Betreiber der Seilbahn in Italien drohen 30 Jahre Haft

Mussten 14 Seilbahn-Passagiere sterben, weil der Gondel-Chef Geldsorgen hatte?

Gondel-Betreiber Luigi N. (48)
Gondel-Betreiber Luigi N. (48)
© Quelle: privat, RTL, Unbekannt

31. Mai 2021 - 9:06 Uhr

Aus Geldgier Sicherheitssystem manipuliert

Warum endete eine Seilbahn-Fahrt westlich des Lago Maggiore in Norditalien für 14 Menschen mit dem Tod? Mittlerweile deutet immer mehr darauf hin, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können. Im Fokus der Ermittler steht Gondel-Chef Luigi N., der offenbar keine weiteren Geldeinbußen haben wollte. Nach dem Lockdown haben er und zwei Ingenieure die Seilbahn am 24. April wieder eröffnet, obwohl sie wussten, dass die Bremsen der abgestürzten Gondel defekt waren. Bewusst haben die drei Verantwortlichen die Bremsen mit einer Metallgabel manipuliert, damit die Seilbahn wieder laufen kann und sie kassieren können. Ein Ticket für 20 Minuten Fahrt kostete 20 Euro pro Person. 20 Euro, mit denen 14 Menschen die Fahrt in den Tod bezahlt haben.

Skrupellose Geldgier Grund für Tragödie in Italien

Die Polizei hat am Mittwoch den Chef der Betreiberfirma sowie zwei weitere Angestellte festgenommen.
Seilbahn-Chef Luigi N. bei seiner Festnahme.
© ROPI

Die Bremsen hätten vor der Eröffnung repariert werden müssen. Die Betreiber hätten in dieser Zeit aber keine Einnahmen gehabt. Das wollten Luigi N., Enrio P. und Gabriele T. offenbar nicht in Kauf nehmen. Seit einem Monat tickte für die Passagiere der Kabine mit der Nummer drei also die Uhr. "Die Metallklammer, die von oben eingesetzt wird, um die Bremsbacken daran zu hindern auf das Tragseil zuzugreifen, wurde ganz bewusst eingesetzt und sie wurde auch bewusst dort belassen", berichtet RTL-Korrespondent Udo Gümpel. Betroffen sei demnach nur die Todes-Gondel gewesen.

Am 23. Mai riss das Seil der Bahn, 15 Menschen stürzten mit 100 km/h in Kabine drei ab, die Gondel krachte auf den Boden, überschlug sich mehrere Male. 14 Menschen sind ums Leben gekommen. Einzig Eitan (5) hat schwer verletzt überlebt. Der fünfjährige Junge liegt noch immer auf der Intensivstation des Regina-Margherita-Krankenhauses in Turin. Er ist mittlerweile aus dem Koma erwacht und fragt nach seinen Eltern.

Waren den Betreibern 70.000 Euro mehr wert als 14 Menschenleben?

HANDOUT - 23.05.2021, Italien, Stresa: Rettungskräfte arbeiten am Wrack einer abgestürzten Gondel, die in einem Waldstück liegt. Beim Absturz der Gondel einer Seilbahn am norditalienischen Lago Maggiore haben mindestens 14 Menschen ihr Leben verloren
14 Menschen verloren durch die Seilbahn-Katastrophe ihr Leben.
© dpa, Uncredited, frd

Seit der Öffnung der Seilbahn am 24.April haben die Betreiber schätzungsweise 70.000 Euro kassiert. Geld, das der Betreiber anscheinend dringend brauchte. Der Lockdown habe ihn laut "Quifinanza" gezwungen eine Hypothek auf sein privates Familienhaus aufzunehmen. Und das obwohl er mit der Seilbahn allein im Jahr 2019 1,8 Millionen Euro eingenommen haben soll.

Seit Jahren soll Luigi N. finanzielle Probleme haben. Aufgrund des Stillstandes der Bahn im Lockdown soll der finanzielle Druck noch größer geworden sein. So groß, dass der 56-jährige Familienvater und seine beiden Ingenieure offenbar den Tod von 14 Menschen billigend in Kauf genommen haben. Ihm drohen wegen schweren Totschlags 30 Jahre Haft.

(mca)