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Teenager wird für hirntot erklärt, obwohl er noch lebt - wie kann sowas passieren?

RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht klärt auf

Teenager wird für hirntot erklärt, obwohl er noch lebt - wie kann sowas passieren?

Lewis Roberts wurde für hirntot erklärt.
Der Brite Lewis Roberts wurde für hirntot erklärt und wachte kurz vor der Organspende-OP wieder auf.
Quelle: Facebook/Lewis Roberts

Nach Lastwagen-Unfall: Lewis Roberts wacht kurz vor Organspende-OP wieder auf

Der 18-jährige Lewis Roberts aus Leek, Staffordshire in Großbritannien, wurde am 17. März 2021 für hirntot erklärt. Bei einem Lastwagen-Unfall vier Tage zuvor erlitt er schwere Verletzungen und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Weil Lewis’ Leben laut der Ärzte nicht zu retten war, verabschiedete sich die Familie von ihm, wollte sogar seine Organe spenden. Doch dann das: Kurz vor der Organspende-OP wachte der 18-Jährige wieder auf. Wie kann so etwas passieren? Wir haben RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht dazu befragt.

Medizinexperte Dr. Specht: "Eine solche Fehldiagnose würde es in Deutschland nicht geben"

Die Ärzte sagten der Familie von Lewis, dass sie nichts mehr für ihn tun könnten und er den Kampf aufgegeben hätte. Sein Tod wurde sogar dem Gerichtsmediziner gemeldet. Doch kurz bevor die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt wurden, fing Lewis wieder an zu atmen. Aktuell befindet er sich auf dem Weg der Besserung. Doch wie kann es passieren, dass ein Mensch für hirntot erklärt wird, der es letztendlich gar nicht ist?

Solche Fälle kennt Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht. Immer wieder mal höre man von solchen Vorfällen – besonders aus dem Ausland, erklärt der Mediziner im Interview mit RTL. In Deutschland würde so etwas allerdings nicht passieren, da die Erklärung eines Hirntods an scharfe Bedingungen geknüpft sei: Zwei unterschiedliche Ärzte, darunter ein neurologischer Facharzt, müssten die anspruchsvolle Diagnose stellen, es müsste ein EEG geschrieben werden und erst danach, wenn man sich wirklich sicher wäre, könnte der Patient für hirntot erklärt werden. Bei diesem aufwändigen Verfahren sei es „ausgeschlossen, dass jemand zurückkommt.“

In England gibt es ein anderes Konzept, einen Hirntod zu diagnostizieren

Aber wieso konnte der Brite Lewis Roberts dann für hirntot erklärt werden? Das liegt daran, dass es in Großbritannien ein anderes Verfahren gibt, mit dem der Hirntod eines Menschen festgestellt wird, erklärt Dr. Specht. Anders als bei uns in Deutschland wird dort nur das Stammhirn untersucht. Sobald dieses für tot erklärt wird, folgt darauf die Diagnose Hirntod. Die visuelle Darstellung der Großhirnrinde wird in Großbritannien wohl nicht untersucht, vermutet Dr. Specht, weswegen es zu der vorschnellen Diagnose wie im Fall Lewis Roberts kommen konnte.

Die Geschichte des Briten ist zwar somit erklärbar, es sei laut Dr. Specht aber „unwahrscheinlich“, dass sich ein solcher Vorfall auch in Deutschland ereignen könne.