Kostenexplosion bei Energiepreisen

Ökonomen fordern 100 Euro Energiepauschale pro Person monatlich!

Riva, Trentino, Italy - 15 August 2022: Gas meter from a residential building outdoors. Male hand holding 50 euro bills in front of gas meter and pipe, symbolic image rising cost of electricity, gas and energy *** Gaszähler von einem Wohnhaus im Frei
Heizen wird teuer im Winter. Daher fordern Ökonomen eine monatliche Entlastung.
cq, action press, ActionPress

Es wird alles teurer, und im Winter werden vor allem Haushalte mit einer Gasheizung nochmal sehr tief in die Tasche greifen müssen. Der Druck auf die Bundesregierung steigt, ein neues Entlastungspaket zu schnüren. Wirtschaftswissenschaftler fordern direkte Zahlungen vor allem auch für die Mittelschicht.

Viele Bürger und Bürgerinnen blicken übrigens nicht mehr so richtig durch: Nur wenige (20 Prozent) geben laut aktuellem RTL/ntv Trendbarometer an, sie hätten einen genauen Überblick über die von der Bundesregierung beschlossenen und geplanten Maßnahmen zur Entlastung der Bürger. Die große Mehrheit von 78 Prozent aber blickt nach eigener Einschätzung nicht mehr durch.

Durch die bisherigen Maßnahmen der Regierung zur Entlastung der Haushalte fühlen sich 7 Prozent der Befragten spürbar entlastet. 90 Prozent aber fühlen sich kaum (29 Prozent) oder gar nicht (61 Prozent) entlastet.

Spüren Sie die Entlastungen? Stimmen Sie ab!

Die Ergebnisse der Umfrage sind nicht repräsentativ.

Energiegeld von 100 Euro und pro Monat für die kommenden 18 Monate

Aus Sicht von führenden Ökonomen müssen neue Hilfen her: Wegen der stark steigenden Energiepreise muss die Regierung dringend ein Entlastungspaket vor allem für Menschen mit geringen bis mittleren Einkommen auf den Weg bringen. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sagte im RTL-Interview: „Ein wichtiges Instrument wäre beispielsweise ein Energiegehalt von 100 Euro pro Kopf und pro Monat für Familien mit weniger als 5 -6.000 € Monatseinkommen brutto. Das wäre zielgenau und eine ausreichende Entlastung, um Familien mit wenig bis mittleren Einkommen ausreichend zu entlasten.“

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, sagte der dpa, denkbar und sinnvoll wäre eine Neuauflage der Energiepauschale, die im September an alle Beschäftigten ausgezahlt wird . Dabei sollten auch Haushalte berücksichtigt werden, die bislang weitgehend leer ausgingen, etwa Rentner mit niedrigen Einkommen, aber ohne Wohngeldbezug.

100 Euro Energiegeld jeden Monat Fratzscher fordert:
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Fratzscher fordert:
100 Euro Energiegeld jeden Monat

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Ab Oktober gilt eine staatliche Gasumlage, die zu deutlichen Preissteigerungen führt. Sie soll Gasversorgern zugutekommen, die zu hohen Preisen Ersatz für ausbleibende, günstigere Gasmengen aus Russland kaufen müssen. Dazu kommt, dass höhere Beschaffungskosten ohnehin schrittweise bei den Kunden ankommen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat den Bürgern zugesichert, es werde niemand alleine gelassen. Er hatte etwa eine Reform mit einer starken Ausweitung des Wohngelds zum Beginn des kommenden Jahres angekündigt. Scholz sagte in der vergangenen Woche, die Regierung wolle auch etwas für diejenigen machen, die zwar ein Arbeitseinkommen hätten, aber auch rechnen müssten, die keine Ersparnisse hätten und mit den gestiegenen Energiekosten nicht ohne weiteres umgehen könnten. „Das gilt für ganz viele Bürgerinnen und Bürger“, sagte der SPD-Politiker. „Es geht mir um diejenigen, die 2.800, 3.200 oder 4.000 Euro brutto im Monat verdienen, für die das alles große Herausforderungen sind.“ Es gehe um ein Gesamtpaket.

