24-Jähriger liegt die Impfpflicht am Herzen

Mutter Shanice: „Impfgegner sind ignorant!“

18. Oktober 2019 - 16:26 Uhr

Beratungen im Bundestag zur Impfpflicht ab 2020

Im Kampf gegen Masern-Infektionen soll die Impfpflicht für Kinder in Kitas und Co. im Frühjahr nächsten Jahres in Kraft treten. Dazu starten nun die Beratungen im Bundestag. Wer seinen Kindern die Injektionen verweigert, den erwartet eine dicke Strafe. Das ist längst überfällig, findet die junge Mutter Shanice Weiher. Im Video erfahren Sie, was sie von Eltern hält, die ihre Kinder nicht durch Impfungen schützen und warum sich die 24-Jährige so sehr für eine bessere Aufklärung zum Thema einsetzt.

Immer wieder sterben Kinder an Masern

Ab März 2020 müssen Eltern vor Aufnahme ihrer Kinder in Kitas oder Schulen nachweisen, dass diese geimpft sind. Die Pflicht soll auch für Personal in Kitas und Schulen sowie für Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen kommen. Bei Verstößen sollen Bußgelder bis zu 2.500 Euro drohen. Eine Masern-Erkrankung ist schwer, eines von 1.000 erkrankten Kindern stirbt. "Das kann man mit einer völlig harmlosen Maßnahme verhindern", sagt Hans-Iko Huppertz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. "Alle Möglichkeiten der Überzeugung sollten weiterhin ausgeschöpft werden. Dazu gehört auch, Ärzte, die von Impfungen abraten, zur Verantwortung zu ziehen."

Huppertz betont: "Wir wollen erreichen, dass keine Epidemien mehr auftreten und die Masern möglichst ausgerottet werden." Dazu müsse man nicht nur Säuglinge und Kleinkinder impfen, sondern auch ältere Jugendliche und Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden. Da gebe es Impflücken. Sie würden von den bisherigen Plänen aber nicht erfasst.

Weitere Maßnahmen erforderlich

Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Beim Kampf gegen Masern sind wir bislang nicht vorangekommen. Die Impfquoten liegen noch deutlich zu niedrig. Außerdem impfen wir zu spät." Er forderte, auch weitere Impfungen vorzuschreiben: "Eine Impfpflicht für andere ansteckende Krankheiten wie Keuchhusten würde helfen, gerade die kleinsten Kinder zu schützen."

Nötig sei zudem ein Informationssystem, das Eltern automatisch erinnere, ihre Kinder rechtzeitig impfen zu lassen – etwa, wenn die Versicherten-Karten beim Arztbesuch eingelesen werden oder über Apps.

Warum sind Masern so gefährlich?

Das extrem ansteckende Masern-Virus wird durch Tröpfchen übertragen und hat dort leichtes Spiel, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten. Bei Infizierten wird das Immunsystem geschwächt, es kann zu Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen kommen. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht.

Es sei keine harmlose Kinderkrankheit, betont Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin: "Wir sehen bei 1.000 Erkrankten einen Todesfall." Jakob Maske, Berliner Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, ergänzt: "Bei Säuglingen stirbt sogar eines von 300 erkrankten Kindern."

Manchmal führt die Krankheit erst nach Jahren zum Tod, etwa bei der Masern-Gehirnentzündung SSPE - wer im Säuglingsalter an Masern erkrankt, ist besonders gefährdet. In Deutschland hatte der Fall der kleinen Aliana, die an der Krankheit starb, viele Menschen bewegt. Ihre Eltern waren damals mehrfach mit Impfappellen an die Öffentlichkeit gegangen, um Impfverweigerer umzustimmen.

Warum wehren sich manche Eltern gegen das Impfen?

Das Thema Impfen wird generell heftig diskutiert. Aus Sicht von Kinderärzten sind falsche Informationen ein Grund für den großen Widerwillen: "Viele Eltern sind durch Unwahrheiten im Internet und in anderen Medien verunsichert", sagt Maske. Nach Beratungen durch Fachärzte seien die Eltern in der Regel beruhigt und ließen ihre Kinder auch impfen, so die Erfahrung des Mediziners. "Aber bis das passiert ist, vergeht oft wertvolle Zeit, in der die Kinder nicht geschützt sind."

In Europa wurden laut der Weltgesundheitsorganisation im ersten Halbjahr 2019 rund 90.000 Masern-Fälle registriert. Das waren bereits mehr als die 84.462 Fälle im gesamten Jahr 2018. Zu Ausbrüchen kommt es vor allem in Großstädten und Ballungsräumen.