Plötzlich sinkt der Wert im RKI-Bericht

Wieso ist die Impfung plötzlich weniger effektiv?

Das RKI weist in seinen wöchentlichen Berichten unter dem Punkt Impfeffektivität aus, wieviele Impfdurchbrüche es beim jeweiligen Vakzin gab.
Das RKI weist in seinen wöchentlichen Berichten unter dem Punkt Impfeffektivität aus, wieviele Impfdurchbrüche es beim jeweiligen Vakzin gab.
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07. Oktober 2021 - 9:33 Uhr

Impfeffektivität macht einen Sprung - nach unten

Wenn es um die Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 geht, wollen alle nur das eine: Möglichst effektiv geschützt sein. Wochenlang studierten die Menschen in Deutschland ganz genau, welcher Impfstoff den Studien zufolge am besten schützt. Letztlich ergibt sich das für die Zulassungsstudien aus einem Vergleich von Ungeimpften mit Geimpften. Ganz ähnlich werden die Zahlen vom RKI wochenweise anhand der aktuellen Zahlen ermittelt. Doch im letzten Bericht machte die Impfeffektivität einen Sprung - nach unten. Warum ist das so?

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Ü60-Gruppe: Effektivität sinkt um 5 bis 6 Prozent

Das RKI weist in seinen wöchentlichen Berichten unter dem Punkt Impfeffektivität aus, wie viele Impfdurchbrüche es beim jeweiligen Vakzin gab - und auch, wie hoch folglich der tatsächliche Schutz von allen Impfstoffen zusammen genommen statistisch gesehen ist. Im letzten RKI-Bericht gab es dort allerdings Verschiebungen abseits der normalen Schwankungen. Das berichtet Spiegel Online.

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Denn für die Kalenderwoche 35 bis 38 lag die Impfeffektivität für alle zugelassenen Impfstoffe vor schweren Verläufen und Hospitalisierung in der Altersgruppe ab 60 Jahren bei etwa 89 Prozent und vor einem tödlichen Verlauf bei 88 Prozent - in der Woche zuvor waren es noch 95 Prozent vor schwerem und 93 Prozent vor tödlichem Verlauf. Wie ist dieser Abfall zu erklären?

Unbekannter Impfstatus zählte zu den Ungeimpften

Die Berechnung der aktuellen Effektivität in Prozentzahlen ergibt sich aus einem Vergleich der Covid-19-Fälle bei Geimpften und Ungeimpften. Natürlich muss dafür bekannt sein, ob die Erkrankten überhaupt geimpft waren oder nicht. Das aber ist nicht immer der Fall. Bei rund jedem fünften seit Februar gemeldeten symptomatischen Fall fehle die Angabe zum Impfstatus, teilte das RKI auf Nachfrage mit, so Spiegel Online. Das RKI habe aber entschieden, die Fälle mit unbekannten Impfstatus zu den Ungeimpften zu zählen. Resultat: Impfdurchbrüche waren im Verhältnis seltener als tatsächlich der Fall. Im Ergebnis führt das zu einer Überschätzung des Impfeffekts.

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Neue Berechnungen lassen unbekannten Impfstatus außen vor

Bereits im September hatte Spiegel Online beim RKI nachgefragt, warum die Personen mit unbekanntem Impfstatus zu den Ungeimpften gezählt würden. Die Behörde antwortete damals demnach, durch diesen Rechenweg bestehe "eine bessere Vergleichbarkeit mit den anderen vom RKI berichteten Daten im Wochenbericht". Den Einfluss "auf eine mögliche Verzerrung der Effektivitätswerte" habe man geprüft, er sei "eher gering", so das RKI.

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Dennoch planten die Verantwortlichen bereits zu diesem Zeitpunkt eine Umstellung der Berechnung, bei der die Fälle mit unbekanntem Impfstatus dann außen vor bleiben sollten. Laut Angaben im Wochenbericht ist diese Umstellung nun erfolgt, was zum Absinken der Effektivitätswerte geführt hat. Auf Nachfrage des Spiegels bestätigt das RKI: "Wir gehen davon aus, dass das Absinken vornehmlich auf diese Umstellung zurückzuführen ist." (ija)

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