Al-Zein-Clan kassierte 400.000 Euro Sozialleistungen

Leverkusen: Clan-Familie residiert weiter mietfrei in Millionen-Villa - auf Staatskosten?

Polizisten durchsuchten die Leverkusener Villa im Stadtteil Rheindorf, die mehr als eine Million Euro wert sein soll
Polizisten durchsuchten die Leverkusener Villa im Stadtteil Rheindorf, die mehr als eine Million Euro wert sein soll
© dpa, Marcel Kusch, js

30. September 2021 - 10:48 Uhr

Finanzierung der Villa war "Geldwäsche in Reinkultur"

Angehörige des Al-Zein-Clans, die trotz Sozialleistungsbezug in einer Leverkusener Villa residierten, wohnen dort noch immer. Sie müssen auch keine Miete an den Staat zahlen, wie NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) in einem Bericht an den Rechtsausschuss eingeräumt hat. Er könne auch nicht ausschließen, dass die vierköpfige Familie weiter Sozialhilfen kassiert – trotz laufender Ermittlungen wegen Sozialleistungsbetrugs in sechsstelliger Höhe.

Clan-Familie lebt mietfrei - und womöglich auf Staatskosten

08.06.2021, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Polizisten stehen vor einer Villa, während zwei Personen mit Decken über dem Oberkörper das Gelände verlassen. Bei Ermittlungen gegen Clankriminalität durchsuchten Spezialkräfte der Polizei rund 30 Objekte
Razzia gegen Clankriminalität: Zwei Verdächtige werden in Leverkusen abgeführt.
© /Foto/Agenturen/dpa-bildfunk/, dpa, mku

Gegen die mutmaßlichen Clan-Mitglieder wird wegen Sozialleistungsbetrugs ermittelt, ob sie dennoch weiterhin Sozialleistungen kassieren, wisse Biesenbach nicht. Dies sei Sache des Jobcenters. Aus Datenschutzgründen könnte ohnehin keine Auskunft erteilt werden - selbst wenn die Informationen vorlägen.

Die Polizei hatte das Anwesen im vergangenen Juni gestürmt und durchsucht, die Villa im Stadtteil Rheindorf soll mehr als eine Million Euro wert sein. Ein scheinbar mittelloser Sohn der Familie hatte das Haus den damaligen Angaben zufolge gekauft und an seinen Vater vermietet. Die Miete habe das Jobcenter beglichen. Die Umstände der Finanzierung der Immobilie sprächen für "Geldwäsche in Reinkultur", hatte Thomas Jungbluth gesagt, leitender Ermittler gegen Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt NRW.

Bei der Razzia hatten die Ermittler 290.000 Euro Bargeld sichergestellt, zudem waren Autos, eine 30.000 Euro teure Armbanduhr, scharfe Pistolen und eine Kalaschnikow beschlagnahmt worden. Die Familie habe mindestens 400.000 Euro Sozialleistungen kassiert, teilte die Polizei mit. Die Villa werde dem Staat übertragen.

Nach Razzia im Juni: Clan-Boss in Leverkusen verhaftet

Im Visier der Ermittler steht ein 46-Jähriger, der in dem Al-Zein-Clan eine ranghohe Position einnehmen soll. Gegen den staatenlosen Hauptbeschuldigten Al-Zein, seine 42-jährige Frau und seine beiden Söhne (24/28) lagen Haftbefehle vor. Die Frau ist Libanesin, die Kinder besitzen die deutsche und die libanesische Staatsbürgerschaft. Der Clan zählt zu den großen in Nordrhein-Westfalen. Ihm werden 227 Tatverdächtige zugerechnet, die für 441 Straftaten verantwortlich sein sollen.

"Wir haben ihn nicht nur festgenommen, sondern ihm auch sein Zuhause weggenommen", hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) damals gesagt. Die Villa werde nun im Grundbuch dem Staat übertragen. Reul musste auf kritische Nachfragen der SPD zugeben, dass seine Aussage damals juristisch nicht präzise gewesen sei, teilte sein Kabinettskollege Biesenbach nun mit. Seit der Razzia sind mehr als drei Monate vergangen – doch de facto hat sich seither offenbar nur wenig geändert.

Tatsächlich sei ein Veräußerungsverbot für die Villa erwirkt und ins Grundbuch eingetragen worden. Dies bedeute, dass die Beschuldigten das Haus nicht verkaufen und das Geld beiseite schaffen können, bis die Frage einer Eigentumsübertragung an den Staat geklärt sei. Solange darf die Clan-Familie offenbar weiter unbehelligt in der Millionen-Villa leben – womöglich sogar auf Kosten der Steuerzahler. (dpa/cwa)