Bluttat am Bahnhof Brokstedt 

Messerstecher Ibrahim A. wurde kurz vor Zug-Attacke noch psychiatrisch beurteilt

dpatopbilder - 26.01.2023, Schleswig-Holstein, Brokstedt: Blumen und Kerzen liegen auf dem Bahnsteig im Bahnhof von Brokstedt. Bei einer Messerattacke in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg sind am 25.01.2023 zwei Menschen getötet und sieben verl
Nach Messerattacke in Zug zwischen Kiel und Hamburg
bra htf, dpa, Marcus Brandt

Wenige Tage vor der tödlichen Messerattacke in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg ist der tatverdächtige Ibrahim A. noch psychiatrisch beurteilt worden - ohne dass dabei besondere Auffälligkeiten festgestellt wurden. Schon im Rahmen seiner knapp einjährigen Untersuchungshaft wegen eines Gewaltdelikts sei er in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Billwerder psychiatrisch betreut worden, teilte die Hamburger Justizbehörde mit. Grund für die Betreuung seien Tätlichkeiten gewesen, in die er zwei Mal während der Haft verwickelt gewesen sei.

Lesen Sie auch: Was wir über Ibrahim A. wissen – soll zwölf Straftaten begangen haben

Psychiater stellt "keine Fremd- und Selbstgefährdung" fest

„Ein Psychiater hat kurz vor der Entlassung keine Fremd- und Selbstgefährdung festgestellt“, sagte eine Behördensprecherin. Deshalb habe es auch keine belastbaren Anhaltspunkte dafür gegeben, eine rechtliche Betreuung zu beantragen oder den Sozialpsychiatrischen Dienst einzuschalten. „Anders als bei der Außervollzugsetzung eines Haftbefehls bestehen bei der Aufhebung eines solchen keine Möglichkeiten, Auflagen oder Weisungen zu erteilen.“

Lesen Sie auch: Augenzeuge: "Im Zug war alles voller Blutspuren"

Das Landgericht Hamburg hatte den Haftbefehl gegen den 33 Jahre alten staatenlosen Palästinenser den Angaben zufolge am Donnerstag vergangener Woche aufgehoben, da eine gegen ihn verhängte, aber noch nicht rechtskräftige Freiheitsstrafe durch die Untersuchungshaft bereits fast vollständig verbüßt war.

Video: Rätselraten nach tödlicher Messerattacke

Rätselraten nach tödlicher Messerattacke Angriff in Brokstedt
01:23 min
Angriff in Brokstedt
Rätselraten nach tödlicher Messerattacke

30 weitere Videos

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Hamburgs Justizsenatorin Gallina spricht Opfern und Angehörigen "tiefstes Mitgefühl" aus

Am Mittwoch soll Ibrahim A. dann in dem Regionalzug mit einem Messer auf andere Fahrgäste eingestochen haben. Eine 17-Jährige und ein 19-Jähriger wurden getötet, fünf weitere Reisende teils schwer verletzt. Andere Fahrgäste hatten den Angreifer schließlich überwältigt.

Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) sprach den Opfern und Angehörigen ihr „tiefstes Mitgefühl“ aus. „Auch wir werden unseren Beitrag dazu leisten, dass diese schreckliche Tat von den zuständigen Behörden aufgeklärt wird“, sagte sie. „Alle betroffenen Behörden der verschiedenen Bundesländer sind mit der gründlichen Sachverhaltsklärung beschäftigt und im engen Austausch.“ (dpa/uvo)