Hirnvenenthrombose nach Corona-Impfung

Christiane Gund (44) kämpft sich zurück ins Leben

21. Juli 2021 - 10:50 Uhr

Im Video: Warum Christiane Gund die Corona-Impfung trotz Hirnvenenthrombose nicht bereut

von Freyja Steinke

Christiane Gund ist Physiotherapeutin aus Leidenschaft. In ihrer eigenen Praxis hat sie mit vielen älteren Patienten zu tun. Da sie für diese während der Pandemie keine Gefahr darstellen will, entscheidet sie sich im Februar 2021 für eine AstraZeneca-Impfung. Dass die Entscheidung gravierende Folgen haben würde, hätte sie niemals für möglich gehalten.

Kopfschmerz wirkt wie eine normale Impfreaktion

Anfang des Jahres eröffnet Christiane Gund ihre eigene Physiotherapiepraxis. Der Wunsch nach einer Corona-Impfung ist groß, denn die Gesundheit ihrer überwiegend alten und kranken Patienten liegt ihr sehr am Herzen. Die Freude ist riesig, als sich durch die Priorisierung die Möglichkeit einer AstraZeneca-Impfung ergibt. Am 20. Februar ist Stichtag für Christiane Gund: "Dann wurde ich geimpft und habe mich wirklich nur gefreut."

Noch am selben Abend hat sie die üblichen Impfreaktionen: Fieber und Schüttelfrost. Doch eine Nacht darüber zu schlafen, hilft ihr nicht. Mit stark erhöhter Temperatur von 40 Grad meldet sie sich im Krankenhaus. Dort bekommt sie Schmerzmittel gegen die diagnostizierte Impfreaktion. Als starke Kopfschmerzen bei ihr einsetzen, erhöht sie die Dosis der Mittel und geht sogar weiter arbeiten.

„Es sieht nicht gut aus. Sie wird es möglicherweise nicht überleben.“

Christiane Gund nach ihrer Operation
Christiane Gund nach ihrer OP - sie lächelt, dabei wäre sie fast tot gewesen.
© privat

Zwei Wochen nach der Impfung – stets von migräneartigen Kopfschmerzen begleitet – steht Christiane Gund auf und ist plötzlich halbseitig gelähmt. Mit dem Rettungswagen wird sie ins Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand: Der Druck durch Blutgerinnsel in ihrem Kopf ist so stark, dass ihr die linke Hälfte der Schädeldecke entfernt werden muss. Nach der OP rufen die Ärzte den Mann von Christiane Gund an: "Es sieht nicht gut aus. Sie wird es möglicherweise nicht überleben", heißt es damals. Aber Christiane Gund zeigt krassen Überlebenswillen. Zwei Tage nach der OP wird sie schon nicht mehr beatmet und kann sich – wenn auch erst undeutlich – artikulieren.

Lese-Tipp: Warum verursacht die AstraZeneca-Impfung in seltenen Fällen eine Hirnvenenthrombose?

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

Der Gedanke an ihre Familie hält Christiane am Leben

Die Familie darf nicht ins Krankenhaus
Die Familie von Christiane Gund darf sie nicht besuchen.
© privat

Zehn Wochen ist die 44-Jährige im Krankenhaus. Allein und ohne Besuch der Familie. Ihr Vater ruft sie täglich an, aber der reale Kontakt zu ihren Liebsten fehlt ihr sehr. Wie sie es trotzdem geschafft hat zu kämpfen? "Das ist glaube ich meine Natur, dass ich nicht aufgebe und meine Intention war: Ich will zu meinen Kindern!", sagt Christiane Gund. Die Mutter von drei Töchtern kämpft, weil es ihre Kinder nicht verdient haben, plötzlich ohne Mama leben zu müssen.

Ein Leben im Rollstuhl kommt nicht infrage

Als Christiane Gund entlassen wird, ist sie überglücklich, in ihren eigenen vier Wänden runterkommen zu können. Dort lernt sie wieder Routinen und sich selbst einen Kaffee machen zu können, genießt sie so sehr, wie nie zuvor. Auch hier überrascht sie wieder mit ihrem Willen, zurück ins Leben zu kommen: Die Ärzte haben ihr ein Leben im Rollstuhl prophezeit und nur wenige Monate nach der Hirnvenenthrombose geht Christiane Gund nun wieder zum Sport. Dort tut sie alles, was ihr Arzt ihr erlaubt und geht an ihre Belastungsgrenzen.

Christiane will ihr Leben feiern

Ihre Arbeit fehlt ihr jedoch beinahe am meisten, aber bis sie ihren Beruf wieder ausüben kann, wird noch ein bisschen Zeit vergehen müssen. Bis dahin plant sie eine ganz besondere Feier: Zu ihrem 45. Geburtstag nächstes Jahr will sie so viele Menschen wie möglich einladen. "Und dann wird das Leben gefeiert. Mein Leben!"

Gut zu wissen: Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Hirnvenenthrombose - auch Sinusvenenthrombose genannt - sind Adern, die normalerweise das Blut fließen lassen, durch Blutgerinnsel verstopft. Das Blut kann dann nicht mehr zurückfließen und es entsteht ein Rückstau im Gehirn. Die Folge sind Hirnblutungen, die lebensgefährlich sein können. Solche Thrombosen haben meistens nur Kopfschmerzen als Symptom und werden deshalb spät erkannt – wie auch bei Christiane Gund.

Lese-Tipp: Was passiert bei einer Thrombose?

Prof. Dr. Wolfgang Wick, ärztlicher Direktor der Neurologie des Universitätsklinikums Heidelberg, rät bei langanhaltenden Kopfschmerzen - also mehr als drei Tage - einen Hausarzt oder die Notfallambulanz aufzusuchen, um dort eine Blutabnahme machen zu lassen. Wenn Symptome, wie Lähmungen, Gefühlsstörungen oder andere Auffälligkeiten zu den Kopfschmerzen auftreten, sollte man laut Wick sofort einen Arzt aufsuchen. Wie Christiane Gund seit ihrem Erlebnis zur Corona-Impfung steht, erfahren Sie im Video.

Auch interessant