Video von Polizeieinsatz in Magdeburg sorgt für Empörung

Beamte sollen den Kopf eines Mannes gegen eine Fassade gestoßen haben

Ein Video aus Magdeburg sorgt derzeit für heftige Kritik.
© Twitter/Solidarisches Magdeburg

11. Februar 2021 - 12:42 Uhr

Amateurvideo aus Magdeburg erhitzt die Gemüter: "Unfassbarer Akt roher Gewalt"

Ein Video aus Magdeburg sorgt derzeit für heftige Kritik. Dort soll zu sehen sein, wie Polizisten am Rande einer Demonstration gegen einen Neonazi-Aufmarsch am 16. Januar einen Mann so stark gegen eine Hauswand stoßen, dass drei Fassadenplatten herausbrechen. Die Demo-Organisatoren sind empört, die Polizei Magdeburg äußert sich derweil zurückhaltend zu den Einzelheiten des Vorfalls.

Vorfall am Rande eines Neonaziaufmarsches in Magdeburg

Das 18 Sekunden lange Video wurde offenbar am 16. Januar in Magdeburg aufgenommen und kursiert derzeit in den sozialen Medien. An diesem Tag zogen rund 100 Neonazis durch die Stadt, um an die Bombardierung während des Zweiten Weltkrieges zu erinnern. Etwa 500 Menschen stellten sich den Rechtsradikalen entgegen. Getrennt wurden beide Lager von mehreren Hundertschaften der Polizei, die aus sechs Bundesländern angereist waren.

Demo-Organisatoren sprechen von "roher Gewalt"

Die Filmaufnahmen, die unter anderem das Bündnis "Solidarisches Magdeburg" bei Twitter gepostet hatte, zeigen eine Szene am Rande der Gegenproteste: Ein junger Mann läuft vor zwei Polizisten weg. Als die ihn zu fassen bekommen, scheinen sie ihn gezielt gegen die Außenwand eines Plattenbaus zu stoßen. Und dies offenbar so stark, dass drei Platten der Außenverkleidung brechen und zu Boden fallen. Schwer verletzt ist der Mann aber offenbar nicht, er wird anschließend von den Polizisten abgeführt. Unbestätigten Berichten zufolge, musste allerdings eine Wunde genäht werden.

Weshalb es zu dem Zugriff kam, geht aus dem Video nicht hervor, auch die Polizei sagt dazu nichts. Die Organisatoren der Gegendemonstrationen in Magdeburg äußern sich via Twitter zu der Szene, bezeichnen sie als "Akt roher Gewalt". Zudem soll es von Seiten der Polizei an anderer Stelle zu Faustschlägen gegenüber Demonstranten gekommen sein. "Das wird Konsequenzen haben", kündigte das Bündnis "Solidarisches Magdeburg" an.

Polizei äußert sich nur knapp zu dem Vorfall

Die Polizei Magdeburg hatte in einer ersten Pressemitteilung am Abend des 16. Januar noch von einer ruhigen Demonstration berichtet, ohne Festnahmen oder größere Vorkommnisse. Erste Nachfragen zum Video wurden nicht kommentieren. Auch am Montag äußert sich die Magdeburger Polizei gegenüber RTL nur spärlich. "Im Zusammenhang mit dem Sachverhalt sind zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet worden", heißt es. Das Video sei der Polizei aber bekannt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird sowohl gegen den Demonstranten wegen eines Angriffs auf Vollstreckungsbeamte als auch gegen Polizeibeamte wegen Körperverletzung ermittelt. Die Betroffenen haben einander gegenseitig angezeigt.

Unterdessen fordern mehrere Politiker der Grünen und Linkspartei, dass das Demogeschehen am Donnerstag im Innenausschuss besprochen wird. Berichte über Polizeigewalt müssten umfassend aufgearbeitet werden, teilte die Linken-Abgeordnete Henriette Quade am Montag mit. Auch der Grünen-Landeschef Sebastian Striegel meldete Aufklärungsbedarf an.