Nach Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz

Nottankstellen im Ahrtal: Unberechtigte zapfen Tausende Liter Diesel ab

Tausende Liter Diesel sollen an Nottankstellen an Unbefugte herausgegeben worden sein. (Symbolbild)
Tausende Liter Diesel sollen an Nottankstellen an Unbefugte herausgegeben worden sein. (Symbolbild)
© deutsche presse agentur

30. September 2021 - 18:56 Uhr

Unbekannte bereichern sich an Diesel

Als wäre das Leid der Flutopfer im Ahrtal nicht schon genug, gibt es Menschen, die sich auch noch an deren Misere bereichern. Eigentlich sind in dem Flutgebiet Nottankstellen für Einsatzkräfte errichtet worden. Wie der "SWR" bei einer Recherche herausfand, sollen täglich tausende Liter Diesel an Unbefugter herausgegeben worden sein.

Helfer sollen vor Betrug gewarnt haben

Was dort passiert sein soll, ist kaum zu glauben: Praktisch jedes Fahrzeug soll bis zum 22. September aufgetankt worden sein. Und das, ohne Kontrolle, ob es sich um ein Helfer-Fahrzeug handele oder nicht – auch 1.000-Liter-Fässer im Laderaum von Kleintransportern.

Helfer an den Tankstellen hätten seit längerem darauf hingewiesen, dass Kontrollen hier dringend nötig seien, berichtete der "SWR" am Donnerstag. Bei einer Behelfstankstelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler habe ein Mitarbeiter von einer Tagesabgabe von manchmal mehr als 100.000 Liter Diesel gesprochen. Nach dem Beginn von Kontrollen sei die tägliche Menge schlagartig auf unter 20.000 Liter gesunken. Demnach könnte zuvor jeden Tag Diesel im Wert von womöglich mehr als 100.000 Euro unberechtigt abgezapft worden sein.

Eine Fußgängerbrücke in Ahrweiler wurde von der Flut zerstört
Die Zerstörung im Ahrtal war so groß, dass sie bis heute nicht ganz behoben ist. Deshalb gibt es immer noch Noteinrichtungen.
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Aufsichtsbehörde spricht von "Tanktourismus"

Ein Sprecher der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das war ein Problem mit dem Tanken, aber das Problem ist im Griff."

Nach der Flutkatastrophe mit 133 Toten und extremen Zerstörungen am 14. und 15. Juli habe die Bundeswehr Nottankstellen eingerichtet, die später im Auftrag der ADD von einer Firma übernommen worden seien. "Man machte das erst ohne Nachweis, aber dann kam immer mehr Tanktourismus." Daher zeige das zuständige Ordnungsamt inzwischen erfolgreich Präsenz vor Ort.

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Tief "Bernd" hat besonders im Westen Deutschlands eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Luftbilder zeigten, dass ganze Orte im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) nahezu komplett zerstört wurden. Weggerissene Häuser, überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller, Dutzende Menschen wurden vermisst. Die Bundeswehr unterstützte die Rettungskräfte in den Hochwassergebieten. Allein in Ahrweiler waren 100 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Die Aufbauarbeiten in betroffenen Gebieten laufen noch immer. (dky)