Razzia bei Reichsbürgern

Dieser Prinz plante den gewaltsamen Umsturz in Deutschland

Razzia gegen Reichsbürger-Szene in Frankfurt: Festnahme Heinrich XIII Prinz Reuß
Vermummte Polizisten führen Heinrich XIII Prinz Reuß (M.) nach der Razzia zu einem Polizeifahrzeug.
brx wst, dpa, Boris Roessler

Sie sollen einen Umsturz vorbereitet und dafür auch mit Waffen trainiert haben: Die Bundesanwaltschaft hat 25 Menschen aus der sogenannten Reichsbürgerszene festnehmen lassen. Die Bundesanwaltschaft spricht von einer terroristischen Vereinigung. Unter den Festgenommenen ist Heinrich XIII. Prinz Reuß (71), der einem alteingesessenen deutschen Adelsgeschlecht entstammt. Er und ein ehemaliger Bundeswehr-Kommandeur gelten einem Bericht der "Zeit" zufolge als Rädelsführer des Umsturzversuches. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Reichsbürger wollten Bundestagsageordnete als Geiseln nehmen

Der militärische Arm der Verschwörer soll laut Ermittlern unter anderem erwogen haben, den Bundestag anzugreifen und Abgeordnete als Geiseln zu nehmen. Und es gab bereits Pläne für die Zeit nach der Revolution: Prinz Reuß war demnach als mögliches neues Staatsoberhaupt auserkoren worden. Gegen den Immobilienunternehmer aus Frankfurt am Main liegt ein Haftbefehl vor.

Einer Mitteilung des Generalbundesanwalts zufolge wollte die Vereinigung eine (militärische) Übergangsregierung bilden und die neue staatliche Ordnung in Deutschland mit den alliierten Siegermächten des Zweiten Weltkriegs verhandeln. Prinz Reuß hatte demnach schon Kontakt mit Vertretern der Russischen Föderation in Deutschland aufgenommen. "Nach den bisherigen Ermittlungen gibt es allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass die Ansprechpartner auf sein Ansinnen positiv reagiert haben", erklärt der Generalbundesanwalt.

RTL-Extremismusexperte über Reichsbürger: Alle wollen Umsturz und Apokalypse“

"Die Reichsbürger-Szene radikalisiert sich seit etwa 2010" Razzia gegen Reichsbürger
07:51 min
Razzia gegen Reichsbürger
"Die Reichsbürger-Szene radikalisiert sich seit etwa 2010"

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Umsturz in Thüringer Jagdschloss von Heinrich XIII. Prinz Reuß geplant

Razzia gegen Reichsbürger-Szene in Frankfurt
Bei einer Razzia gegen "Reichsbürger" stehen Polizisten vor einem durchsuchten Objekt in Frankfurt.
brx wst, dpa, Boris Roessler

Heinrich XIII. Prinz Reuß ist ein Nachfahre des Reuss'schen Adelsgeschlechts, das etwa seit dem Jahr 1200 in Thüringen herrschte. In thüringischen Bad Lobenstein gehört ihm ein Jagdschloss, das die Reichsbürger Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden zufolge für Vernetzungstreffen nutzten, berichtet "Welt". Dort soll auch der Umsturz geplant worden sein.

Zuletzt pendelte der Prinz laut "Zeit" zwischen dem Schloss und seiner Immobilienfirma in Frankfurt. Er schwärmt von der Monarchie und hält die Bundesrepublik für keinen souveränen Staat. Seine Familie berichtet, dass sich der 71-Jährige in den letzten Jahren schleichend radikalisiert hat. Er sei ein "teilweise verwirrter alter Mann, der verschwörungstheoretischen Irrmeinungen aufsitzt", sagt Fürst Heinrich XIV., das Oberhaupt des Reuss'schen Adelsgeschlechts.

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Familie distanziert sich von Prinz Reuß – Reichsbürger feiern ihn

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Der festgenommenen Heinrich XIII Prinz Reuß (r.) im Polizeiauto.
brx wst, dpa, Boris Roessler

Prinz Reuß hält die Gewaltenteilung laut "Welt" für "eine Illusion" und weiß mit der Demokratie nichts anzufangen. In öffentlichen Reden verbreitete er antisemitische Verschwörungsmythen und behauptete, die USA hätten das Hitler-Regime finanziert. Kriege seien ausgelöst worden, "um die Verbreitung der jüdischen Bevölkerung voranzutreiben".

Während Reuß in seiner Familie auf Ablehnung stößt, gilt er in der Reichsbürger-Szene als mutiger Aufklärer. Seine Videos kursieren auf dem Messengerdienst Telegram und werden auch in Kanälen der "Querdenker"-Szene" bejubelt.

Bad Lobenstein: Anwohner vom arroganten Prinzen genervt

In Bad Lobenstein ist Reuß alles andere als beliebt. Er sei meist am Wochenende in dem Jagdschloss gewesen, das er Anfang der 90er-Jahre erworben habe, sagten Anwohner zu RTL. Lange Zeit habe er sich unauffällig verhalten. Heute fällt der 71-Jährige nicht zuletzt durch seine Allüren auf: "Er wollte immer zuerst gegrüßt werden", berichtet ein Nachbar. Reuß sei ein "arroganter Vogel". (bst)