Fünf tote Kinder

Solingen-Prozess: Christiane K. und ihr Mann stritten sich so heftig, dass die Polizei kam

Christiane K. vor dem Landgericht Wuppertal.
Christiane K. vor dem Landgericht Wuppertal.
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13. Dezember 2021 - 21:38 Uhr

Polizistin sagt vor Landgericht Wuppertal aus

Im Prozess gegen eine 28-Jahre alte Mutter aus Solingen kommen immer mehr Details ans Licht. Christiane K. steht vor Gericht, weil sie Melina (†1), Leonie (†2), Sophie (†3), Timo (†6) und Luca (†8) mit einem Medikamenten-Cocktail ruhiggestellt und in der Badewanne erwürgt, erstickt oder ertränkt haben soll. Offenbar gab es zwischen der Angeklagten und ihrem Ex schon vor der Tat einen so heftigen Streit, dass die Nachbarn die Polizei riefen. Eine Polizistin sagte vor dem Landgericht Wuppertal aus, was sie bei dem Einsatz erlebte.

Gab es bei Christiane K. und ihrem Mann Playstation-Zoff?

Laut der Polizistin war der Auslöser für den Streit offenbar, dass die Eheleute auf der Playstation zocken wollten. Die Angeklagte las die Gebrauchsanweisung für das Spiel vor. Doch ihr Mann riss ihr das Papier aus der Hand. Dann sei die Situation eskaliert.

Als die Polizisten eintrafen, hatte sich die Situation anscheinend beruhigt. Doch es waren Spuren der Auseinandersetzung zu erkennen: Die Angeklagte hatte eine Rötung am Oberarm, ihr Ehemann einen Kratzer am Hals. Am Spülkasten in der Toilette war in der Mitte ein Riss zu erkennen. Beide Ehepartner verzichteten damals auf eine Anzeige.

Die Polizistin erinnert sich: "Es lag zwar Spielzeug herum, es war aber nicht unordentlich oder dreckig. Die Stimmung hatte sich beruhigt, die beiden hatten sich auf zwei verschiedene Räume aufgeteilt. Ein Kollege von ihr habe mit den Kindern gesprochen, erzählt die Polizeibeamtin. Die Kinder hätten zwar erklärt, dass sich die Eltern streiten. Es sei aber nie zu Gewalt gekommen – auch nicht gegen die Kinder.

Pascal K. soll an Depressionen gelitten haben

Offenbar litt der Ehemann zu jenem Zeitpunkt an Depressionen. Er habe den Beamten erzählt, dass er bei Streit dazu neige, die Flucht zu ergreifen. Um das zu verhindern, sollen Christiane K. und Pascal K. eine Vereinbarung getroffen haben: Sie sollte versuchen, ihn vom Davonlaufen abzuhalten – was sie auch an diesem Tag tat.

"Während unserer Unterhaltung hielt sie ein Kind auf dem Arm, er saß auf der Couch", sagt die Beamtin aus. "Herr K. hat uns gesagt, dass sich die beiden in letzter Zeit häufiger streiten." Das sei auch der Grund, weshalb der Vater der jüngsten vier Kinder zurück zu seinen Eltern gezogen sei. Tagsüber soll er dann aber in die Wohnung der Familie gekommen sein, um Zeit mit den Kindern zu verbringen. Der Mann soll der Polizistin dann weiter erzählt haben, dass es in der Beziehung seit einem halben Jahr mehr Tiefpunkte als Höhepunkte gegeben haben soll und er nicht wisse, wie es mit seiner Ehefrau weitergehe.

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© dpa, Marcel Kusch, mk kde fc sab aba fdt

Ein Foto im WhatsApp-Status von Pascal K. mit einer neuen Freundin soll dann der Auslöser für die Tat gewesen sein. In einem Chat-Protokoll der beiden am Tag der Tat, das im Gerichtssaal verlesen wurde, wird das Ausmaß des Grauens deutlich. Offenbar beschloss die Angeklagte ihre Kinder zu töten, als sie erfuhr, dass ihr Ehemann die Beziehung zu ihr endgültig beenden wollte.

Zwischenzeitlich hatte Christiane K. behauptet, ein maskierter Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen und habe ihre Kinder umgebracht. Für die Polizei ist das eine Schutzbehauptung: "Wir sind dem natürlich nachgegangen, haben aber nichts gefunden, was dafür spricht", sagte einer der Ermittler. Der Angeklagten droht lebenslange Haft wegen fünffachen heimtückischen Mordes. (bst/jgr)