"Endgültig den Schlussstrich ziehen"

Gefesselte Studentin (20) aus Lübeck: Ehefrau verlässt Vergewaltiger

7. November 2019 - 10:21 Uhr

Studentin verschleppt und vergewaltigt: Polizei befürchtet einen Serientäter

Ein 43-jähriger Mann aus der Türkei soll die junge Studentin, die Mitte Oktober gefesselt auf einem einsamen Feldweg bei Mönkhagen in Schleswig-Holstein gefunden wurde, verschleppt und vergewaltigt haben. Am Freitag nahm die Polizei den Tatverdächtigen fest. Die Polizei geht von einem Serientäter aus: Der Mann soll Ende September schon einmal eine junge Frau entführt haben, damals konnte sein Opfer aber flüchten. Jetzt hat Emine Ö., Noch-Ehefrau des mutmaßlichen Täters, mit RTL über die schweren Vorwürfe gegen ihren Mann gesprochen. Sie möchte nicht erkannt werden. Das emotionale Interview zeigen wir im Video.

Noch-Ehefrau des mutmaßlichen Täters: "Ich bete, dass ich aufwache und alles aufhört"

Emine Ö. ist am Boden zerstört. Noch immer kann sie kaum fassen, was ihrem Ehemann vorgeworfen wird: Er soll eine 20-jährige Studentin auf dem Heimweg von einer Party verschleppt und vergewaltigt haben, sie anschließend geknebelt und gefesselt in einem einsamen Straßengraben abgelegt haben – leichtbekleidet und völlig hilflos in der Kälte. Hätte ein Passant nicht zufällig ihr Wimmern im Gebüsch gehört, wäre sie vermutlich wenig später erfroren.

Die Geschehnisse der vergangenen Tage zu verarbeiten, fällt Emine schwer. Ihre Welt ist mit einem Schlag auf den Kopf gestellt worden. Ihr Mann, sagt sie, arbeite in einem Markt, liefere Obst und Gemüse in Lübeck aus. In seinem Lieferwagen soll er die 20-Jährige vergewaltigt haben. Emine ahnte nichts davon. Am Abend vor der Tat habe sie eine Verabredung gehabt, bis in die Nacht – "ein Date, weil ich endgültig den Schlussstrich ziehen wollte mit ihm". Sie habe ihn gebeten, nach Hause zu kommen und auf die gemeinsamen Kinder aufzupassen. "Er war auch zuhause, wir haben noch telefoniert."

Mönkhagen bei Lübeck: Tatverdächtiger ließ sich zuhause nichts anmerken

Gefesselt und geknebelt wurde die 20 Jahre alte Studentin am Morgen des 12. Oktober an einem einsamen Feldweg gefunden.
Gefesselt und geknebelt wurde die 20 Jahre alte Studentin am Morgen des 12. Oktober an einem einsamen Feldweg gefunden.
© DNF

Am Morgen aber war ihr Mann wieder fort. Während Emine sich schlafen legte, soll er die schreckliche Tat begangen haben. Stunden später erst hörte Emine wieder von ihm – er ließ sich nichts anmerken, sagte, er sei auf der Arbeit. Alles ganz normal.

Zu wissen, was ihr Mann der Studentin angetan haben soll, dass er danach einfach seinen Alltag fortsetzte, als sei nichts gewesen – das ist das Schlimmste für Emine Ö. "Ich kann mir das einfach nicht vorstellen", sagt sie. "Dass man sowas machen kann und dann zur Arbeit gehen kann, als ob nichts passiert wäre. Wie kann man so krank sein? Wie kann man das alles so unterdrücken?"

43-Jähriger Tatverdächtiger aus der Türkei gefasst: Ehefrau berichtet von häuslicher Gewalt

Freitag, 1. November – ihr Mann wird festgenommen. Als Emine wieder stundenlang nichts von ihm hört, ahnt sie zunächst nichts Schlimmes. "Ich habe immer wieder versucht, ihn anzurufen", sagt sie. "Aber ich habe mir dabei nichts gedacht. Vielleicht war er eingeschlafen. Er hat Schlafprobleme und Depressionen." Dann aber ging ein Anruf bei ihr ein – die Polizei war am Apparat. "Da habe ich gedacht, es ist wirklich etwas Großes passiert." Dann erfährt Emine, was angeblich geschehen ist. Sie fällt aus allen Wolken.

Ob es Warnzeichen gegeben habe? Ob ihr Mann ihr schon einmal etwas angetan habe? "Ja, hat er", sagt Emine. "Sehr vieles." Körperlich und seelisch sei sie am Boden. Aber: "Ich habe bis jetzt nicht die Hoffnung aufgegeben, dass er sich vielleicht doch noch ändert. Ich muss stark bleiben für meine Kinder. Und ich bin stark geblieben. Trotz allem, wie er mich geschlagen und misshandelt hat."

Emine Ö. sagte ihrem Mann: "Ändere dich bitte"

Mönkhagen bei Lübeck: Studentin (20) gefesselt und vergewaltigt, Noch-Frau des Tatverdächtigen (Emine Ö.) spricht im Interview
"Ich muss wissen, warum er das getan hat" – Emine Ö., Noch-Ehefrau des festgenommenen Tatverdächtigen, ringt mit der Fassung.
© Crimespot

Von ihrem Noch-Ehemann will Emine Ö. jetzt Antworten. "Ich will wissen, warum er das getan hat. Ich muss wissen, warum er das getan hat." Wie ihr Mann sie und seine Familie so hintergehen konnte. Emine kämpft mit den Tränen. "Hat er nie an seine Kinder gedacht oder an mich, bevor er diesen Fehler gemacht hat?"

Es wird wohl noch lange dauern, bis Emine Ö. den Schmerz hinter sich gelassen hat. Seit ihr Mann verhaftet wurde, habe sie nicht mehr viel mit ihm gesprochen, sagt sie. Die Wunde ist noch zu frisch. "Ich habe ihm gesagt: 'Ändere dich bitte'. Das waren meine letzten Worte."