Österreichs Ex-Kanzler

Sebastian Kurz entschuldigt sich: „Mensch mit Fehlern“

5 Tage nach seinem Rücktritt wendet sich Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz mit einer Videobotschaft an das Land.
5 Tage nach seinem Rücktritt wendet sich Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz mit einer Videobotschaft an das Land.
© deutsche presse agentur

14. Oktober 2021 - 13:22 Uhr

Sebastian Kurz appelliert an seine Anhänger

"Ich bin kein Roboter, sondern ein Mensch mit Fehlern" – Fünf Tage nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler Österreichs wendet sich Sebastian Kurz in einer emotionalen Videobotschaft ans Land. Die schweren Korruptions- und Untreuevorwürfe gegen ihn weist er erneut ab. Dafür entschuldigt er sich für skandalöse SMS-Nachrichten, die im Zuge der Untersuchungen gegen ihn ans Licht kamen.

Kurz spürt „Enttäuschung, Resignation, Wut“

Die letzten Tage seien für Österreich, aber auch für ihn persönlich sehr schwer gewesen, so Kurz in seiner Videobotschaft. Er könne die "Enttäuschung, Resignation, Wut" im Land nachvollziehen, denn er empfinde die Situation genau so, erklärt der 35-Jährige.

Sebastian Kurz und seine engsten Vertrauten stehen im Verdacht, mit Steuergeldern positive Berichterstattung für die ÖVP erkauft zu haben. Auch das Finanzministerium soll involviert sein. Fahnder durchsuchten deshalb am 06. Oktober das Kanzleramt, die Parteizentrale der ÖVP, das Finanzministeriums und ein großes Medienhaus.

Wie auch in seiner Rücktritts-Rede am 11. Oktober streitet Kurz die Vorwürfe in seinem Statement ab. "Ich habe mir in meinem ganzen Leben noch nicht strafrechtlich irgendwas zu Schulden kommen lassen […] Und das werde ich am Ende des Tages auch beweisen". Man wolle ihm und der Volkspartei mit den Vorwürfen schaden, so Kurz.

„Kein Roboter, sondern ein Mensch mit Fehlern, mit Emotionen“

In seiner Videobotschaft spricht Kurz auch SMS-Nachrichten an, die vor einigen Tagen an die Öffentlichkeit gelangten. In Nachrichten an Thomas Schmid, dem ehemaligen Generalsekretär im österreichischen Finanzministerium, bezeichnet Kurz ÖVP-Politiker Michael Spindelegger beispielsweise als "Arsch".

Außerdem sollen seitenlange Chatverläufe zwischen Parteimitgliedern und einem österreichischen Boulevardmagazin die Korruptionsvorwürfe laut Staatsanwaltschaft bestärken.

Dazu meint der 35-jährige Ex-Kanzler nun: "Es sind zahlreiche SMS-Nachrichten im Umlauf, die ich selbst nie geschrieben habe. Und darüber hinaus gibt es einige Nachrichten, die ich geschrieben habe [...] Ich verstehe absolut, dass man an den Bundeskanzler ganz besondere Erwartungen hat, was die Wortwahl betrifft. Aber genauso wie ich zu Hause nicht im Anzug herumlaufe, genauso bin ich nicht nur ein Politiker, sondern ein Mensch. Ich bin kein Roboter, sondern ein Mensch mit Fehlern, mit Emotionen. und ja, leider auch manchmal mit Formulierungen, die ich öffentlich nicht verwenden würde. Ich habe mich bereits für diese Formulierungen entschuldigt und ich bedaure sie."

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„Klar ist, ich bin kein Schattenkanzler“

Nach seinem Rücktritt wurde bereits vermutet, dass Sebastian Kurz von nun an als "Schattenkanzler" hinter Neu-Kanzler Alexander Schallenberg agiere und im Hintergrund noch die Strippen ziehe. Diese Spekulationen will er aus dem Weg räumen: "Klar ist, ich bin kein Schattenkanzler. Ich werde als Bundesparteiobmann und Klubobmann alles tun, um Alexander Schallenberg und das Regierungsteam bestmöglich zu unterstützen." Er wolle weiterhin alles für das Land geben. (kwa)