Wellenbrecher-Lockdown bei Inzidenz von 150 im November 2020

Inzidenz trotz Impfungen bei 154! Ist jetzt wirklich alles anders als letzten Winter?

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, setzt weiterhin auf Booster-Impfungen.
Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, setzt weiterhin auf Booster-Impfungen.
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02. November 2021 - 7:20 Uhr

Wieso sind die Zahlen trotz Impfungen so hoch?

Vergleicht man die Corona-Lage am 1. November des vergangenen Jahres mit der vom 1. November 2021, ergibt sich ein erschreckendes Bild: Im Vorjahr hatten wir eine Inzidenz von 115, 2061 Intensivpatienten und 449 Tote in 7 Tagen – bei einer Impfquote von 0 %, damals zirkulierte noch der Wildtypus vom Coronavirus Sars-Cov-2. Heute stehen wir bei einer Impfquote von 69 % bei einer Inzidenz von 155 mit 2025 Intensivpatienten und 605 Toten in 7 Tagen – allerdings herrscht jetzt die Deltavariante des Coronavirus. Wieso ist jetzt alles anders als im vergangenen Jahr? Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienzentrum Bioscientia, ordnet die Zahlen ein.

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Noch zu viele Ungeimpfte und viel mehr Kontakte

"Ein Grund ist natürlich, dass erst zwei Drittel der Bevölkerung geimpft ist", erklärt und Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienzentrums Bioscientia. "Wir haben immer noch mehrere Millionen Bundesbürger, auch ältere, die noch nicht geimpft sind." Der zweite Grund sei die Delta-Variante, die wesentlich ansteckender ist als die Variante, die letztes Jahr um diese Zeit zirkulierte, so der Hygieniker. "Und der dritte Grund ist tatsächlich, dass wir bei den Älteren, die schon im Dezember 2020 oder Januar 2021 geimpft wurden, merken, dass die sechs Monate vorbei sind und der Impfschutz nach und nach nachlässt", so Zinn.

Lese-Tipp: Infektionsrisiko höher als im letzten Winter - Arzt appelliert an Ungeimpfte

Mehr Intensivpatienten und mehr Todesfälle - wer ist betroffen?

Die Hauptgruppe seien auch hier tatsächlich die Ungeimpften, sagt uns Zinn. Dazu komme ein geringer Teil an älteren Menschen, die Impfdurchbrüche haben – dieser Teil werde aber leider auch immer größer. Die Gründe für mehr Krankenhauseinweisungen seien in den Lockerungen zu suchen – und dem Mehr an Kontakten, die sich daraus ergeben. Auch bei den Todesfällen ergebe sich dieses Bild: Ungeimpfte und ältere Menschen seien hauptsächlich betroffen.

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Inzidenz bei 154 - können wir das so weiter laufen lassen?

Die Zahlen müssen jetzt differenzierter betrachtet werden, sagt der Hygieniker: "Wir können eine Inzidenz von vor einem Jahr eben nicht mit der jetzigen Inzidenz vergleichen, weil jetzt 69 Prozent der Bevölkerung geimpft sind." Das Hauptinfektionsgeschehen finde bei den Jüngeren und vor allen Dingen bei den Ungeimpften statt – insofern gilt es, andere Schlüsse daraus ziehen. Gleich wieder einen Lockdown mit Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen zu verhängen, ergebe keinen Sinn.

Lese-Tipp: Müssen wir uns jetzt alle boostern lassen?

"Andererseits müssen wir natürlich darüber nachdenken, der Winter fängt jetzt bald erst an, ob wir Lockerungen oder Überlegungen über Lockerung nicht doch zurücknehmen, zum Beispiel auch die Maskenpflicht an den Schulen oder gewisse Freiheiten bei gastronomischen Betrieben", so der Hygieniker. Aber alles in allem stünde so viel mehr Erfahrung bereit, sodass feinere Instrumente möglich seien. "Und was man natürlich auch immer wieder wiederholen muss: Impfen, Impfen, Impfen", appelliert Zinn, "und die bisher Ungeimpften erreichen, andererseits ist das Boostern der älteren geimpften Mitbürger wichtig." (ija)

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