Ein KommentarLasst das Lecken! Wildes Knutschen verdirbt mir den Appetit

An jeder Ecke wird geleckt – und das nicht nur am Eis! Mit den Temperaturen steigt anscheinend auch die Lust der Leute ins Grenzenlose. Die Lust der Leute, ihrem jeweiligen Gegenüber die Zunge in den Hals zu stecken. Und das ungeniert und direkt vor meiner unbeteiligten Nase.
Wieso vergessen knutschende Menschen alle(s) um sich herum?
Beim Zungenkuss gibt es ja bekanntermaßen die verschiedensten Ausführungen. Und diese sind auf die verschiedensten Arten einfach ekelhaft anzuschauen. Beim Peter-Fox-Konzert an der Südbrücke hier bei uns in Köln wurde ich beispielsweise Zeugin von zwei Stocherern. Den Stocherer zeichnet aus, dass er seine Zunge so weit ausstreckt wie es geht, die gesamte Mundhöhle seines Gegenübers ausfüllt und in ihr herumstochert – wie der Name eben sagt.
Das Paar war in den 50ern, würde ich tippen, stand eng umschlungen in der Menge, blickte sich vielsagend an und stopfte sich über zehn Minuten lang die gesamte Zunge in den Hals. Aus unerklärlichen Gründen muss Peters Beat die zwei so erotisiert haben, dass sie die 12.000 Konzertbesucher um sich herum, darunter auch mich, vergessen haben müssen. Wie geht das?
Mit meinem besten Freund und meinem Kölsch stand ich in der Menge und musste feststellen, dass Herr Fox nur noch die zweite Geige meiner Aufmerksamkeit spielte. Ich hatte nur Augen für das ungezügelte Gezüngel meiner Artgenossen vier Reihen vor mir. Immer wieder strich die weibliche Stocherin kraftvoll über den Rücken des männlichen Pendants und ich wette, dass sie auch lustvoll gejauchzt hätte, wenn sie den Mund nicht so voll gehabt hätte.
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Im Video: Warum Küssen gesund ist
Bei diesem Anblick blieb mir das Sushi im Halse stecken
An den Poller Wiesen direkt am Rhein, bekam ich nicht viel später die nächste Zungenkeule zu spüren. Meine Freundin und ich hatten es uns mit Sushi auf einer Parkbank bequem gemacht, als mir meine California Roll plötzlich im Halse stecken blieb. Auf der Holzbank nebenan war ein Glotzer aktiv. Ein Paar bewegte sich in Schräglage wild knutschend im erotischen Takt. Anders als der Stocherer hat der Glotzer seine Umgebung genauestens im Blick: Die Augen des Mannes waren weit aufgerissen und checkten das Geschehen und die vorbei strömenden Fußgänger ab. So auch mich.
Der Blick auf den rosa glänzenden Lachs meines Nigiris ließ mir von da an nicht mehr das Wasser im Munde zusammenlaufen. Stattdessen sah ich nur noch feuchte Zungen auf meinem Reis. „Guck halt weg“, sagte meine Freundin lachend zu mir. Zu spät. Der Appetit war mir ja bereits vergangen.
So richtig fies wurde es aber im Freibad. Ich hatte gerade meine neonfarbene Picknickdecke ausgebreitet, als mir zwei Waschlappen ins Auge stachen. Die Waschlappen sind die schlimmsten ihrer Art. Ihre Küsse kann man nicht nur sehen, sondern auch hören. Sie sind so feucht, dass sie einen schleimigen Sound produzieren. Laut schmatzend wälzten sich die zwei Knutschenden über ihre Handtücher und übertönten mit ihrem Speichelaustausch die lauten Rufe der 400 plantschenden Kinder. Wie ist das möglich?
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Bin ich es – oder sind es die anderen?
Machen wir uns nichts vor: Knutschen ist toll. Ja, Knutschen ist sogar gesund. Bei einem leidenschaftlichen Zungenkuss verbrennt ein Mensch circa 20 Kalorien pro Minute und wer viel küsst, stärkt auch sein Herz-Kreislaufsystem. Aber es sieht halt fast immer eklig aus. Ich kenne niemanden, der denkt „Oh, voll schön“, wenn er Zeuge einer wilden Knutscherei wird. Wenn dann auch noch die Körper heftig aneinander gerieben werden und ich mich als Betrachter fragen muss, ob das noch Küssen ist, bin ich halt raus. Mir ist das zu intim.
Also Lovebirds: Wenn ihr euch in einer Menschenmasse befindet, oder Menschenmassen an euch vorbei strömen, lasst eure Lecklappen bitte in der Garage. Es gibt Menschen, die essen.





























