Prozessauftakt in Hannover

Musste Sophie (23) sterben, weil sie die Liebe eines Mannes nicht erwidert hat?

Die 23-jährige Sophie N. ist tot. Die junge Stewardess wurde von ihrem Stalker ermordet.
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03. Juli 2020 - 20:16 Uhr

Tat aus Rache und enttäuschter Liebe?

Im Januar lauert Patrick S. seinem Opfer Sophie N. in Hannover auf – nach etwa zwei Jahren Stalking. Die junge Stewardess wird brutal in ihrer Wohnung getötet. Nun startet der Prozess gegen den 36-jährigen am Landgericht Hannover.

„Als sie schrie, hielt er ihr den Mund zu“

Die Mutter der Getöteten kämpft mit den Tränen. Die Anklage beschreibt den Todeskampf der 23-Jährigen sehr detailliert. Im Januar diesen Jahres soll Patrick S. über die Balkontür in die Wohnung der Getöteten eingedrungen sein. Die junge Frau wird vom Täter überrascht. "Er schlug sie mehrmals mit voller Kraft ins Gesicht. Die Schläge waren so heftig, dass er den Nasenknorpel zertrümmerte. Als sie schrie, hielt er ihr den Mund zu.", so heißt es laut Anklage.

Außerdem soll er sie mit einem Elektroschocker und Pfefferspray angegriffen haben. "Nachdem Sophie sich wehrlos auf dem Boden befand, [ ...] stach er ihr in den Hals. Sie versuchte noch, das Messer mit der Hand abzuwehren. Er zerschnitt teilweise die Halsschlagader und sie verstarb unmittelbar, wie vom Angeklagten geplant", heißt es weiter.

„Er versuchte sie zu verängstigen und zu manipulieren“

Heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen, so lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Patrick S.. Im Juli 2017 lernte er Sophie N. kennen und versuchte mehrfach, eine Beziehung mit ihr zu beginnen. Aus Sicht des Opfers sei der Kontakt allerdings rein freundschaftlich gewesen. Nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte aus Rache und enttäuschter Liebe gehandelt haben, weil die junge Frau seine Zuneigung nicht erwidert haben soll. Ein Nachbar von Sophie erzählte gegenüber RTL, wie Patrick S. der Frau nachgestellt haben soll.

Die Zurückweisung war für den 36-Jährigen zu viel. Im Dezember 2017 fing er an, Sophie N. zu belästigen – nicht nur in sozialen Netzwerken, auch telefonisch und persönlich. Das Stalking vor der Tat soll sehr intensiv gewesen sein. "Er versuchte sie zu verängstigen und zu manipulieren", so die Anklage. Patrick S. habe wiederholt an der Wohnungstür geklingelt und habe tagsüber bis zu 164 Mal angerufen.

„Ich habe einen Menschen getötet“

Nach der Nacht im Januar sei Patrick S. zur Polizei gegangen und habe gesagt "Ich habe einen Menschen getötet". Beim heutigen Prozessauftakt schweigt er. Der Angeklagte wirkt angespannt und unruhig. Dem Blick der Mutter weicht er aus. Als der Vorsitzende ihn darauf anspricht, zu überdenken, ob er sich nicht doch äußern möchte, damit die Angehörigen den Fall vielleicht irgendwann verarbeiten können, fängt er an zu weinen.

Für den Fall einer Verurteilung wegen Mordes droht dem 36-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe. Ob eventuell mildernde Umstände für ein geringeres Strafmaß sprechen, ist noch nicht geklärt. In den kommenden Sitzungsterminen werden Zeugen und Sachverständige hinzugezogen. Unter anderem sollen noch die Mutter der Getöteten und ihr damaliger Freund aussagen.