Forscher rätseln

Warum verursacht die AstraZeneca-Impfung in seltenen Fällen eine Hirnvenenthrombose?

Der Impfstoff Vaxzevira hat vereinzelt zu Hirnvenenthrombosen geführt. Doch woran liegt das?
Der Impfstoff Vaxzevira hat vereinzelt zu Hirnvenenthrombosen geführt. Doch woran liegt das?
© dpa, Christoph Soeder, christoph soeder axs

04. Juni 2021 - 10:52 Uhr

Thrombose nach Corona-Impfung: Eindeutige Ursache konnte bisher nicht gefunden werden

Seitdem bekannt wurde, dass der Impfstoff Vaxzevira von AstraZeneca und Johnson & Johnson in vereinzelten Fällen zu einer Hirnvenenthrombose führen kann, wird der Grund dafür untersucht. Inzwischen gibt es verschiedene Hypothesen, eine eindeutige Ursache wurde bisher nicht gefunden. "Es gibt ein Problem, dann werden Theorien aufgestellt. Die muss man dann prüfen und am Ende sehen, was davon übrig bleibt", erklärt Carsten Watzl, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie gegenüber ntv.

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Hypothese 1: Verklumpung der Blutplättchen führt zu Blutgerinnseln

Einer der ersten, der eine Theorie bezüglich des Zusammenhangs zwischen der Impfung und einer Thrombose im Gehirn aufstellte, ist Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald. Zunächst war aufgefallen, dass die Nebenwirkung nicht bei den mRNA-Impfstoffen auftritt, sondern nur bei den Vektorimpfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson.

Laut seiner Theorie binden sich bestimmte Bestandteile des Vektorimpfstoffs an ein bestimmtes Protein, das an der Oberfläche der Blutplättchen sitzt. An diese Verbindung können sich "versehentlich" durch die Impfung entstandene Antikörper heften, wodurch eine Verklumpung der Blutplättchen entsteht. So entstehen zum einen Blutgerinnsel, also Thrombosen, im Gehirn und zum anderen ein Mangel an freien Blutplättchen.

Hypothese 2: Viren-Erbgut gelangt in den Blutkreislauf

Eine weitere Hypothese stellte Rolf Marschalek von der Goethe-Universität in Frankfurt mit seinen Kollegen vor. Laut deren Aussage kommt es bei der Reaktion der menschlichen Zellen auf den Impfstoff zu Komplikationen. Das Viren-Erbgut in den Vektorimpfstoffen bindet sich nicht, wie eigentlich gewollt, an die Zellen, sondern schafft es in den Blutkreislauf. Dort kann es sich an die Blutgefäßwände binden, eine Entzündung verursachen und so zur Entstehung einer Hirnvenenthrombose beitragen. Die gute Nachricht: Marschalek und seine Kollegen gehen davon aus, dass der Impfstoff angepasst und die Komplikation so vermieden werden kann.

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Kombination beider Theorien könnte tatächliche Ursache sein

Immunologe Watzl hält eine Kombination dieser beiden Theorien für die tatsächliche Ursache: "Eine allein kann TTS bislang nicht erklären." Da die Thrombose-Fälle jedoch so gering sind, sei es bisher schwer zu überprüfen, inwiefern die Hypothesen wahr sind.

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