Online-Dating in Corona-Zeiten

Gibt es Alternativen für das erste Treffen?

Im Internet kennen lernen und dann schnell das erste Date - in Corona-Zeiten ist das nicht so leicht möglich.
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27. März 2020 - 14:17 Uhr

Erstes Date - in Corona-Krise sieht das anders aus

Sich online per App oder Dating-Plattform kennenlernen, ein bisschen chatten und den Flirt dann möglichst schnell in die Realtiät verlagern - am besten durch ein Treffen. So oder so ähnlich ist der übliche Ablauf beim Online-Dating. In Zeiten von Corona und Social Distancing ist das aber gar nicht so einfach. Schließlich sollen wir aktuell möglichst wenig Kontakt zu anderen haben. Gibt es Alternativen zum klassischen ersten Date? Datingexperte und Paarberater Eric Hegmann aus Hamburg hat Tipps.

Gespräche werden tiefsinniger

Zu allererst: "Man sollte sich auch keine Sorgen machen, dass der Kontakt verloren geht, nur weil man sich länger nicht treffen kann", beruhigt Hegmann im dpa-Interview.

Sie beraten Singles in ihrem Verhalten beim Online-Dating. Hat sich dieses Ihrer Meinung nach mit der sozialen Isolation bereits verändert?

Eric Hegmann: Mein Eindruck ist: Auf den Plattformen ist viel los. In meinen Beratungsgesprächen höre ich außerdem, dass die Gespräche tiefsinniger geworden sind. Viele suchen jetzt erst recht nach Verbindung - sowieso eines der größten Bedürfnisse der Menschen.

Mit dem üblichen Small Talk in Chats zum anfänglichen Kennenlernen lässt sich die Verbindung aber nicht aufbauen, da geht es nur darum, abzuklären, ob man zueinander passt. In der jetzigen Situation hingegen werden Gespräche schon eher mal getragen von dem Wunsch nach emotionalem Austausch. Man fragt also beispielsweise nicht nur, welche Musik der andere mag, sondern warum er sie mag.

Aufs Telefon wechseln

Matches sehen sich vielleicht länger nicht persönlich, um dem Gebot der sozialen Distanz nachzukommen. Wie kann man online den Kontakt ausbauen?

Hegmann: Immer schon ist es besser, nach ein paar hin- und hergeschickten Nachrichten auf das Telefon zu wechseln, um mein Vertrauen in ein Match zu stärken und Enttäuschungen bei einem Date eher zu vermeiden. Das sollte man auch jetzt machen, um den Kontakt zu intensiveren. Das Chatten kann hier nicht weiterhelfen, es wurde ja im Grunde für den Small Talk erfunden.

Sollte ich nur anrufen oder besser einen Videocall machen?

Hegmann: Es muss jeder für sich entscheiden, wie viel Vertrauen er über die ersten Mails aufbauen konnte. Über den Videocall holt man das Gegenüber ja quasi zu sich nach Hause, das kann schon sehr intim sein.

Nächte durchquatschen

Beim Online-Daten in normalen Zeiten ist es schon schwierig, dass sich ein Kontakt nicht verläuft, wenn man sich nicht zeitnah trifft. Wie kann man das jetzt angehen?

Hegmann: Man sollte schon die Möglichkeiten der Technik nutzen, um in Kontakt zu bleiben - Telefonate, Videocalls, sich gegenseitig kleine Videos schicken. Aber man sollte sich auch keine Sorgen machen, dass der Kontakt verloren geht, nur weil man sich länger nicht treffen kann.

Es geht ja darum, dass ein Kontakt Wünsche und Hoffnungen anspricht und erfüllt - tut er das, bleibt er so oder so erhalten. Und nichts findet der Mensch spannender als andere Menschen. Denken Sie doch mal zurück an ein Kennenlernen, wo man die erste Nacht durchgequatscht hat - wie spannend das war. Dem steht auch jetzt nichts im Wege.

Ein Tipp für jene, denen es schwerfällt, Konversationen zu führen: Es gibt eine Liste mit 36 Fragen zum Verlieben, die vor einigen Jahren stark kursierte. Die sind zwar sehr, sehr privat, aber da ist auch viel Wahres dran. Man kann dem anderen vorschlagen, diese gemeinsam zu machen. Aber ich halte nichts davon, sie einseitig zu nutzen - damit hätte man ein Geheimnis vor dem anderen.

Virtuelles Date vereinbaren

Wie sieht es denn mit dem ersten echten Date aus? Kann man das nicht einfach auch online am Bildschirm haben - bei einem gemeinsamen Wein oder Essen?

Hegmann: Ich finde die Idee wunderbar. Es gibt so viele Ideen, die man mit ein wenig Kreativität gerade trotzdem umsetzen kann - und die Spaß machen. Etwa gemeinsam ein virtuelles Konzert besuchen. Und ich kenne Paare in einer Distanzbeziehung, die schauen zeitgleich Serien auf Streaming-Diensten und chatten nebenbei dazu.

Aber man kann sich unter Umständen ja auch richtig treffen: Ein gemeinsamer Spaziergang ist okay, wenn man Abstand und alle weiteren Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der Bundesregierung einhält - vorausgesetzt, das ist am Wohnort noch erlaubt.

"Wir und Corona" - Podcast bei AUDIO NOW

Das Coronavirus wirbelt gerade unser aller Leben durcheinander, jeden Tag aufs Neue. Was sollen wir tun? Was sollen wir lassen? Wie halten wir das alles aus und vor allem: Wie halten wir zusammen? In dem AUDIO NOW-Podcast "Wir und Corona" sprechen wir mit Ärzten, Politikern, Psychologen, Philosophen, aber auch mit Ihnen, jeden Abend. In Folge 6 geht es um die Liebe.

Aktueller Boom bei Dating-Plattformen

Gerade in der aktuellen Zeit des Social Distancing fühlen sich viele Menschen einsam und isoliert. Das zeigt sich auch in den Anmeldezahlen verschiedener Dating-Plattformen.

Bei "Knuddels" haben sich die Registrierungszahlen seit Beginn der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Verbreitung um 30 Prozent (Tendenz steigend) erhöht, wie das Unternehmen auf RTL-Nachfrage mitteilt. Auch die Zeit, die jedes Mitglied auf der Plattform verbringt, sei gestiegen.

Auch bei der Plattform "Bumble" gibt es einen Trend zur verstärkten Nutzung durch neue und bestehende User, erklärt ein Sprecher. "insbesondere was unsere Chat-, Video- und Sprachanruf-Funktionen betrifft."

Und auch bei "Tinder" ist die Anzahl täglicher Nachrichten europaweit um bis zu 25 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gestiegen. "Wir konnten außerdem beobachten, dass sich auch die durchschnittliche Gesprächsdauer im Vergleich zum Februar um 10-30 Prozent erhöht hat", so eine Sprecherin gegenüber RTL.

Gegen das Gefühl von Einsamkeit und Isolierung hilft auch die neue RTL-Singlebörse. Diese bietet Ihnen die Möglichkeit, neue Kontakte aufzubauen und zu halten.

​Quelle: DPA/RTL.de