Schock an Bamberger Grundschule

Hacker zeigt Drittklässlern Porno im Online-Unterricht

16. April 2021 - 21:35 Uhr

Bamberg: Elternvertreter empfand "Abscheu"

Es war ein Schultag wie jeder andere in Corona-Zeiten. Drittklässler der Kaulbergschule in Bamberg (Bayern) paukten am Montag im Distanzunterricht, die Lehrerin verteilte Aufgaben per Videochat. Was die Schüler dann sahen, war nicht für Kinderaugen bestimmt: Ein Hacker hatte sich Zugang zur Lernplattform verschafft und spielte einen Pornofilm ab. "Abscheu" habe er empfunden, als er davon erfuhr, erzählt der Elternbeiratsvorsitzende der Schule, Matthias Zeck, im Video.

Offenbar ließen Schüler den Hacker in den Chat

Als der Film startete, waren zehn bis zwölf Grundschüler im digitalen Klassenzimmer. Bei dem von der Schule genutzten Programm kann jeder Teilnehmer weitere Leute in den Chat lassen, wie Zeck erklärt. Wovon die Kinder offenbar Gebrauch machten, als der Hacker auf Einlass wartete – in der Annahme, ein Klassenkamerad wolle dazustoßen.

Der Täter machte sich zunutze, dass auch jeder Anwesende andere Teilnehmer aus dem Online-Unterricht werfen kann. Er verbannte erst die Lehrerin aus dem Chat und startete den Film. "Die Kinder haben im ersten Moment gar nicht wahrgenommen, was da jetzt plötzlich abgespielt wird", berichtet der Chef des Elternbeirats. "Trotzdem ist es für die Kinder schlimm."

Eltern sahen Porno und reagierten schnell

Dass der Spuk nur rund eine Minute dauerte, ist laut Matthias Zeck der Verdienst aufmerksamer Eltern. Sie die pornografischen Inhalte, schlossen sich per Whatsapp kurz und beendeten die digitale Konferenz.

Auch die Schule habe schnell reagiert und den Elternbeirat über den Vorfall informiert, sagt Zeck. Noch für denselben Abend organisierte die Kaulbergschule eine Veranstaltung mit einem Schulpsychologen. Dabei sei der Vorfall besprochen und den Eltern Hilfe angeboten worden, erklärt der Elternvertreter.

Neues Lernprogramm für Bamberger Kaulbergschule

Kein gutes Zeugnis stellt er hingegen dem bayerischen Kultusministerium aus. Programme wie "Zoom" würden wegen Datenschutzproblemen abgelehnt. "Aber wenn man dann […] selbst nix hinkriegt, dass es ein vernünftiges Programm hinkriegt, ist das auf dem Rücken der Kinder", klagt Zeck.

Immerhin wurde das Lernprogramm noch am Montag gegen ein anderes getauscht. Und dort entscheidet nun alleine der Lehrer, wer rein darf und wer raus muss. Die Schule hat wegen des Vorfalls Anzeige bei der Polizei erstattet.

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