Sachsen-Anhalt: Bewohner besorgt

Mitten im Dorf: Wölfe umkreisen Auto von Zeitungszustellerin

05. August 2021 - 13:28 Uhr

Zeitungszustellerin in Roxförde (Sachsen-Anhalt) von drei Wöfen verfolgt

Böser Schreck am frühen Morgen: Zeitungszustellerin Evelyn D. will gerade aus ihrem Auto aussteigen, als sie bemerkt, dass sie nicht allein auf der Straße in Roxförde ist. Außer ihr sind plötzlich drei Wölfe da, bedrohlich nah für die 69-Jährige. Die Tiere umkreisen ihr Auto, verfolgen sie danach regelrecht durch den Ort, erzählt sie der 'Magdeburger Volksstimme'. Sie hat Angst, traut sich nicht aus dem Auto: "Eines der Tiere, ein Rüde, war so groß wie ein Kalb." Was Anwohner und Experten zu dem Vorfall sagen – in unserem Video.

"Wölfe meiden den Menschen, aber nicht die Infrastruktur der Menschen"

Neuwald
Marie Neuwald vom Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Roxförde ist eine 200-Seelen-Gemeinde in Sachsen-Anhalt. Wolfsgebiet seit vielen Jahren. Das bereitet vielen Menschen Sorgen. Eine Anwohnerin berichtet dem Zeitungsbericht zufolge, dass "wir Angst um die Gesundheit und das Leben unserer Kinder haben." Angeblich würden sie und ihre Freunde und Bekannten sich wegen der Wölfe nicht mehr in den Wald trauen.

Dazu bestehe allerdings kein Anlass, sagt Marie Neuwald vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Normalerweise ist die Wahrscheinlichkeit, Wölfe zu treffen, relativ gering. Dennoch könne es zu Begegnungen wie jener der Zeitungszustellerin kommen. "Wölfe meiden den Menschen, aber nicht die Infrastruktur der Menschen", erklärt sie. Deswegen nutzen sie die Straße, "weil das energieeffizienter ist, als sich durchs Gebüsch zu schlagen."

Das rät die Expertin bei Begegnungen mit Wölfen

Die Tiere stellen laut der NABU-Expertin auch keine Gefahr für den Menschen dar. "Natürlich könnten sie Menschen allein aufgrund ihrer körperlichen Stärke etwas tun, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering." Seit 20 Jahren sind Wölfe, die früher erbarmungslos gejagt und beinahe ausgerottet wurden, wieder in Deutschland heimisch. Seither hat es keinen einzigen Angriff eines Wolfes auf Menschen gegeben, so Neuwald.

Wichtig sei es, dass Menschen in Wolfsgebieten wüssten, wie sie sich verhalten sollten, wenn es doch einmal zu einem Treffen mit den tierischen Nachbarn käme. Sie rät

RTL NEWS empfiehlt

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  • Ruhe bewahren!
  • Keinesfalls wegrennen!
  • Nicht auf das Tier zugehen, füttern oder gar streicheln!

Wer sich unwohl fühle, solle "sich groß machen, rufen oder klatschen und versuchen, sich zurückzuziehen." Sie stellt klar: "Die allermeisten Begegnungen zwischen Mensch und Wolf verlaufen völlig unspektakulär."

Video: Begegnung mit einem Wolf - so verhält man sich richtig

"Wölfe sind neugierig und manchmal auch dreist"

Das bestätigt auch Andreas Berbig, Leiter des Wolfskompetenzzentrums Iden. Wölfe sähen den Menschen nicht als Beute, "sind aber neugierig und manchmal auch dreist", sagte er der 'Magdeburger Volksstimme'. Sie ließen sich mit viel Krach verjagen. Es gebe keinen Grund, wegen ihnen den Wald zu meiden. (uvo)