So geht es dem Opfer nach dem Urteil

Studentin verschleppt, vergewaltigt und gefesselt: Aziz G. muss 12 Jahre ins Gefängnis

12. Juni 2020 - 18:15 Uhr

Hilflos an einem Gebüsch zurückgelassen

Eine Studentin wollte nach einer Party in Lübeck nur nach Hause. Doch dann passierte das Grauenhafte: Sie wird angegriffen, vergewaltigt und hilflos an einem Gebüsch am Straßenrand zurückgelassen. Bei dem Täter handelt es sich laut Landgericht Lübeck um Aziz G. Er muss für zwölf Jahre in Haft. "Ihren Tod nahm der Angeklagte billigend in Kauf", sagte Richter Christian Singelmann.

Wie es der Studentin nach dem Urteil gegen ihren Vergewaltiger geht, erklärt ihr Anwalt im Video.

Frau hätte sterben können

Die 21-Jährige überlebte die kalte Oktobernacht im vergangenen Jahr womöglich nur, weil ein Autofahrer am Straßenrand anhielt und sie dort leicht bekleidet vorfand. Angeblich hörte er das Wimmern der Frau und holte dann Hilfe. "Es handelt sich um einen reinen Zufall, dass sie gefunden wurde", meint der Richter. "Sie hatte Todesangst." Vor dem Urteil spricht die Studentin zum ersten Mal über die Nacht. Über den Augenblick, als sie im Gebüsch zu sich kam, sagt sie: "Ich wache auf, mir ist kalt, es piekst, ich kann mich nicht bewegen".

Aggressiv im Umgang mit Frauen

In ihrem Gutachten hatte eine psychiatrische Sachverständige den 43-Jährigen zwar als einfach strukturiert und aggressiv im Umgang mit Frauen geschildert. Eine psychiatrische Störung, die eine verminderte Schuldfähigkeit begründen könnte, sah sie allerdings nicht. Auch seine Noch-Ehefrau sprach in einem RTL-Interview vor dem Urteil über seine gewalttätige Ader. Aziz G. soll auch sie in der Ehe missbraucht haben.