deutschland Tag X“. Die Gruppierung, zu der etwa 70 Mitglieder zählen sollen, habe zunächst mit einer „Aktion Blackout“ Anschläge auf Stromleitungen und Umspannwerke ausführen und damit die Stromversorgung zusammenbrechen lassen wollen. Danach sollte bei der „Aktion Klabautermann“ Gesundheitsminister Lauterbach entführt werden. In einem dritten Schritt sei dann die Übernahme der Regierung angestrebt worden.

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Scholz: "Werden die Feinde unserer Demokratie" bekämpfen

Die Aufdeckung der extremistischen Gruppe hat auch in der Politik Bestürzung ausgelöst. Bundesinnenministerin Nancy Faeser sprach am Donnerstag von einer „schwerwiegenden terroristischen Bedrohung“. Bewaffnete Reichsbürger und radikalisierte Corona-Leugner verbinde ein grenzenloser Hass auf die Demokratie und auf den Staat.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte auf Twitter seine Solidarität für Lauterbach. „Wir werden die Feinde unserer Demokratie mit allen Mitteln des Rechtsstaats bekämpfen“, betonte der SPD-Politiker. SPD-Chefin Saskia Esken sprach von alarmierenden Erkenntnissen und plädierte für ein hartes Vorgehen der Sicherheitsbehörden. „Die Radikalisierung der sogenannten Querdenker oder auch der Reichsbürgerszene nimmt erschreckende Ausmaße an und ist zutiefst besorgniserregend“, sagte Esken dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). (khe/dpa)

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