Studie aus Großbritannien liefert Ergebnisse

Wie lange Coronaviren wirklich ansteckend sind

Eine Studie der Universität Bristol hat herausgefunden, wie lange Coronaviren wirklich ansteckend sind.
Eine Studie der Universität Bristol hat herausgefunden, wie lange Coronaviren wirklich ansteckend sind.
© Kzenon

28. Januar 2022 - 9:21 Uhr

von Kevin Schulte

Ob die Gastronomie, Fußballvereine oder Schulen – niemand hält sich für einen Pandemie-Treiber. Doch wo, wann und wie stecken sich die Menschen an? Wissenschaftler der Universität Bristol haben herausgefunden, dass vor allem Abstand halten in Innenräumen wichtiger ist als gedacht.

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In Innenräumen: Coronaviren verlieren nach ein paar Minuten ihre Ansteckungskraft

Schon lange ist klar, dass man sich in Innenräumen mit dem Coronavirus leichter ansteckt als draußen an der frischen Luft. Die Hauptrolle bei der Verbreitung des Virus spielen Aerosole – auch das ist unumstritten, sagt der Aerosol-Experte Gerhard Scheuch im ntv-Podcast "Wieder was gelernt". Wo genau die Infektionen stattfinden, könne man aber so genau nicht bestimmen. Die wenigsten Menschen können genau sagen, wann sie sich wo infiziert haben. "Über 75 Prozent der Infizierten wissen das nicht. Man weiß aber, dass unbelüftete Innenräume sicherlich der Pandemie-Treiber sind, wenn darin viele Menschen zusammenkommen, gemeinsam feiern", sagt Scheuch.

Wissenschaftler des Aerosol Research Center der Universität Bristol haben das Phänomen jetzt genauer untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass ein Großteil der Coronaviren in Innenräumen schon nach ein paar Minuten ihre Ansteckungskraft verliert. Die Forscher konzentrierten sich bei ihrer Untersuchung auf die drei früheren Virusvarianten, erwarten aber nicht, dass sich Omikron-Viren großartig anders verhalten.

Nach fünf Sekunden deutlich weniger infektiös

Die Studie legt nahe, dass die Viruspartikel nach dem Ausatmen schnell an Wasser verlieren und austrocknen. Dadurch können die Viren nicht mehr so leicht menschliche Zellen infizieren. Wie schnell die Partikel austrocknen, hängt nach Aussagen der Wissenschaftler von der Luftfeuchtigkeit ab. Liegt die Luftfeuchtigkeit bei unter 50 Prozent – so wie in trockenen Büros – verlieren schon innerhalb von fünf Sekunden die Hälfte der Viren ihre Infektiosität. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent – zum Beispiel in Duschräumen – sind auch nach fünf Minuten noch etwas mehr als die Hälfte der Virenpartikel ansteckend.

Nach 20 Minuten sind dann – egal wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist, ob Büro oder Duschraum – jeweils nur noch ein geringer Teil von etwa 10 Prozent ansteckender Viren übrig. Bisher sei man in der Wissenschaft davon ausgegangen, dass "Luftfeuchten zwischen 20 und 40 Prozent sehr angenehm für das Virus sind", erklärt Experte Scheuch. "Die Forscher in Großbritannien haben jetzt aber herausgefunden, dass hohe Luftfeuchten für das Virus sehr günstig sind."

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"Abstand spielt wichtigere Rolle als gedacht"

Eine Familie sitzt in einem Café und hat Spaß.
In Innenräumen, wie zum Beispiel in Restaurants und Cafés, wo kaum auf Abstand geachtet wird, ist das Infektionsrisiko am höchsten.
© Geber86

Die britischen Aerosolforscher haben ein eigenes neues Gerät entwickelt, dass das Ausatmen, Aushusten oder Aussprechen von Aerosolen realitätsgetreu nachahmt. In dem Apparat schweben virusbeladene Aerosole in einem elektrischen Feld. So sei zum ersten Mal überhaupt simuliert worden, was mit Aerosolen passiert, wenn diese aus dem Mund austreten. Bisher wurden vergleichbare Studien nur auf Basis von Aerosolen durchgeführt, die in ein spezielles Gerät gesprüht wurden.

Man habe eine "sehr komplizierte Messmethode" angewandt, die allerdings noch "validiert" werden müsse, sagt Scheuch. "Es ging darum, festzustellen, ob diese Viren noch ansteckend sind. Man findet oft Virenbruchstücke in der Luft, weiß aber nicht genau, ob sie noch infektiös sind oder nicht."

Konkret weist die Studie darauf hin, dass die Entfernung, in der man sich zu anderen Menschen im selben Raum befindet, eine wichtige Rolle bei der Übertragung des Coronavirus spielt. Sitzen wir uns im Restaurant oder Café direkt gegenüber, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung höher als wenn man sich in einem Großraumbüro mit großem Abstand zu anderen aufhält. "Der Abstand spielt bei der Ansteckungsgefahr eine wichtigere Rolle als bisher gedacht. Das ist für mich wirklich neu", betont Scheuch im Podcast. Ein halben Meter mehr oder weniger könne bereits einen großen Unterschied machen.

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Abstand halten ist noch immer das A und O, um eine Infektion zu vermeiden

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In Innenräumen, wo kaum Abstand gehalten werden kann, bieten Masken noch immer einen guten Schutz.
© deutsche presse agentur

Bei der Verbreitung des Coronavirus ist aber nicht nur der Abstand zu anderen Personen ausschlaggebend, sondern auch die Belüftung von Innenräumen. Die zehn Prozent der nicht zerstörten Viren-Aerosole füllen Innenräume schnell, wenn es keine gute Belüftung gibt, und halten sich möglicherweise stundenlang im Raum. Und auch ein hoher CO2-Anteil macht es Viren leichter, Menschen zu infizieren, wie die englischen Forscher feststellten. Je mehr Leute in einem Raum sind, desto höher ist die CO2-Konzentration, weil wir nicht nur Aerosole ausatmen, sondern auch CO2. Und eine hohe CO2-Konzentration ist gut für Viren, aber schlecht für uns.

Die britische Studie zeigt, dass sich das Coronavirus auch als Aerosol vor allem über kurze Distanz überträgt. Abstand halten ist also noch immer das Gebot der Stunde, hier kann bereits ein halber Meter einen großen Unterschied machen. Können wir in bestimmten Situationen keinen Abstand halten, ist Maske tragen also umso wichtiger. Bedeutet, in der Bahn ist die Maske extrem wichtig. Im Restaurant entscheidet der Abstand. Und nach dem Fußballtraining sollte man am besten Zuhause duschen.

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