Kolumne von Eva Imhof

„Eine Impfung hätte meiner Mutter viel Leid erspart"

6. Mai 2019 - 9:23 Uhr

Wegen Polio ist ihr Leben von Schmerzen geprägt

Kaum ein Thema polarisiert so sehr wie dieses: IMPFEN. Und wissen Sie was?! Während meiner Recherche habe ich kurz überlegt, ob ich es besser einfach lasse, darüber zu schreiben. Denn je mehr ich gelesen habe, desto unsicherer wurde ich. Sollte ich meine so gefestigte Pro-Impfen-Einstellung doch nochmal überdenken? Aber ich habe ganz persönliche Gründe, die mich zu einer Impfbefürworterin machen. Meine Mutter Ellen wurde 1937 geboren und ist im Alter von elf Jahren an Polio, also Kinderlähmung, erkrankt. Ihr Leben war und ist geprägt von Schmerzen, sie konnte nie richtig laufen. Und die vielen Operationen haben Spuren hinterlassen - innerlich wie äußerlich.

Manchen Krankheiten sollten wir einfach keine Chance geben

Eva Imhof und ihre Mutter
Eva Imhof und ihre Mutter, die im Alter von 11 Jahren an Polio erkrankte.
© Eva Imhof

Da ich mir nicht sicher war, ob meine Mutter damit einverstanden ist, dass ich ihre Krankheit veröffentliche, habe ich sie einfach gefragt - ihre Antwort war so einfach wie deutlich: "Ja, Eva, Du MUSST! Denn ich empfinde die Erfindung von Impfwirkstoffen als Segen für die Menschheit." Gerade durch ihr Schicksal wird mir immer wieder bewusst, wie wichtig es ist, solchen Krankheiten KEINE Chance mehr zu geben.

Klar, es gibt da diese Gruppe der Impfgegner, deren Stimme so laut ist, dass einem angst und bange werden kann. Denn ihre Argumente klingen erst einmal total nachvollziehbar. Eine Freundin von mir zum Beispiel sagt: "Eva, da ist die böse Pharmaindustrie, die wollen nur Geld verdienen! Und kennst Du die Nebenwirkungen?! Allergien?! Und dann erst noch die möglichen Schäden!" Und ganz ehrlich: Wer bin ich, dass ich den Leuten das Impfen vorschreiben lassen will, wo ja scheinbar doch ein gewisses Risiko damit verbunden ist?!

Mit ein bisschen Abstand ist für mich aber eines klar: Die Angst, dass meine Kinder eine dieser schrecklichen (Kinder-)Krankheiten bekommen könnten, ist deutlich größer als die Angst vor einem Impfschaden. Denn die Zahlen sprechen für sich und damit auch für mich: Das Magazin GEO zitiert eine Statistik, wonach 2008 die Anzahl aller anerkannten Impfschäden in Deutschland besonders "hoch" war. Und das "hoch" schreibe ich bewusst in Anführungszeichen, da die Zahl dennoch wahnsinnig klein ist. 43 Fälle bei mehr als 45 Millionen (!!!) verabreichten Dosen. Das entspricht gerade einmal 0,0001 Prozent! Verglichen mit den zahlreichen anderen Gefahren-Wahrscheinlichkeiten, denen meine Kinder im Alltag ausgesetzt sind, kann ich darüber nur müde lächeln.

„Ich könnte keine Nacht ruhig schlafen, wenn meine Kinder nicht geimpft wären"

Eva Imhof mit Tochter
Eva Imhof hat ihre Töchter impfen lassen - auch damit sie keine Gefahr für andere Kinder darstellen.
© Eva Imhof

Auch ein Blick in die Geschichte zeigt, was wir dem Impfen zu verdanken haben. Dass schreckliche Krankheiten wie die Pocken ausgerottet werden konnten, ist nun mal ganz klar der Verdienst des Impfens. Auch beim Thema Masern haben wir uns in diese Richtung bewegt - dass sie nun doch wieder auf dem Vormarsch sind, liegt mit daran, dass sich Falschinformationen und dubiose Studien im Internet wacker halten. Wenn es selbst für Ärzte teilweise kaum zu erkennen ist, welche Studien seriös sind und welche in die Abteilung "Fake Science" fallen, wie soll es dann erst einem Laien gehen!?

Für mich ist klar: Die Masern sind eine extrem gefährliche und hoch ansteckende Krankheit, die tödlich enden kann und ich könnte keine Nacht ruhig schlafen, wenn meine Kinder nicht geimpft wären. Und ich fühle mich durchaus auch verantwortlich. Ich möchte nicht damit leben, dass meine ungeimpften Kinder gleichsam auch zu einer potentiellen Gefahr für andere Kinder würden.

Video: Der richtige Zeitpunkt für die Impfungen

Warum beim Impfen der Zeitpunkt entscheidend ist und wann ein Baby am besten gegen Krankheiten wie Polio, Masern und Hepatitis B geimpft werden sollte, zeigen wir im Video.