Junge (5) überlebt Seilbahn-Katastrophe in Italien

Diese schwere Aufgabe steht Eitans Tante jetzt bevor

Eitans Eltern und sein Bruder starben bei der Seilbahn-Katastrophe in Italien. Nur der Fünfjährige überlebte.
Eitans Eltern und sein Bruder starben bei der Seilbahn-Katastrophe in Italien. Nur der Fünfjährige überlebte.
© privat

26. Mai 2021 - 22:43 Uhr

Wenn Eitan erwacht, kommt Schlimmes auf ihn zu

Er ist gerade mal fünf Jahre alt und muss schon so schreckliches Leid erfahren. Eitan aus Israel liegt nach der Seilbahn-Katastrophe am Monte Mottarone in Italien im künstlichen Koma. 14 Menschen, darunter seine Eltern, Urgroßeltern und sein Bruder, starben, als eine Gondel in die Tiefe stürzte. Noch ist Eitan nicht richtig bei Bewusstsein – wenn er erwacht, kommt noch einmal Schlimmes auf ihn zu. Denn: Er weiß noch nicht, dass er seine Familie verloren hat. Seine Tante Aya B. wird laut italienischen Medienberichten mit ihrem Neffen darüber sprechen.

Gondelabsturz am Monte Mottarone: Es fehlten fünf Meter bis zum Ziel

Es wären noch fünf Meter gewesen, dann wäre die Gondel der Seilbahn am Ziel gewesen. Das Einfahrtstor soll sich schon geöffnet haben, als plötzlich das Seil riss und 15 Menschen in die Tiefe stürzten. 14 von ihnen starben bei dem Unglück. Nur ein kleiner Junge aus Israel überlebte. Eitan (5) kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus in Turin. Dass er den Sturz überhaupt lebend überstanden hat, hat er wohl seinen Eltern zu verdanken. Sie sollen ihren Sohn beim Absturz umarmt und damit vor dem sicheren Tod bewahrt haben, das berichtete ein Feuerwehrmann.

Von all dem weiß das Kind noch nichts. Eitan wird derzeit langsam aus dem künstlichen Koma geholt. "Er beginnt die ersten Anzeichen eines Erwachens mit Husten und einigen Momenten spontaner Atmung zu geben", wird La Valle von dem Portal "TGCom24.it" zitiert. RTL sprach kurz nach dem Unfall mit Krankenhausdirektor Giovanni La Valle: "Als der Fünfjährige im Krankenhaus eingeliefert wurde, war der Zustand kritisch. Die OP verlief gut und Eitan ist außer Lebensgefahr."

14 Menschen sind bei dem Seilbahn-Unglück in Italien ums Leben gekommen.
Bei dem Seilbahn-Unglück in Italien starben 14 Menschen.
© dpa, Uncredited, frd

Eitans Tante ist in Italien angekommen

Wie "Corriere della Sera" berichtet, soll Eitans Tante, Aya B., mittlerweile bei ihm angekommen sein. Sie befinde sich bei ihrem Neffen im Krankenhaus, heißt es. Der Junge habe am Mittwochnachmittag seine Augen für wenige Sekunden geöffnet und in das Gesicht seiner Tante geblickt. Ein Psychologe sei zur Aufsicht dabei gewesen, berichtet die italienische Zeitung. Ein Anästhesist werde nun Eitans Medikamenten-Dosis reduzieren. Das werde dazu führen, dass er langsam wieder zu Bewusstsein käme.

Der Junge könnte, wenn er aufwacht endlich über den Berg sein. Sicher eine Erleichterung für seine Tante Aya. Doch es wird auch ein schwerer Schritt für die Schwester von Eitans verstorbenen Vater. Denn sie wird es sein, die dem Kind beibringen muss, dass er seine Familie verloren hat. Dabei befindet sie sich selbst noch mitten in der Trauerbewältigung.

Aya B. habe wohl über Umwege vom Tod ihrer Angehörigen erfahren, heißt es in Medienberichten. Plötzlich seien Beileidsbekundungen per SMS bei ihr angekommen – dabei wusste sie noch gar nicht, was passiert war. Für sie sei es unfassbar schwer, den Verlust der Familienmitglieder zu begreifen, heißt es.

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Särge der israelischen Familie nach Mailand gebracht

Am Mittwoch wurden die Särge der israelischen Familie zum Flughafen Mailand-Malpensa gebracht, sie wurden von Rabbinern getragen. Von dort aus sollen sie nach Israel geflogen werden, wo auch die Trauerfeier stattfinden soll, das berichtet "varesenews.it". Auf Fotos sind Angehörige zu sehen, die an den Särgen trauern. Sie waren offenbar aus Israel angereist.

Die jüdische Gemeinde sprach der ermittelnden Staatsanwaltschaft ihren Dank aus, dass die Verstorbenen schnell nach Israel zurückgebracht werden können. Man hege keinen Groll gegen Italien, sondern hoffe nur auf eine lückenlose Aufklärung des Unglücks.

Drei Festnahmen - Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung

Die Polizei hat am Mittwoch den Chef der Betreiberfirma sowie zwei weitere Angestellte festgenommen.
Die Polizei hat am Mittwoch den Chef der Betreiberfirma sowie zwei weitere Angestellte festgenommen.
© ROPI

Laut italienischen Medien hat es am Mittwoch drei Festnahmen im Zusammenhang mit dem Seilbahn-Unglück gegeben. Dabei handelt es sich um den Chef sowie zwei Ingenieure der Betreiberfirma Ferrovie del Mottarone. Sie seien um kurz vor vier Uhr nachts festgenommen und nach Verbania in Untersuchungshaft gebracht worden. Gegen sie werde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Der Hintergrund: Offenbar hatten sie die Notbremse der Gondel absichtlich manipulieren lassen.

Wie RTL-Korrespondent Udo Gümpel aus Italien berichtet, sind die drei Festgenommenen am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt worden. "Sie haben vor den Carabinieri zugegeben, dass die Notbremse außer Betrieb gesetzt worden war, weil es in den letzten Tagen immer wieder Probleme gegeben hat", sagt Gümpel. Seit dem 24. April sei die Gondel demnach ohne Notbremse gefahren.