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Polio-Alarm in London: Kinderlähmung-Virus in Abwasserproben nachgewiesen

Behörden haben nationalen Zwischenfall ausgerufen

Polio-Alarm in London: Kinderlähmung-Virus in Abwasserproben nachgewiesen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Säuglinge und Kleinkinder eine Grundimmunisierung gegen Polio mit einem 6-fach-Impfstoff.  Die Polio ist seit 1990 in Deutschland ausgerottet.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Säuglinge und Kleinkinder eine Grundimmunisierung gegen Polio mit einem 6-fach-Impfstoff. Die Polio ist seit 1990 in Deutschland ausgerottet.
Schoening, picture alliance, Bildagentur-online

Das Poliovirus, das Kinderlähmung auslöst, wurde in London in einer besorgniserregenden Anzahl von Abwasserproben nachgewiesen. Das teilten britische Gesundheitsbehörden mit, wie die BBC jetzt berichtet. Wahrscheinlich ist ein Lebendimpfstoff schuld an den erhöhten Werten. Da Polio-Impfungen medizinischer Standard sind, gebe es keinen Anlass zur Sorge. Eltern sollten aber den Impfstatus ihrer Kinder prüfen.

Proben aus Kläranlagen

In den vergangenen vier Monaten hat die britische Gesundheitsbehörde UKHSA laut „BBC“ das Poliovirus in Proben aus einer Kläranlage gefunden, die eine Bevölkerung von vier Millionen Menschen im Norden und Osten Londons versorgt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Virus von einer Person stammt, die im Ausland mit dem oralen Polio-Lebendimpfstoff geimpft wurde. Dieser Impfstoff werden im Vereinigten Königreich seit 2004 nicht mehr verwendet wird.

Eltern sollen Impfstatus der Kinder überprüfen

Das Risiko sei gering, aber Eltern sollten sicherstellen, dass ihre Kinder vollständig gegen die Krankheit geimpft sind. "Der größte Teil der britischen Bevölkerung ist durch die Impfung im Kindesalter geschützt, aber in einigen Gemeinden mit geringer Durchimpfung können einzelne Personen weiterhin gefährdet sein", sagte Dr. Vanessa Saliba, beratende Epidemiologin bei der UKHSA. Trotzdem haben die Behörden haben einen nationalen Zwischenfall ausgerufen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die Situation informiert.

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Ursache wahrscheinlich "impfstoffbedingte" Polio

Eine mittels Schluckimpfstoff geimpfte Person kann Spuren des Virus aus ihrem Darm ausscheiden, die dann bei den Abwasserproben nachgewiesen wurden. In seltenen Fällen könne diese Form des Virus dann auf andere übertragen werden und zu der sogenannten "impfstoffbedingten" Polio mutieren, so die „BBC“ in ihrer Meldung. Diese Form sei zwar schwächer als die ursprüngliche oder "wilde" Form der Krankheit, kann aber bei ungeimpften Personen immer noch schwere Krankheiten bis hin zu Lähmungen hervorrufen.

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Virus wird durch persönlichen Kontakt und Wasser übertragen

Die Polio, oder auch Poliomyelitis, ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die hauptsächlich Kinder unter fünf Jahren befällt, informiert endpolio.org. Das Virus wird durch persönlichen Kontakt übertragen und findet sich am häufigsten in kontaminiertem Wasser. Der Erreger befällt das Zentralnervensystem und führt zu Lähmungen und manchmal zum Tod. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher für alle Säuglinge und Kleinkinder eine Grundimmunisierung gegen Polio mit einem 6-fach-Impfstoff.

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Polio seit 1990 in Deutschland ausgerottet

Die typischen Polio-Symptome sind Nackensteifheit, Fieber, Muskelkrämpfe und Rückenschmerzen. In 0,1 bis 1 Prozent der Fälle entwickelt sich eine sogenannte paralytische Poliomyelitis: Es treten Lähmungen auf, die seitenungleich verteilt sind. Die letzte in Deutschland erworbene Erkrankung an Poliomyelitis durch ein Wildvirus wurde laut RKI 1990 erfasst. Die letzten beiden importierten Fälle wurden 1992 registriert. Aktuell gibt es nur noch drei Polio-Endemieländer: Afghanistan, Pakistan und Nigeria. In Australien, Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika und vielen Ländern Asiens und Afrikas gilt der Virus als ausgerottet. (ija)