Ab 10. September Ende der Corona-Regeln

Was Dänemark besser macht als Deutschland

10. September 2021 - 11:48 Uhr

Dänemark hebt Corona-Beschränkungen auf

Wovon andere nur träumen, wird in Dänemark Realität: Ab dem 10. September hebt Dänemark alle Corona-Beschränkungen auf. Das wirkt auf den ersten Blick sehr riskant, doch unsere Nachbarn gehen kein unkalkulierbares Risiko ein, sondern handeln sehr überlegt und konsequent. In Deutschland ist das nicht vorstellbar, denn hier fehlen die entscheidenden Voraussetzungen.

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Deutlich höhere Impfquote

Eine Quote, von der Deutschland noch weit entfernt ist: In Dänemark sind bereits mehr als 73 Prozent der Gesamtbevölkerung beziehungsweise knapp 83 Prozent der Impfberechtigten vollständig geimpft. In der Bundesrepublik sind bisher nur knapp 62 Prozent der Gesamtbevölkerung beziehungsweise rund 69 Prozent der über 12-Jährigen und somit Impfberechtigten vollständig geimpft.

Ein deutlicher Unterschied ist die Impfquote der über 60-Jährigen: In Dänemark sind lauf SSI (Statens Serum Institut), dem dänischen Gesundheitsamt, knapp 95 Prozent durchgeimpft. In Deutschland hingegen sind es nur knapp 83 Prozent.

Auch wenn die Dänen nun trotzdem optimistisch in die Zukunft blicken, kann ein neuer Lockdown nicht komplett ausgeschlossen werden. "Wenn wir Virus-Mutationen bekommen, gegen die die Impfstoffe nicht helfen, können wir so nicht weitermachen", warnt Lone Simonsen, Pandemieforscherin an der Universität Roskilde.

Eine sinkende Inzidenz

Die hohe Impfquote in Dänemark spiegelt sich auch in der Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz wider: Lange lag der dänische Wert über dem Wert Deutschlands. Am 1. September betrug die Inzidenz noch 105 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Im Vergleich: Deutschland hatte zu dem Zeitpunkt einen Wert von 76.

Am 9. September dann die Wende: In Dänemark betrug die 7-Tage-Inzidenz rund 67, die Bundesrepublik meldete knapp 83 neue Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Wochen.

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Leicht steigende Anzahl an Hospitalisierungen in Dänemark

Wegen der hohen Inzidenz-Werte der vergangenen Wochen, die noch in Dänemark herrschten, hat auch die Zah der Menschen zugenommen, die wegen Corona im Krankenhaus behandelt werden müssen. So stieg der dänischen Statistikbehörde zufolge die Zahl der Covid-19-Patienten vom 1. bis zum 31. August von 57 auf 147. Davon lagen 21 Menschen auf Intensivstationen, am Anfang des Monats waren es noch acht. Die Zahl der künstlich beatmeten Intensivpatienten stieg ebenfalls von sieben auf 13.

Die Fall-Sterblichkeitsrate, die das Verhältnis der Anzahl der Todesfälle zu der Anzahl der Infektionen im Sieben-Tage-Schnitt angibt, ist in Dänemark leicht angestiegen. Sie liegt mit 0,23 Prozent allerdings noch unter der deutschen, die aktuell 0,31 beträgt.

Schnelles Handeln der Regierung

Auch die deutsche Regierung kann noch etwas von Dänemark lernen: Wenn sich die aktuelle Pandemie-Lage im Land verschlechtere, dann müsse die dänische Regierung und ihre Gesundheitsbehörde schnell handeln, so schreibt es schon im März das SSI. Die Regierung werde rasch handeln, sollte das Coronavirus erneut die "wesentlichen Bereiche" des gesellschaftlichen Zusammenlebens bedrohen, so Gesundheitsminister Magnus Heunicke.

Eines der modernsten und effizientesten Gesundheitssysteme

In Sachen Gesundheitsystem hat Dänemark die Nase ganz weit vorn. Der große Unterschied ist die Finanzierung – denn: Es wird aus Steuern und nicht aus Sozialabgaben finanziert und ist komplett in staatlicher Hand. Jeder, der in Dänemark gemeldet ist, ist auch automatisch in der nationalen Krankenversicherung versichert.

Davon profiliert Dänemark in der Impfkampagne enorm. In Höchstgeschwindigkeiten kann das Land ältere und angeschlagene Personen identifizieren und gezielt anschreiben.

Vorteil der kleineren Einwohnerzahl

Schließlich sollte noch erwähnt werden, dass es Dänemark nur 5,8 Millionen Einwohner hat, etwas weniger als die Einwohnerzahl von Hessen. Vorteilhaft ist auch die Tatsache, dass Dänemark nur eine Festlandgrenze hat. Im Vergleich zum Rest Europas lebt in Dänemark eine sehr junge Bevölkerung. (ljo)