8. November 2018 - 15:23 Uhr

Social-Media-Game führte zu Suizid

Ein grausames Internet-Spiel hat den 14-Jährigen Kendal Gattino aus Frankreich anscheinend in den Selbstmord getrieben. Jetzt verklagt der Vater den Messenger-Dienst Whatsapp und das Videoportal Youtube.

Aufforderung zum Selbstmord per Whatsapp-Nachricht?

Gefunden wurde Kendal von seinen Eltern – er hatte sich mit einem Gürtel erhängt. Die Eltern sind sicher: Schuld ist die "Momo-Challenge", die ihrem sonst so lebensfrohen Sohn zusetzte und ihn mit Whatsapp-Chat-Nachrichten in den Tod trieb.

Seinen Ursprung hat das makabre Online-Spiel in einem Kettenbrief, der auf Whatsapp die Runde machte. Das Profilbild zeigt ein verzerrtes Gesicht, das zu einer Statue gehört, die ursprünglich in einer Galerie in Tokio ausgestellt wurde.

Was als Kettenbrief begann, hat sich mittlerweile zu einem morbiden Spiel entwickelt: Das Profil "Momo" versendet nun auch Bilder und Videos und erpresst die meist jugendlichen Nutzer oder fordert sie zu gefährlichen Handlungen auf. Auch von Anrufen wurde berichtet.

Vater verklagt Online-Riesen Whatsapp und Youtube

Wie gefährlich das Online-Game wirklich ist, zeigt auch der Suchverlauf von Kendals Smartphone. Hier wurden nicht nur Fragen zur Challenge gefunden, sondern auch zu Selbstmord und dem Terroristen Mohammed Merah. Außerdem legte Kendal ein E-Mail-Konto auf den Namen "Flavien Moreau" an, einem radikalisierten Franzosen und Dschihadisten. Mithilfe dieser Beweise wollen Ermittler Kendals Todesursache herausfinden.

Sein Vater holt nun zum Schlag gegen die Online-Plattformen aus: Er hat eine Klage gegen Youtube, Whatsapp und den französischen Staat eingereicht. "Ich beschuldige Youtube und Whatsapp, junge Menschen nicht zu schützen", sagte René Gattino zur Nachrichtenagentur AFP. Damit will er die Dienste für ihre Inhalte zur Verantwortung ziehen.

Rechtliche Schritte sollen andere Eltern warnen

Die Familie möchte nun Gewissheit über die Umstände haben, die zum Tod ihres geliebten Sohnes geführt haben. Doch nicht nur das: Mit den rechtlichen Schritten will sie auch andere Eltern warnen und herausfinden, wer oder was hinter dem gefährlichen Profil steckt.

Kendal wäre nicht das erste Opfer der "Momo-Challenge". Schon in einer Stadt nahe Buenos Aires wurde ein Todesfall mit dem Horror-Profil in Verbindung gebracht. Inwieweit der Tod des 14-Jährigen mit dem Social-Media-Spiel zusammenhängt, wird laut Staatsanwalt derzeit ermittelt.

Hilfe bei Selbstmordgedanken

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Hier finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.