Das ist die Studienlage

Sind Geimpfte genau so ansteckend wie Ungeimpfte?

Party unter Geimpften: Alles kein Problem - oder was?
Party unter Geimpften: Alles kein Problem - oder was?
© iStockphoto, iStock/Marcus Millo, Marcus Millo

26. November 2021 - 10:24 Uhr

Immer wieder vorgebrachtes Argument

Ob geimpft oder nicht - das spiele im derzeitigen Infektionsgeschehen gar keine große Rolle. Geimpfte seien genau so ansteckend wie Ungeimpfte! Bei zum Teil hitzigen Diskussionen in sozialen Medien begegnet einem dieses Argument gegen eine Impfung immer wieder. Doch ist das überhaupt wahr? Wir geben einen Überblick über die bisherige Studienlage.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Impfstoff-Schutz lässt nach vier bis sechs Monaten nach

Ärzte und Wissenschaftler stellen immer wieder gerne klar: Bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 ging es von Anfang an darum, vor schwerem Verlauf, Krankenhauseinweisung und Tod zu schützen. Dabei gilt immer: Ein Impfstoff schützt davor nie zu 100 Prozent. Trotzdem kamen zumindest die beiden mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech mit 95 Prozent spektakulär nah dran.

Lese-Tipp: Corona-Geimpfte sind infektiöser als gedacht

Unklar war aber, wie lange und wie gut ein Impfstoff gegen das Virus und vor allem gegen eventuelle neue Varianten wirken würde. Durch neuere Studien unter anderem von einer schwedischen Forschergruppe um Peter Nordström ist bekannt, dass die Wirkung bei den meisten Impfstoffen schon ab vier Monaten, wie zum Beispiel bei AstraZenaca, nachlässt, vor allem auch, je älter der Geimpfte ist - seitdem ist der Run auf die Boosterimpfungen eröffnet.

Viruslast ist nicht gleich Ansteckungsfähigkeit

Doch bedeutet das automatisch, dass Geimpfte genau so ansteckend sind wie Ungeimpfte? Im August dieses Jahres schreckte eine Veröffentlichung der britischen Gesundheitsbehörden auf: Laut Ct-Wert wiesen Geimpfte eine genauso hohe Viruslast auf wie Ungeimpfte. Allerdings ist der Ct-Wert nur bedingt aussagekräftig.

Denn bei der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion wird das Erbgut so lange vervielfältigt, bis ein Messsignal entdeckt wird. Muss es nicht häufig vervielfältigt werden, ist die Viruslast zwar hoch. Aber ein niedriger Ct-Wert bedeutet nicht automatisch hohe Infektiosität. "Denn der Wert sagt nichts über die Vermehrungsfähigkeit der Viren aus", informiert das Science Media Center in Heidelberg. "So kann zwar Virus-RNA nachgewiesen werden, die Viren können aber bereits durch das Immunsystem inaktiviert worden sein."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Infektiöse Viruslast bei Geimpften schneller abgebaut

Von niederländischen Virologen um Promovend Marc Shamier gab es aber Ende August weitere Forschungsergebnisse: Bei gleich hoher Viruslast war in einer Studie die Menge tatsächlich infektiöser Viren in den Proben von positiv getesteten Geimpften eindeutig niedriger als bei Ungeimpften. In fast 70 Prozent der Abstriche entdeckten die Wissenschaftler zwar aktive Viren, die Viruslast der Geimpften baute sich aber wesentlich schneller ab als die von Ungeimpften. Weitere Studien kamen danach zu bestätigenden Resultaten.

Lese-Tipp: Doppelt geimpft? Auf diese Corona-Symptome sollten Sie trotzdem achten

Daten-Analyse: Übertragungsrate bei Ungeimpften doppelt so hoch

Besonders aussagekräftig war eine Studie im Auftrag des britischen Gesundheitsministeriums, die Mitte Oktober als Preprint veröffentlicht wurde. Die Übertragungsrate der Geimpften betrug 23 Prozent, die der Ungeimpften war mit 49 Prozent mehr als doppelt so hoch. Insgesamt wurden von Forschern um Daten-Analyst David Eyre rund 55.000 positive Tests ausgewertet. Die Forscher kamen zu dem Schluss: "Andere Faktoren als die PCR-Ct-Werte zum Zeitpunkt der Diagnose sind wichtig für das Verständnis der durch die Impfung bedingten Verringerung der Übertragung."

Lese-Tipp: Wann Genesene einen Booster brauchen - und wann nicht

Impfstoff-Art, Impf-Zeitpunkt und Alter spielen wesentliche Rolle

Aber Boostern könnte dazu beitragen, die Übertragung zu kontrollieren und gleichzeitig Infektionen zu verhindern, empfahlen die Wissenschaftler dort. Entscheidend für die Wahrscheinlichkeit, dass ein Geimpfter eine Infektion weiter gibt, ist der zeitliche Abstand nach der zweiten Dosis und der Impfstoff selbst. Bei AstraZeneca zum Beispiel sei nach drei Monaten kaum noch ein Unterschied zu Ungeimpften festgestellt worden. Auch der Biontech-Impfstoff ließ in Sachen Schutz vor Übertragung deutlich nach. Laut Erkenntnissen der UK Health Security Agency läuft er parallel zum Schutz vor symptomatischer Erkrankung mit zunehmendem Alter ab. Eine exakte Bestimmung ist aber schwierig.

Wie gut das Boostern nun dabei hilft, dass die 3-fach Geimpften beim Infektionsgeschehen kaum noch eine Rolle spielen, ist bisher aber noch nicht erforscht - dazu ist die Datenlage noch zu dünn. (ija)

Video-Playlist: Alles, was Sie zum Coronavirus wissen sollten

Spannende Dokus zu Corona gibt es auf RTL+

Das große Geschäft mit der Pandemie: Ausgerechnet in einer Zeit, in der jeder um seine Gesundheit bangt, finden Betrüger immer wieder neue Wege, illegal Geld zu machen. Egal, ob gefälschte Impfpässe, negative Tests oder Betrügereien in den Testzentren – die Abzocke lauert überall. Sogar hochrangige Politiker stehen in Verdacht, sich während der Corona-Zeit die eigenen Taschen vollgemacht zu haben. Unsere Reporter haben europaweit recherchiert – die ganze Doku auf RTL+