Seilbahn-Unglück in Italien

Eitans Tante schreibt Brief an toten Bruder und Schwägerin: Werden gut für euren Sohn sorgen

Eitan (r.) mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder (†2).
Eitan (r.) mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder (†2).
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01. Juni 2021 - 8:30 Uhr

Eitan verlor bei Seilbahn-Unglück in Italien seine Familie

Der Zustand des kleinen Eitan (5), der als einziger das Seilbahnunglück in Norditalien überlebte, bessert sich weiter. Der Fünfjährige könne am Dienstag von der Intensivstation auf eine andere Station verlegt werden, teilte das Kinderkrankenhaus mit. Seine Tante Aya wacht seit der Katastrophe an seiner Seite und hat nun einen herzzerreißenden Brief an ihren Bruder, seine Frau und ihren Neffen verfasst, die westlich des Lago Maggiore starben.

Kinderkrankenhaus in Turin: Eitan ist außer Lebensgefahr

Am 23. Mai war das Seil der Bahn gerissen. Weil Betreiber Luigi N. und zwei seiner Mitarbeiter offenbar aus Geldgier die Notbremse mit einer Metallgabel manipuliert hatten, stürzte Kabine 3 mit 100 km/h ab, krachte auf den Boden, überschlug sich mehrere Male. 14 von 15 Menschen starben. Einzig Eitan (5) hat überlebt, offenbar, "weil seine Eltern ihn umarmten". Seither wachen seine Tante Aya und auch seine Großmutter am Bett des Kindes. Eitans Zustand bessert sich. Mittlerweile ist er aus dem Koma erwacht, konnte bereits etwas essen und fragt nach Mama und Papa. Noch weiß er offenbar nicht, dass Amit und Tai, sein kleiner Bruder Tom und auch die Urgroßeltern nicht mehr am Leben sind.

Eine Woche lang lag der Kleine auf der Intensivstation des Kinderkrankenhauses Regina Margherita in Turin. Die Brust- und Bauchverletzungen des Fünfjährigen verheilen gut, teilte die Klinik mit. Das Kind schwebe nicht mehr in Lebensgefahr.

Eitans Tante Aya: "Werden alles tun, um eure Wünsche und Träume zu erfüllen"

Unterdessen hat die italienische Zeitung "La Stampa" einen herzergreifenden Brief seiner Tante veröffentlicht, der mit den Worten "Mein Amit, mein kleines Brüderchen, meine geliebte Tai-Tai und unser Tomi-Tom" beginnt. "Ich habe keine Worte, um zu beschreiben, wie sehr wir euch vermissen." Sie schwelgt in Erinnerungen aus guten Zeiten, erzählt von Spaziergängen mit dem Kinderwagen, eisbefleckten T-Shirts und Tagen im Schwimmbad. "Als sie nach Pavia zu uns kamen, war Eitan erst einen Monat alt und meine Mädchen waren zwei und 18 Monate alt. Zum ersten Mal seit Jahren hatten wir eine Familie in Italien", heißt es in dem Brief.

Ein Familieglück, das bei einem Ausflug auf den Berg Mottarone ausgelöscht wurde. "Es gibt so viele Dinge, die ich noch einmal sagen möchte", schreibt Aya. "Ich möchte Ihnen sagen, dass mein Mann und ich alles tun werden, um eure Wünsche und Träume für Eitan wahr werden zu lassen. Ihr werdet immer in unseren Herzen und unseren Seelen sein, jede Sekunde. Wir werden euch für immer lieben." Eitans Tante dankte auch den Ärzten, "die mit Leidenschaft und unendlicher Geduld arbeiten".

Dass die Verantwortlichen wieder auf freiem Fuß und zu Hause sind, mache sie traurig. "Wir möchten, dass sie schnellstmöglich vor Gericht gestellt und nach der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden." Das Unglück solle einen "Wendepunkt" darstellen, "damit sich ähnliche Tragödien nicht wiederholen", schrieb sie. "Was am Sonntag passiert ist, hätte nicht passieren dürfen. Es hat so viele Leben und meine Familie vollständig zerstört und einen 5-jährigen Jungen als einzigen Überlebenden hinterlassen. Mit weniger "Gleichgültigkeit" hätte diese Tragödie vermieden werden können." (cwa)