Lauterbach hat kein Verständnis für Impf-Vordrängler

„Vordrängeln, weil sie Party oder Urlaub machen wollen, ist nicht fair"

Der Wunsch nach einer Impfung ist bei vielen groß, auch wenn sie noch an der Reihe sind.
Der Wunsch nach einer Impfung ist bei vielen groß, auch wenn sie noch an der Reihe sind.
© dpa, Jörg Carstensen, car cul

11. Mai 2021 - 13:53 Uhr

Für Corona-Impfung: Tricksereien und falsche Angaben

Jetzt wird es langsam spürbar: Immer mehr Menschen im direkten Umfeld haben den begehrten Piks bereits bekommen und dann lockt da auch noch die Aussicht auf Lockerungen bei vollständiger Impfung. Logisch, dass da der Wunsch der noch Ungeimpften größer wird, auch endlich dran zu sein. Tausende jedoch versuchen es mit Tricksereien oder sogar falschen Angaben. Der Ruf nach Strafen wird laut. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat kein Verständnis für dieses Verhalten und findet klare Worte.

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Er habe "gar kein Verständnis", dass es "Menschen gibt, die jetzt drängeln, obwohl sie noch nicht an der Reihe sind", sagte er in einem Interview beim Ludwig Erhard Gipfel. "Vordrängeln, weil sie Party oder Urlaub machen wollen, ist nicht fair." In Deutschland gäbe es noch sehr große Gruppen, die noch nicht ausreichend mit Impfstoff versorgt sind und somit im Risiko stünden, so Lauterbach.

In Impfzentren: Tausende Impfdrängler werden erwischt

Der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.
Der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.
© deutsche presse agentur

"Zwar werden Tausende erwischt, aber es fehlt an Sanktionen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. "Sich beim Impfen vorzudrängen, ist weiterhin keine Ordnungswidrigkeit."

Viele Impfzentren klagen nach einem Medienbericht über Aggressivität von Impfwilligen und zunehmende Versuche, sich eine vorzeitige Impfung zu erschleichen. Das SWR-Fernsehmagazin "Report Mainz" berichtete von mehreren tausend Fällen.

Allein das Hamburger Impfzentrum meldete demnach zuletzt 2.000 Vordrängler in einer Woche. Um vorzeitig an einen Impftermin zu kommen, würden etwa falsche Alters- oder Berufsangaben gemacht, berichtete "Report". In München würden bis zu 350 Vordrängler in der Woche erwischt, in Saarbrücken bis zu 140. Die Redaktion hatte bei den Impfzentren der Landeshauptstädte nachgefragt, allerdings erfassen nicht alle die Zahlen zu Impfvordränglern.

Der Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, Martin Helfrich, sagte dem ARD-Magazin: "Die Stimmung wird aggressiver. Den Menschen ist teilweise sehr klar, dass sie nicht berechtigt sind und trotzdem versuchen sie, sich impfen zu lassen."

"Report"-Recherchen zeigen demnach, dass die Impfbetrüger sich oft als höher priorisierte Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren ausgeben. Denn eine pflegebedürftige Person etwa kann zwei Kontaktpersonen benennen, die vorrangig geimpft werden. In einem der SWR-Redaktion bekannten Fall schafften es aber statt zwei acht junge und gesunde Leute, sich als Kontaktpersonen impfen zu lassen.

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"Am Patientenschutztelefon erfahren wir von psychischen und physischen Drohgebärden“

Die Gesundheitsministerkonferenz hob am Montag die Impfpriorisierung beim Präparat des Konzerns Johnson & Johnson auf - ähnlich wie zuvor bereits bei dem des Herstellers AstraZeneca. Beide Impfstoffe können in sehr seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen haben. Deshalb ist vor einer Entscheidung für eines der beiden Vakzine bei Menschen bis 60 Jahren ärztliche Aufklärung und eine individuelle Risikoanalyse vorgeschrieben.

Regelhaft eingesetzt werden sollen beide Impfstoffe erst bei Personen ab 60. Allerdings wird der Großteil von Johnson & Johnson in Deutschland voraussichtlich erst dann geliefert werden, wenn die Älteren ganz überwiegend schon geimpft sind: laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zehn Millionen Dosen bis Ende Juli. Anders als beim Wirkstoff von AstraZeneca - und auch den unbeschränkt eingesetzten Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna - reicht bei Johnson & Johnson bereits eine Impfung.

Brysch sagte mit Blick auf den Druck vieler Impfwilliger: "Jetzt werden Vakzine freigegeben. Damit entsteht in den Impfzentren und bei den Hausärzten massiver Druck. Am Patientenschutztelefon erfahren wir von psychischen und physischen Drohgebärden."

LESE-TIPP: Kommentar: Liebe Ü-60er, lasst euch bitte mit AstraZeneca impfen!

Insgesamt haben die Impfstellen mittlerweile mehr als 35 Millionen Impfdosen gegen Corona verabreicht - etwas weniger als 27,3 Millionen bei Erstimpfungen und weitere gut 7,8 Millionen bei Zweitimpfungen (Stand Montag). 32,8 Prozent der Menschen haben mindestens eine Impfung erhalten. Den vollen Impfschutz erhielten demnach bislang 9,4 Prozent der Bevölkerung.

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