RTL-Reporterin reagiert auf Hilferuf einer Zuschauerin

„Hilfe, unsere Nachbarn prügeln sich und die Kinder sind dabei“

11. Dezember 2019 - 16:19 Uhr

Mutmaßlicher Täter spricht überraschend offen vor der Kamera

Eine Frau hört bei ihren Nachbarn immer wieder laute Schreie, das Geräusch von Schlägen und auch schreiende Kinder. Nachdem die Polizei immer wieder tatenlos abzieht, wendet sie sich verzweifelt an RTL. Reporterin Vanessa de Lacaze bittet Polizei und Jugendamt um Antworten und konfrontiert dann sogar den mutmaßlich gewalttätigen Familienvater. Im Video erzählen wir die ganze Geschichte und zeigen, warum dann sogar während der Konfrontation die Polizei einschreitet.

Wann müssen Nachbarn reagieren?

Häusliche Gewalt stellt in Deutschland ein großes Problem dar und ist keine Privatsache, auch wenn sie in privathaushalten stattfindet. Oftmals trauen sich Betroffene aus Scham oder Angst nicht, mit anderen oder der Polizei über die Gewalt in ihrer Beziehung zu sprechen.

Die aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts sind erschreckend: Fast täglich wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Die Dunkelziffer sei extrem hoch, so Experten. Daher ist es enorm wichtig, dass Freunde, Bekannte und Nachbarn Zivilcourage zeigen und die Polizei kontaktieren, wenn sie einen Verdacht auf häusliche Gewalt haben.

Wie darf die Polizei reagieren?

Die Polizei kann ein Annäherungsverbot aussprechen, so wie im Fall im Video zu sehen ist, um das oder die Opfer vor weiterer Gewalt zu schützen. Sobald Kinder involviert sind, schaltet sie auch zu deren Schutz das Jugendamt ein.

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung – auch verbale Gewalt ist schon eine Traumatisierung und wird daher geahndet.

Wo finden Opfer von häuslicher Gewalt Hilfe?

Generell gilt mittlerweile per Gewaltschutz-Gesetz: "Wer schlägt, der geht." Früher hatten Frauen häufig Angst, ihr Zuhause verlassen zu müssen, wenn sie sich wegen häuslicher Gewalt Hilfe gesucht haben. Doch das Gesetz soll sicherstellen, dass der Täter gehen muss. Durchgesetzt wird das, wie im Fall im Video, durch das durch die Polizei ausgesprochene Annäherungsverbot.

Unter anderem finden Opfer von häuslicher Gewalt Ansprechpartner beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung werden Betroffene aller Nationalitäten rund um die Uhr unterstützt. Die Beratung ist anonym und kostenfrei.

Neu ist das Netzwerk ProBeweis. Hier können Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt anonyme Beweise sichern, um vielleicht Jahre später, doch noch Anzeige zu erstatten.

Wie reagiere ich, wenn ich Zeuge von Gewalttaten werde?

Was kann man tun, wenn man Zeuge einer Gewalttat wird und helfen will? Im öffentlichen Raum oder auch im privaten Umfeld erleben Menschen immer wieder, wie andere Opfer von Gewalt werden. Dazu gibt es Schritte, was Zeugen im besten Fall tun sollten. Wir erklären hier, welche Regeln dabei am wichtigsten sind.