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Krieg in der Ukraine: Warum Russlands Eroberung von Tschernobyl eine Gefahr für Europa ist

Rakete soll radioaktives Abfall-Lager getroffen haben

Warum Russlands Eroberung von Tschernobyl eine Gefahr für Europa ist

ARCHIV - 27.04.2021, Ukraine, Tschernobyl: Ein Schutzbau bedeckt den explodierten Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyl. Russische und ukrainische Truppen liefern sich nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag (24.02.
Ukraine-Konflikt - Tschernobyl
EL lix nwi wst, dpa, Efrem Lukatsky

Es war eine besorgniserregende Entwicklung an einem schockierenden Tag, als Russland am Donnerstag in die Ukraine einmarschierte: Jetzt soll Russland nach ukrainischen Angaben das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl erobert haben, wo noch immer Radioaktivität nach der schlimmsten Atomkatastrophe der Geschichte vor 36 Jahren austritt. Jetzt könnte auch eine Gefahr für Europa drohen.

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Anstieg von Strahlungswerten gemeldet

Nach einem erbitterten Gefecht hätten die russischen Streitkräfte die Anlage rund um Tschernobyl übernommen, sagte der Berater des ukrainischen Präsidenten, Mykhailo Podolyak, gegenüber der Presseagentur The Associated Press. Der Zustand der Anlagen des Kraftwerks, eines Haftbunkers und eines Endlagers für Atommüll sei unbekannt, sagte er.

Der russische Beschuss könnte allerdings ein Endlager für radioaktive Abfälle getroffen haben. Doch damit nicht genug: Weiter sagt der Beamte, der mit den aktuellen Einschätzungen vertraut ist, dass ein Anstieg der Strahlungswerte beobachtet worden sei.

Der Radioökologe Georg Steinhauser von der Universität Hannover sieht im Moment keine Hinweise auf ein größeres Problem, berichtet die österreichische Zeitung "Der Standard". Demnach sagte der Wissenschaftler, der mit Kollegen in der Ukraine in Kontakt stehe: "So wie sich das derzeit darstellt, vermute ich, dass durch die schweren Militärfahrzeuge aufgewirbelter radioaktiver Staub für die Messwerte verantwortlich ist."

Russischer Angriff auf Tschernobyl auch eine Gefahr für Europa

Der Angriff auf das Lager für Abfälle stellt auch eine Gefahr für Europa dar. Anton Heraschenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, warnt gegenüber der AP davor, dass jeder Angriff auf das Abfall-Lager radioaktiven Staub über „das Territorium der Ukraine, Weißrusslands und Länder der EU“ schleudern könnte.

Auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zeigt sich besorgt über die Kampfhandlungen an der zerstörten Atomanlage von Tschernobyl. Wegen der potenziellen Unfallgefahr verfolge sie die Situation in der Ukraine "mit großer Sorge", erklärte die UN-Organisation. Sie forderte von allen Beteiligten "ein Höchstmaß an Zurückhaltung". Eine ungesicherte Atomanlage berge große Gefahr.

Auch die Vereinigten Staaten haben sich höchst besorgt zu den Angriffen geäußert. Die Einnahme der Sperrzone des früheren Meilers und der Mitarbeiter dort sei eine „Geiselnahme“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Donnerstag in Washington. „Diese unrechtmäßige und gefährliche Geiselnahme, die routinemäßige Arbeiten zum Erhalt und zur Sicherheit der Atommüll-Einrichtungen aussetzen könnte, ist unglaublich alarmierend und sehr besorgniserregend“, ergänzt Pressesprecherin Psaki. (ljo; uvo)

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