Frau und Tochter aus Flugzeug nach Dubai geholt

Iran hält Familie von Ali Daei fest - Fußball-Legende empört

FILE - Former Iran's national soccer team coach Ali Daei before an Asian Cup 2011 qualifying soccer match between Iran and Singapore in Tehran, Iran, Jan, 14, 2009. Daei has expressed support for anti-government protests, saying that his wife and dau
Ali Daei
HS EJB**LON** FO**FK**, AP, Hasan Sarbakhshian

Das Mullah-Regime im Iran sucht die Konfrontation mit einem besonders populären Mann: Ali Daei, Ex-Kapitän der Fußball- Nationalmannschaft. Die Behörden haben seiner Familie jetzt die Ausreise aus dem Land verboten, Daei reagiert empört. „Wollten die (Sicherheitskräfte) etwa Terroristen verhaften?“, wurde der Rekordnationalspieler von Medien zitiert. Er habe versucht, bei mehreren Behörden einen Grund für den sonderbaren Vorfall zu erhalten, bislang jedoch vergebens, sagte der 53-Jährige laut Tageszeitung „Etemad“.

Tochter hätte weiterreisen dürfen, blieb aber lieber bei der Mutter

 December 17, 2022, Istanbul, Turkey: A female protester takes part during the demonstration. Mahsa Amini s death has sparked weeks of violent protests across Iran and other countries. Mahsa fell into a coma and died after being arrested in Tehran by
Seit Monaten protstieren die Menschen gegen das Regime im Iran. Auch im Ausland. Die getötete Mahsa Amini ist eine kone der Bewegung geworden, hier wird ihr Foto auf einer Demo in der Türkei gezeigt
www.imago-images.de, IMAGO/ZUMA Wire, IMAGO/Onur Dogman

Seine Frau und seine Tochter saßen am Montag bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Dubai. Doch kurz vor dem Ziel drehte die Maschine der staatlichen Fluglinie Mahan plötzlich um und machte eine Zwischenlandung auf der südiranischen Insel Kisch. Dort mussten die Beiden aussteigen. Daeis Frau musste auf Anweisung von Sicherheitskräften nach Teheran zurück, die Tochter hätte weiterreisen dürfen, was sie jedoch nicht tat.

Laut iranischen Justizkreisen hatte sich Daeis Frau bei den systemkritischen Protesten mit „kontrarevolutionären“ Regimegegnern solidarisiert und war daher aufgefordert worden, das Land nicht ohne vorherige Erlaubnis zu verlassen. Da sie dies trotzdem tat, wurde das Flugzeug gestoppt und ihr Weiterflug verhindert.

Daei weist Vorwürfe der Justizbehörde zurück

Festgenommen wurde sie jedoch nicht, wie die Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf Quellen berichtete. Außerdem wollte seine Frau nicht nur nach Dubai, sondern von dort aus in die USA.

Daei selbst weist die Angaben der Justizbehörde vehement zurück. Seine Frau habe legal ausreisen wollen. Falls ein Ausreiseverbot vorgelegen hätte, hätte die Polizei ihr das bei der Passkontrolle in Teheran mitteilen sollen. „Was soll das Ganze, das war doch nur ein Kurztrip und beide wollten nächste Woche wieder zurück“, sagte der ehemalige Profi, der in seiner Heimat als Volksheld verehrt wird.

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lvb alf kno, dpa, Uncredited

Der Vorfall mit Daeis Familie ist kein Einzelfall. Wegen der Solidarisierung mit den nun seit über drei Monaten andauernden Protesten gegen das islamische System wurden auch andere iranische Prominente festgenommen und inhaftiert. Laut Menschenrechtsgruppen im Ausland sollen bislang über 18.000 Demonstranten verhaftet worden sein. Zwei Demonstranten wurden bereits hingerichtet, über 20 weitere Demonstranten stehen auf der Todesliste der Justiz. Die Zahl der Toten wird auf 500 geschätzt.

Auch andere Ex-Bundesliga-Profis solidarisieren sich mit Protesten

Seit September rollte eine Protestwelle durch das Land. Ausgelöst wurde sie durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini, die wegen eines angeblich falsch sitzenden Kopftuchs von der Sittenpolizei festgenommen worden war.

Auch der ehemalige Bundesligaprofi Daei (Arminia Bielefeld, Bayern München, Hertha BSC) hatte sich nach Ausbruch der Proteste mit den Demonstranten solidarisiert. Deswegen war auch sein Reisepass von den Behörden vorübergehend beschlagnahmt worden.

Im gleichen Zusammenhang liegt gegen den ehemaligen Profi Ali Karimi, der bei Bayern München und Schalke 04 spielte, ein Haftbefehl vor. Ex-Spieler Mehdi Mahdavkia (VfL Bochum, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt) kündigte aus Protest seinen Posten als U-21 Nationaltrainer. Sein Land werde von „Analphabeten“ regiert, kritisierte er. (dpa/uvo)