Auch Verkehrsminister Volker Wissing verspricht im RTL/ntv-Frühstart Entlastungen: „Wir haben die hohen Belastungen für die Bevölkerung im Blick“, so Wissing. „Wir werden ein entsprechendes Paket auf den Weg bringen und dabei genau überlegen, was den Bürgerinnen und Bürgern hilft.“ Er warnt dabei aber vor neuen Schulden und betont, dass der Bundeshaushalt für die Entlastungen nicht aus dem Ruder laufen dürfe. Auf die Frage, wann die Bevölkerung mit einem neuen Entlastungspaket rechnen könne, sagt Wissing, dass das Kabinett die aktuelle Situation Ende August evaluieren würde und betont: „Die Bundesregierung handelt und wenn nötig auch sehr schnell.“ Das ganze Interview mit Wissing im Video.

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Wirtschaftsexperte Fratzscher: „Politik muss dringend ein drittes Entlastungspaket umsetzen"

Fratzscher sagte der dpa, die vom Bundeskanzler genannte Gruppe umfasse mehr als jede und jeden Fünften in Deutschland. „Dies sind vor allem Menschen in dem in Deutschland ungewöhnlich großen Niedriglohnbereich und auch zahlreiche Rentnerinnen und Rentner.“ Diese Gruppe habe kaum Ersparnisse, um zusätzliche Kosten abzudecken, und sie erhalte kaum direkte Unterstützung vom Staat.

Daher könnten diese Menschen aus eigener Kraft die Kosten der höheren Inflation nicht selbst stemmen und benötigten dringend Unterstützung vom Staat. „Schon jetzt haben wir eine starke soziale Schieflage auch bei dieser Gruppe. Dies zeigt sich beispielsweise im Anstieg der Zahl der Menschen, die sich überschuldet“, so Fratzscher.

Dullien sagte, die von Scholz genannten Einkommensgruppen entsprächen der unteren Mittelschicht in Deutschland. „2021 etwa lag der durchschnittliche Bruttoverdienst eines Vollzeitbeschäftigten bei etwas mehr als 4000 Euro pro Monat.“ Scholz wolle also bis in die Mitte der Gesellschaft entlasten. „Das ist richtig. Der Energiepreisanstieg trifft Menschen bis in die Mitte der Gesellschaft hart.“ Wegen der steigenden Gaskosten würden die Heizrechnungen sprunghaft in die Höhe schnellen.

Finanzielle Belastung durch Energiekosten für Familien kaum zu stemmen

„Menschen, die bisher 100 Euro im Monat für ihre Gasheizung bezahlt haben, werden bald 300 Euro oder mehr bezahlen. Für Familien, die 2000 bis 3000 Euro netto pro Monat zur Verfügung haben, ist das eine massive Belastung, die zu Zahlungsausfällen und sozialen Verwerfungen führen kann“, so Dullien. „Für den sozialen Frieden im Land ist es wichtig, diese Belastung abzufedern.“

Diese Gruppe könne man nicht über die normalen Transfersysteme entlasten. Man könnte eine neue Energiepauschale im Dezember auszahlen, um den Menschen zu helfen, ihre Rechnung nach dem Winter zu begleichen. „Eine andere, gute Möglichkeit wäre, einen Gaspreisdeckel für einen Grundverbrauch pro Haushalt einzuführen“, so Dullien.

Die von der Bundesregierung beschlossene Energiepauschale von einmalig 300 Euro kommt im September. Das Geld wird mit dem Gehalt ausgezahlt, dementsprechend zahlt man darauf auch Steuern.

Lese-Tipp: Wie viel Netto bleibt von der Energiepauschale übrig?

Sozialverbände machen Druck, die in Aussicht gestellten Entlastungen noch vor Start der Gasumlage zu klären. „Die Ampel-Regierung hat keine Zeit mehr, noch lange zu streiten. Bis September brauchen wir eine Lösung“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Die Vizepräsidentin des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), Ursula Engelen-Kefer, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Wir können nicht der großen Mehrheit der Gesellschaft immer mehr Belastungen aufhalsen und sie gleichzeitig im Unklaren lassen, wie sie unterstützt werden.“ Damit es im Herbst nicht zu sozialen Unruhen kommt, sei es „von entscheidender Bedeutung, dass die Bundesregierung zügig Entlastungen beschließt, die unmittelbar bei den Menschen ankommen“.

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