Lasst uns beim Impfstoff solidarisch bleiben

Liebe Ü-60-Generation, nehmt doch bitte AstraZeneca!

Der Stempel im Impfpass: Viele junge Menschen warten auf eine Corona-Impfung
Der Stempel im Impfpass: Viele junge Menschen warten auf eine Corona-Impfung
© imago/Jochen Tack, imago stock&people

12. Mai 2021 - 9:03 Uhr

Ein Kommentar von Philipp Sandmann

Ich bin nicht der Meinung, dass junge Menschen nun "einen gut haben" bei den Alten, weil sie sich in der Corona-Pandemie solidarisch gegenüber den älteren Menschen verhalten haben. Solidarität in einer Krise wird nicht verliehen wie ein Rasenmäher an den Nachbarn, den man dann nach ein paar Tagen (hoffentlich) zurückbekommt.

Das heißt aber nicht, dass es generell vorbei sein darf mit der Solidarität. Auch alte Menschen müssen Solidarität zeigen – gerade beim Thema Impfstoff! Denn die Jungen müssen noch eine ganze Weile warten, bis sie drankommen.

Corona-Pandemie: Solidarität hat Leben gerettet

Die Einschränkungen der Freiheiten von jungen Menschen für den Schutz der Alten war in vielen Phasen der Pandemie von entscheidender Bedeutung. Auch dadurch wurden Leben gerettet. Schlimm ist, dass trotzdem so viele aus den Risikogruppen am Coronavirus gestorben sind. Das lag aber vor allem an der fehlerhaften Strategie der Bundesregierung.

Nun gibt es viele Lichtblicke. Die Sonne scheint, hier und da verspüren wir ein wenig Leichtigkeit und es kommt die Frage auf: Haben wir es wirklich bald geschafft? Die Antwort der Frage lässt sich nur mit dem Impf-Fortschritt in Deutschland beantworten. Immerhin: Ein Drittel der Bevölkerung hat mindestens eine Impfung erhalten.

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Corona-Impfung: Gibt es genug Biontech für die Jungen?

Die meisten jungen Menschen wollen sich impfen lassen. Das ist ein gutes Zeichen. Womöglich wollen sie es nicht nur, damit sie gesund bleiben, sondern auch deswegen, weil sie gerne wieder reisen wollen und unbeschwertes Leben führen wollen. Auch diese Motivation ist vollkommen in Ordnung.

Wer als junger Mensch nicht zu einer der drei Prioritäts-Gruppen gehört, hat es schwer einen Impftermin zu bekommen. Und der Biontech-Impfstoff, der eigentlich für die junge Generation vorgesehen ist, wird gerade wieder rar.

Heißt: In den nächsten Wochen bleibt für die Jungen nur die Option AstraZeneca oder Johnson & Johnson. Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfstoffe dieser Hersteller nur für die über-60-Jährigen. Gerade bei jungen Frauen ist nach einer AstraZeneca-Impfung das Risiko einer Sinusvenenthrombose viel höher als bei älteren Menschen.

Da hilft es also nicht, dass auch ältere Menschen immer wieder explizit den Biontech-Impfstoff verlangen, während auf der anderen Seite junge Menschen das Risiko eingehen, sich mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson impfen zu lassen.

Junge Menschen erwarten kein Dankeschön für ihre Solidarität, sie erwarten lediglich, dass alle ihren Teil dafür tun, dass wir die Krise zusammen bewältigen – und noch ist die Pandemie einfach nicht vorbei.

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