Ralph Achenbach vom International Rescue Committee im Interview

"So eine Hungerskrise hat die Welt seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gesehen!"

Schwerste Hungerskrise seit Jahrzehnten Ukraine Talk
04:39 min
Ukraine Talk
Schwerste Hungerskrise seit Jahrzehnten

von Tamara Bilic und Lena Andro

In der Hafenstadt Mykolajiw haben russische Truppen Getreidelager bombardiert. Viele Menschen sind schockiert, doch leider nicht alle überrascht, da es nicht das erste Mal ist, dass Russland zivile Einrichtungen angreift.

Im Interview spricht Reporterin Tamara Bilic mit Ralph Achenbach vom International Rescue Committee, kurz IRC, über die Folgen die Angriffs für die Ukraine, aber auch für andere Staaten.

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Russland verstößt erneut gegen das Völkerrecht

Die Bombardierung von zivilen Einrichtungen oder Infrastrukturen, wie beispielsweise Krankenhäuser oder eben die Getreidespeicher, stellen einen klaren Verstoß gegen das internationale Völkerrecht dar, so Ralph Achenbach vom International Rescue Committee.

Im Falle der Bombardierung des Getreidelagers hat das natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit der Menschen, insbesondere im globalen Süden. Als zusätzliche Hürde sind die meisten Häfen im Schwarzen Meer, die für die Auslieferung des Getreides zuständig sind, blockiert. „Das führt zu Nahrungsmittelknappheit und ansteigenden Preisen.“

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Teufelskreis der Ernährungsunsicherheit

Vor allem Staaten im globalen Süden sind auf die Getreideexporte der Ukraine angewiesen, so Ralph Achenbach. Somalia beispielsweise importiert 90 Prozent ihres Getreides aus der Ukraine. Wenn diese Getreidelieferungen jetzt ausbleiben, hat das schwerwiegende Konsequenzen für diese Länder. „Wir haben große Sorge, dass wir am Rande einer Hungersnot stehen, wie wir sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben.“ Ähnlich besorgt äußerte sich am Vormittag auch Annalena Baerbock, sie sagte: „Es ist eine Hungerkrise, die sich wie eine lebensbedrohliche Welle vor uns auftürmt."

Von den landwirtschaftlichen Inputs sind aber auch Düngemittel oder Saatgut betroffen. Ralph Achenbach von International Rescue Committee befürchtet einen Teufelskreis: Wenn die Felder dieses Jahr nicht bestellt werden können, dann „werden sich die Probleme der Ernährungsunsicherheit noch weiter verschärfen.“ Man geht davon aus, dass momentan mehr als 320 Millionen Menschen „von akutem Hunger bedroht sind. Das ist einer Hungerkrise, wie sie die Welt seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat.“

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