Australierin im Fokus: Ist das normal?

Mutter (29) stillt ihren fünfjährigen Sohn - Shitstorm!

Lauren McLeod auf ihrem Instagram-Profil. Sie stillt ihre Kinder.
Die 29-jährige Lauren McLeod aus Perth, Australien, stillt sowohl ihre zweijährige Tochter Tigerlily als auch ihren fünf Jahre altern Sohn Bowie. Dafür erhält sie im Netz sehr viel Kritik.
Instagram / Lauren McLeod

Sich in die Erziehung anderer Eltern einzumischen, gilt als absolutes No-Go. Trotzdem lassen es sich einige Leute nicht nehmen andere Menschen zu kritisieren und gar zu beleidigen – vor allem im Internet. Davon kann auch Lauren McLeod aus Perth (Australien) ein Lied singen: Für ihre Entscheidung, ihren fünfjährigen Sohn weiterhin nachts zu stillen, wird sie als „Missbraucherin“ beschimpft.

Mutter ist sich sicher mit ihrer Still-Entscheidung: "Vorteile überwiegen alle schwierigen Zeiten"

Lauren McLeod stillt ihren fünf Jahre alten Sohn.
Muss man sein fünfjähriges Kind noch immer stillen? Lauren McLeod macht das mehr als gerne.
Instagram / Lauren McLeod

Auf Instagram spricht Lauren McLeod offen und ehrlich über ihre Entscheidungen, die sie trifft, wenn es um die Erziehung ihrer beiden Kinder geht. Das Ziel der 29-Jährigen: andere Leute zu inspirieren und das Stigma rund ums Thema Stillen abzubauen. Denn: Obwohl ihr Sohn Bowie mit fünf Jahren aus dem herkömmlichen Still-Alter raus ist, hat sich McLeod offenbar dazu entschieden, ihm weiterhin nachts die Brust zu geben. Auch ihre Tochter Tigerlily (2) stillt sie.

Der „Femail“ sagt Lauren: „Ich hatte das Glück, dass das Stillen generell immer relativ reibungslos verlief und ich nur wenige Probleme hatte. Die Vorteile überwiegen alle schwierigen Zeiten, die wir erleben.“ Im Stillen fänden ihre Kinder Trost und schneller in den Schlaf, es beruhige sie, wenn sie aufgeregt sind und lindere Schmerzen, so die australische Mutter.

Lese-Tipp: Tandemstillen: Das sollten Sie beim gleichzeitigen Stillen von Geschwistern beachten

Im Internet wird sie von Fremden als „krank“ beschimpft, erhält unzählige böse Kommentare unter ihren Postings auf Social Media. Und das alles, weil sie ihrem Sohn weiterhin Muttermilch gibt. Lauren, die als Doula, als Geburtshelferin, arbeitet, versucht die Hassnachrichten jedoch so gut es geht zu ignorieren: „Ich lese die Kommentare in den sozialen Medien nicht. Daher sehe ich die meisten bösen Dinge, die über mich gesagt werden, gar nicht. Es ist meine Zeit und Energie nicht wert, jemandem zu antworten, der sich bereits eine Meinung über mich gebildet hat und sich die Zeit nimmt, gemein zu sein.“ Einige unverschämte User blockiere sie sofort.

Lese-Tipp: Recht auf Stillen in der Öffentlichkeit: NRW-Familienministerin will Müttern den Rücken stärken

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So gesund ist Stillen

Sie sagt, dass viele der negativen Meinungen über das Stillen auf kulturellen Vorurteilen und mangelnder Aufklärung über das Thema beruhen. „Das ist auch der Grund, warum ich meine Geschichte erzähle – um den Menschen zu helfen, zu verstehen, dass Stillen etwas ganz Normales und Biologisches ist“, so die 29-Jährige.

Stillen ist wichtig für Kinder: Neben der Ernährungsfunktion ist der Körperkontakt zwischen Mutter und Kind – der Aufbau einer emotionalen Verbundenheit – von enormer Wichtigkeit. Allein durch die Muttermilch erhält das Baby die Nährstoffe, die die Darmflora und das Immunsystem unterstützen.

Einer Studie zufolge leiden Säuglinge, die sechs Monate oder länger gestillt wurden, sogar seltener an Infektionen. Außerdem schützt die Muttermilch vor Allergien. Sogar das Saugen an der Brust ist gesund, denn es fördert die Entwicklung des kindlichen Kiefers und beugt Fehlstellungen der Zähne vor.

Lese-Tipp: Baby richtig anlegen beim Stillen: Hilfreiche Praxistipps für frische Mütter

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt das Stillen ab sechs Monaten und bis zu einem Alter von zwei Jahren. Doch einige Mütter wollen diesen intimen Akt zwischen sich und ihrem Kind noch länger ausführen. Eine Studie der brasilianischen Universität Pelotas kam 2015 zu dem Ergebnis, dass langes Stillen einen positiven Effekt auf die Entwicklung des Gehirns hat. Und eine schwedische Studie konnte aufzeigen, dass Frauen, die mehr als ein Jahr stillen, nach den Wechseljahren ein geringeres Risiko für rheumatoide Arthritis aufweisen. Langzeitstillen soll auch vor Brust- und Eierstockkrebs schützen.

Es gibt also keinen medizinischen Grund, auf das Stillen zu verzichten. Ausnahmen sind schwere Krankheiten, Süchte oder starke Medikamente.

Stillen, Erziehung und Co.: Jeder sollte seine eigenen Entscheidungen treffen können

Schon jetzt sehe Lauren McLoed aber auch, dass ihre Einstellung andere Menschen bewegen konnte. Für viele haben ihre Postings einen positiven Einfluss auf ihre eigenen Entscheidungen. Das stelle die Negativität der Hater in den Schatten, ist sie überzeugt. Hunderte von Nutzern haben Lauren bereits für ihren Mut gelobt, ihre Geschichte zu erzählen. Ansonsten gilt: „Wenn jemand mit meinen Entscheidungen nicht einverstanden ist, dann ist das in Ordnung, das ist seine Meinung.“

Lese-Tipp: Warum ist Stillen so wichtig - wie lange ist eigentlich "normal"?

Im Endeffekt sollte nämlich jede Frau selbst entscheiden können, ob sie stillen möchte – oder eben nicht. Genau wie jedes Elternpaar entscheidet, was für ihr Kind das Beste ist. (vdü)