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Mord in Königs Wusterhause: Sah sich der Vater wahnhaft als Widerstandskämpfer gegen Corona?

Devid R. wollte Kindern nicht „zumuten“, in unserer Gesellschaft zu leben

Familienmord in Königs Wusterhausen: Sah sich der Vater wahnhaft als Corona-Widerstandskämpfer?

Wer war Devid R. wirklich? Familienmord in Königs Wusterhausen
02:30 min
Familienmord in Königs Wusterhausen
Wer war Devid R. wirklich?

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Devid R. soll Angst vor Verhaftung gehabt haben

Was treibt einen Vater dazu, seine Frau, seine Kinder und sich selbst zu töten ? Bei einem 40-Jährigen aus Königs Wusterhausen im Ortsteil Senzig war es offenbar die irrationale Angst, wegen eines gefälschten Impfausweises seiner Frau ins Gefängnis zu müssen. Psychologe Dirk Baumeier vermutet, dass Devid R. die Realität nicht mehr so wahrgenommen haben kann, wie gesunde Menschen das tun. „Im orliegenden Fall gehe ich von einer pathologischen Lage aus“, erklärt der Experte im RTL-Interview.

Königs Wusterhausen: Vater nahm Realität offenbar nicht mehr wahr

Offenbar glaubte, der Vater aus Königs Wusterhausen (BRandenburg), dass seine Familie ohnehin zerstört wäre. In seinem Abschiedsbrief habe der Mann angegeben, dass er Angst vor einer Verhaftung habe und davor, dass man ihm die Kinder wegnehme, wie die Ermittlungsbehörden bekannt gaben. „Das ist eine Verkennung der strafrechtlichen Realität in Deutschland“, so der Psychologe.

Der 40-Jährige habe anscheinend Dinge in seinem Umfeld wahrgenommen, die so nicht vorhanden waren, meint Baumeier. „Hier ist es so, dass der Familienvater offenbar der Auffassung war, dass die Gesellschaft so dermaßen in einem Wandel begriffen sei, dass wir hier vor einer unmenschlichen Diktatur stehen würden“, meint er. Devid R. habe seinen Kindern dann nicht „zumuten“ wollen, in so einer Gesellschaft leben zu müssen. „Und das ist natürlich eine Ideologische Verbohrtheit, die Seinesgleichen sucht“, sagt der Psychologe.

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cgt, dpa, Christophe Gateau

Auch Staatsanwaltschaft geht von psychischen Problemen aus

Ähnliche Worte fand auch Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon zu dem Fall: "Die Vorstellungen des Mannes waren völlig verquer." Der 40-Jährige war weder polizeilich bekannt, noch war die Familie beim Jugendamt aufgefallen. "Eine Haftstrafe bei einem Ersttäter, das ist völlig undenkbar. Ebenso die Wegnahme der Kinder." Es komme in dem Brief zum Ausdruck, dass der Mann vermutlich psychische Probleme gehabt haben müsse, da seine Vorstellungen mit den Tatsachen nichts mehr zu tun hätten, so Bantleon.

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Terrorexperte: Impfgegner werden immer gewaltbereiter

Terrorexperte Peter Neumann rechnet in nächster Zeit mit weiteren Extrem-Taten aus der Impfgegner-Szene. „Was man da beobachtet ist, dass immer stärker und immer mehr auch diese sogenannten Widerstandsnarrative formuliert werden“, erklärt er. Die Anhänger solcher Verschwörungstheorien seien der Ansicht, dass die Situation nicht mehr haltbar sei und sie darum Widerstand leisten müssten. Das könne dann auch durch Gewalttaten geschehen.

Nicht jeder Verschwörungstheoretiker sei ein Gewalttäter oder ein Extremist, so Neumann. Allerdings beobachtet der Experte mit Sorge, dass gerade das Thema Impfpflicht wie ein Trigger auf bestimmte Gruppen wirke. Bei Youtube und Telegram hätten Impfgegner schon lange vor der Einführung einer Impfpflicht gewarnt. Jetzt fühlte sie sich bestätigt. „Das ist das große Signal, dass jetzt Widerstand geleistet werden muss“, beobachtet der Terrorexperte.

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deutsche presse agentur

Impfgegnerszene radikalisiert sich immer weiter

„In den Onlineforen kann man in den letzten Monaten beobachten, dass sich die Szene ziemlich schnell und ziemlich intensiv zur Gewalt hin radikalisiert hat“, sagt der Terrorexperte. Er rechnet in den nächsten Monaten vor allem mit Angriffen auf Institutionen und Amtpersonen aus der Polizei oder der Lokalpolitik, sowie Medienvertreter. Es könne sich sogar eine Art „Corona-NSU“ entwickeln, der dann aus dem Untergrund Gewalttaten organisiert, fürchtet der Forscher. (jgr)

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter https://www.telefonseelsorge.de .