42-Jähriger bestritt vor Gericht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein

Säureattacke auf Energiemanager Bernhard Günther: Angeklagter zu 12 Jahren Haft verurteilt

18.08.2022, Nordrhein-Westfalen, Wuppertal: Bernhard Günther (r), Energiemanager, sitzt im Gerichtssaal neben seinem Anwalt Martin Meinberg. Im Prozess um das Säure-Attentat auf den Spitzenmanager wird heute möglicherweise das Urteil verkündet. Günth
Energiemanager Bernhard Günther war beim Joggen mit Säure attackiert worden.
hka cul, dpa, Henning Kaiser

Nach der Säureattacke auf den Energiemanager Bernhard Günther in Haan bei Düsseldorf hat das Landgericht Wuppertal einen 42-jähriger Belgier verurteilt. Der Mann müsse wegen absichtlicher schwerer und gefährlicher Körperverletzung für zwölf Jahre in Haft, entschied das Gericht am Donnerstag.

Angeklagter bestreitet Schuld: Er habe Säureattacke auf Bernhard Günther nicht begangen

Nach der Säureattacke auf den Energiemanager vor vier Jahren hatte die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten zwölf Jahre Haft beantragt. Angesichts der Indizien und vor allem der DNA-Spuren könne es keinen vernünftigen Zweifel an der Mittäterschaft des Belgiers geben, argumentierte die Staatsanwältin am Donnerstag (18.08.). Günther sei dauerhaft entstellt, er leide an starken Schmerzen. Sein früheres Leben bekommt der Geschädigte nicht mehr zurück, sagte die Anklage-Vertreterin.

Der angeklagte Belgier hatte in dem Prozess am Landgericht Wuppertal seine Unschuld beteuert: Er sei nie in seiner Nähe gewesen, er habe Günther nie gesehen, sagte der 42-Jährige aus. Er habe mit der Tat nichts zu tun. Sein Verteidiger forderte den Freispruch seines Mandanten und die Entlassung aus der Untersuchungshaft.

Bernhard Günther (l), ehemaliger Finanzchef von Innogy, und sein Rechtsanwalt Martin Meinberg (M) schauen zu, wie der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt wird.
Der Angeklagte bestreitet, an der Tat beteiligt gewesen zu sein (Archivbild).
picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Innogy-Manager Bernhard Günther musste nach Säureattacke mehrfach operiert werden

Der 55 Jahre alte Spitzenmanager Günther wurde am 4. März 2018 in der Nähe seines Hauses in Haan bei Wuppertal von zwei Männern angegriffen, mit hochkonzentrierter Schwefelsäure überschüttet und schwer verätzt. Aus Sicht seines Anwaltes Martin Meinberg ging es dabei darum, ihn als beruflichen Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen. Günther war damals Finanzchef des Energiekonzerns Innogy, der wenige Tage später vom Eon-Konzern übernommen wurde. Er vermutet einen Auftraggeber aus dem beruflichen Umfeld, nennt aber keinen Namen.

Günther musste mehrfach operiert werden. Augenlider und Teile seiner Gesichtshaut mussten transplantiert werden. Zahlreiche weitere Operationen stünden ihm noch bevor, sagte Günther aus. Er könne ein Auge nicht mehr richtig schließen, sagte die Staatsanwältin. Der Geschädigte spürt die Folgen der Tat bei jedem Wimpernschlag, sagte sie.

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Energiemanager Bernhard Günther hoff, dass Mittelsmänner und Auftraggeber der Säureattacke gefunden werden

Der Hinweis auf ihn und einen weiteren Verdächtigen kam von einem unbekannten Hinweisgeber, der gegen erhebliche Geldzahlungen von mehr als 150.000 Euro die Namen genannt hatte. Aussagen hatte der Hinweisgeber unter Hinweis auf akute Lebensgefahr aber nur über einen Rechtsanwalt gemacht. Trotzdem seien die Angaben widerspruchsfrei und in Details auch nachprüfbar korrekt gewesen, sagte die Staatsanwältin.

Der Angeklagte, der unter anderem als Automechaniker arbeitete, behauptet, dass ihm der Handschuh mit den DNA-Spuren möglicherweise aus dem Auto gestohlen und am Tatort platziert worden sei. Die Verletzung am Fuß stamme möglicherweise von einem Unfall in der Werkstatt. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete das als Schutzbehauptungen. Der Angeklagte habe die Chance vertan, in seinem letzten Wort zu gestehen und den Mittäter zu nennen und so einen erheblichen Strafnachlass zu erreichen.

Die Ermittlungen gegen den anderen Verdächtigen hatten keinen hinreichenden Verdacht ergeben und waren eingestellt worden. Günther sagte, er hoffe, dass mit der Entscheidung die Ermittlungen nicht beendet seien. Es müssten auch die Mittelsmänner und Auftraggeber gefunden werden. (dpa/lha)