Zunehmende Erschöpfung in der Pandemie

Neue Studie zu Corona-Folgen zeigt: Der Jugend reißt der Geduldsfaden

Was macht über ein Jahr Homeschooling und Isolation in der Corona-Krise mit Jugendlichen?
Was macht über ein Jahr Homeschooling und Isolation in der Corona-Krise mit Jugendlichen?
© iStockphoto, FilippoBacci

16. Juni 2021 - 14:17 Uhr

Ständige Rücksichtnahme, kaum Erleichterungen

Vor weit über einem Jahr hat die Corona-Pandemie das Leben aller Altersgruppen vollkommen umgekrempelt. Auch die Jugend muss große Einschnitte in wichtigen Teilen ihres sozialen, beruflichen oder schulischen Lebens hinnehmen – vor allem aus Rücksichtnahme auf Ältere, die durch das Virus besonders gefährdet sind. Gleichzeitig können Jüngere aufgrund mangelnder Impfmöglichkeiten viel seltener von den Lockerungen für Geimpfte profitieren. Eine neue Studie von Jugend- und Bildungsforschern zeigt nun: Die Geduld der Jungen ist langsam am Ende.

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Die Disziplin lässt nach

In der Befragung, die Mitte Mai 2021 durchgeführt wurde, kamen insgesamt 1.011 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren zu Wort. Bereits vor sechs Monaten hatte das Forscherteam um die Studienleiter Simon Schnetzer und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann eine repräsentative Umfrage unter Jugendlichen in Deutschland gemacht und sie nach ihrer Einschätzung zu den Folgen der Corona-Pandemie befragt. Im Vergleich zeigt sich nun: Die Jugend in Deutschland ist durch die Corona-Maßnahmen zusehends erschöpft. "Die Disziplin der Jugend lässt beim Einhalten von Regeln, der Rücksichtnahme im Privaten sowie beim Verzicht auf Feiern und Partys unverkennbar nach", so das Fazit der Forscher.

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Motivationsloch bei Schülern

Dabei konnten die Jugendforscher auch einen Einbruch der Lernmotivation bei 60 Prozent der befragten Schüler feststellen. Vor allem die Balance von Schule und Freizeit wurde von vielen als verschlechtert empfunden. Dies sei insbesondere auf den hohen Anteil von Homeschooling zurückzuführen, wegen dem Schultätigkeiten und Freizeitaktivitäten nicht mehr auseinanderzuhalten seien, folgern die Wissenschaftler. Zudem bemängelten viele der Befragten die Lern- und Arbeitsbedingungen.

Eine gute Nachricht gab es dabei für Lehrer: "Auf die Lehrer und Lehrerinnen lässt sich diese Entwicklung nach Einschätzung der Jugendlichen ganz offensichtlich nicht zurückführen", heißt es in der Studie. Die große Mehrheit habe die Beziehungen zu den Lehrern als gleichgeblieben oder sogar verbessert bewertet.

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Trotz Erschöpfung: Jugendliche zeigen sich weiter solidarisch

Trotzdem sei die Bereitschaft der Jugendlichen, sich an die AHA-Regeln zu halten und solidarische Rücksichtnahme gegenüber Freunden und Familienmitgliedern zu zeigen, weiterhin bemerkenswert hoch, so die Forscher. Für zwei Drittel der Befragten sei es immer noch wichtig, weiter Masken zu tragen und Abstand zu halten. 60 Prozent geben zudem an, dass sie es wichtig finden, auf Feiern und Partys zu verzichten. "Diese Einstellungen sind deshalb bemerkenswert, weil Jugendliche und junge Erwachsene ihr gesundheitliches Risiko durch eine Infektion als sehr niedrig einschätzen und ihre psychischen Gesundheitsrisiken durch die Regeleinhaltung als sehr hoch bewerten", so die Forscher.

Sehr hohe Impfbereitschaft unter Jugendlichen

Auch nach ihrer Bereitschaft, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, wurden die 14- bis 29-Jährigen befragt. Das Ergebnis: 60 Prozent sind klar dafür, 22 Prozent noch unentschieden und 18 Prozent sprechen sich dagegen aus. "Die große Mehrheit der jungen Generation", so die Einschätzung der Forscher, "würde sich sehr darüber freuen, in der Impfreihenfolge schnell zum Zuge zu kommen." Dabei sei durch die Umfrage-Ergebnisse auch erkennbar, wie schwer es jungen Leuten falle, in der Impfreihenfolge an der allerletzten Stelle zu stehen. Denn: 52 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, Freiheiten für Geimpfte erst zu gewähren, wenn alle ein Impfangebot bekommen haben. (dhe)

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