Auch Eltern sollen sich vorher testen lassen

Kinderärzte laufen Sturm gegen Eltern-Testpflicht: "Werden die Praxen am Montag schließen müssen"

Müssen Eltern sich vorm nächsten Besuch beim Kinderarzt auch vorher testen lassen?
Müssen Eltern sich vorm nächsten Besuch beim Kinderarzt auch vorher testen lassen?
© iStockphoto, iStock/Kemal Yildirim, Kemal Yildirim

26. November 2021 - 10:23 Uhr

Kinderärzte wütend: Gesetz ist so nicht umsetzbar

In Praxen und anderen Gesundheitseinrichtungen müssen Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher seit Mittwoch einen tagesaktuellen Antigentest vorlegen – unabhängig davon, ob sie geimpft oder genesen sind. Das schreibt das geänderte Infektionsschutzgesetz vor. Patienten sind davon zwar ausdrücklich ausgenommen - aber Besucher nicht. Und unter die fallen Eltern, die ihre Kinder zum Arzt begleiten. Schlichtweg nicht machbar, sagen die Kinderärzte. Und drohen mit der Schließung ihrer Praxen ab Montag.

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Impfluencer-Arzt wütet: "Macht euren Scheiß doch allein"

Ärzte gehen deutschlandweit auf die Barrikaden – der Grund: Paragraf 28b Absatz 2 des Infektionsschutzgesetzes. Darin ist geregelt, dass Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher der Praxen einen Antigentest vorlegen müssen. Er kann eigenständig und ohne Überwachung erfolgen, alternativ sind zwei PCR-Tests pro Woche möglich.

Hausarzt Dr. Christian Kröner ließ seinem Groll darüber auf Twitter freien Lauf: "Die ständige Gängelung der Praxen ist unerträglich und behindert lebenswichtige Arbeit", schreibt er dort. Und weiter: "Es ist der Punkt erreicht, wo wir überlegen, ob wir einfach die Bude dicht machen bis Weihnachten, dann macht ihr euren Scheiß doch allein."

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Kinderärzte sagen: So geht's nicht!

Noch größer ist der Ärger bei den Kinderärzten – denn hier müssten die Praxisteams alle Eltern, die ihre Kinder als Besucher begleiten, einen Test vorweisen, beziehungsweise in der Praxis getestet werden. Die Belastung für die Kinderärzte ist durch Erkältungswellen und das grassierende RS-Virus massiv – die neue Corona-Regel legt da noch einmal einen drauf.

Auch für Eltern, die jetzt gegebenenfalls lange vor der Praxis warten müssen. Die Kinderärzte sagen: So geht's nicht! "Wenn der Herr Gesundheitsminister das so ernst gemeint hat, dann werden wir die Praxen am Montag nicht mehr öffnen können", sagt Kinderarzt Dr. Jakobs Maske, Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte klipp und klar.

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Dr. Jakob Maske
Dr. Jakob Maske
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Kinderärzte-Verband interveniert beim BMG

Hundert bis zweihundert Menschen laufen jeden Tag durch die Praxis, rechnet der Kinderarzt vor. "Gehen wir mal von 150 kleinen Patienten aus, dann haben wir 150 Begleitpersonen – dann haben wir 150 Teste, die wir machen müssen, dazu kommen noch die für die eigenen Mitarbeiter, sind circa 160 Teste", so Maske. "In unserer Praxis haben wir aktuell noch 200 Teste, da kommen wir also anderthalb Tage mit aus – und dann kann ich schließen."

Ansonsten gehe er als Arzt Gefahr, bis zu 250.000 Euro Strafe zahlen zu müssen. "Die Alternative wäre ja, dass ich die Türe zu lassen, und die 6 Monate alten Kinder selbst zur Tür reintrage", scherzt der Arzt. Der Bundesverband habe bereits einen schriftlichen Appell an das Gesundheitsministerium gerichtet.

NRW rudert zurück: Begleitpersonen müssen nicht getestet sein

In NRW ruderten die Verantwortlichen schon zurück: Begleitpersonen von Patienten brauchen sich vor dem Zutritt zu einer Praxis oder bei einem Arzt-Besuch nicht testen lassen, sagte eine Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Zeitgleich fordern die Länder-Gesundheitsminister laut Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz den Bund jetzt zu einer Gesetzeskorrektur auf in puncto Testung von Praxispersonal auf.

Kinderärzte-Berufsverband: Infektionsschutzgesetz medizinisch unsinnig

In dem zweiten Punkt, der Personal-Testpflicht, bekamen die Kinder- und Jugendärzte klare Unterstützung aus den Ländern. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in NRW hatte bereits am Mittwoch gegen die neue Pflicht protestiert. Diese Neuregelung im geänderten Infektionsschutzgesetz sei medizinisch unsinnig, im Alltag nicht umsetzbar, zudem seien kaum noch Schnelltests erhältlich, hatte unter die BVKJ-Vorsitzende Nordrhein, Christiane Thiele, betont. (dpa/ija)

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