Ohne Donald Trump, dafür mit Lady Gaga

Vereidigung des neuen US-Präsidenten: So wird Joe Bidens Amtseinführung ablaufen

Am 20. Januar 2021 findet die Vereidigung von Joe Biden als 46. Präsident der USA statt.
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20. Januar 2021 - 11:07 Uhr

Wie läuft Joe Bidens Amtseinführung am 20. Januar ab?

Am Mittwoch wird Joe Biden in Washington als 46. Präsident der USA vereidigt. Zwei Wochen nach dem Sturm aufs Kapitol, inmitten einer Pandemie und einer äußerst angespannten politischen Lage. Ein Fahrplan für den Tag, auf den das ganze Land hinfiebert.

Gebeutelt von Corona und Co. - die USA stecken in einer Krise

Am 20. Januar um Punkt 12 Uhr (MEZ: 18 Uhr) wird sie beginnen: die Präsidentschaft von Joseph R. Biden und seiner Vizepräsidentin Kamala D. Harris. Zuvor müssen beide ihren Amtseid ablegen, so schreibt es der 20. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung vor. Traditionell hat die Vereidigung eine große symbolische Bedeutung, da sie die friedliche Machtübertragung von einem Präsidenten zum nächsten markiert. In diesem Jahr wäre es jedoch untertrieben, nur von Symbolik zu sprechen.

Die USA sind das Land, welches weltweit die höchste Zahl an Corona-Toten betrauern muss, das Gesundheitssystem steht am Rande des Zusammenbruchs, die Wirtschaft steckt in der Krise. Gleichzeitig sind die politischen Gräben so tief wie noch nie und das Vertrauen in die demokratischen Institutionen ist erschüttert. Und so wird die ganze Welt an diesem Mittwoch nach Washington, D.C. schauen und mit Spannung die Amtseinführung von Biden und Harris verfolgen – für viele ein Hoffnungsschimmer in den zuletzt ziemlich dunklen Wochen.

Während Schlüsselelemente der Vereidigung traditionell stattfinden sollen, werden viele Veranstaltungen pandemiebedingt verkleinert oder ganz ins Virtuelle verlegt. Dennoch sei das Ziel eine "integrative und zugängliche Feier, die die Amerikaner zusammenbringt und unsere Nation vereint, insbesondere in einer so schwierigen Zeit für unser Land", kündigte Maju Varghese, Chef des Inaugurationskomitees, an.

Ein Fahrplan zu der etwas anderen Amtseinführung.

Wie wird die Vereidigung von Joe Biden in Corona-Zeiten ablaufen?

Aufgrund von Corona wird Joe Bidens Amtseinführung anders ablaufen als die seiner Vorgänger.
Aufgrund von Corona wird Joe Bidens Amtseinführung anders ablaufen als die seiner Vorgänger.
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Am Vormittag wird Joe Biden durch den Obersten Richter John G. Roberts Jr. an der Westfront des Kapitols vereidigt werden. Der neue Präsident wird danach seine Antrittsrede unter dem Motto "America United" ("Vereintes Amerika") halten – und gemäß der Tradition, die Militärtruppen begutachten. Normalerweise versammeln sich zu diesem Spektakel Hunderttausende auf der National Mall, der Promenade vor dem Kapitol. In diesem Jahr gab es jedoch pandemiebedingt keine Eintrittskarten für die Öffentlichkeit.

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Die Organisatoren forderten die Menschen auf, zu Hause zu bleiben, um große Ansammlungen zu verhindern und stattdessen an den virtuellen Inaugurationsfeiern teilzunehmen. Die Vereidigungszeremonie wird live sowohl online als auch im Fernsehen übertragen werden. Immerhin können sich die Zuschauer auch zu Hause auf zwei große Popstars freuen: Lady Gaga wird die Nationalhymne singen und Jennifer Lopez soll ebenfalls auftreten.

Auch die traditionelle Parade entlang jubelnder Menschenmengen auf der Pennsylvania Avenue wird wegen Corona nicht stattfinden. Stattdessen werden der neue Präsident, die Vizepräsidentin und ihre Familien für eine kurze Runde um den Block spazieren, begleitet von einer offiziellen Eskorte mit Militärvertretern.

Was ist abends geplant?

Anstelle des üblichen Balls nach der Zeremonie, auf dem der neue Präsident gefeiert wird, findet um 20.30 Uhr (MEZ: 2.30 Uhr) ein Fernseh-Event statt. Host des Abends ist niemand anderes als der Schauspieler Tom Hanks persönlich, der ebenso namenhafte Gäste wie Justin Timberlake, Demi Lovato, Ant Clemons und Jon Bon Jovi begrüßen wird. Weitere Show-Specials sind die Foo Fighters, John Legend und Bruce Springsteen, die an verschiedenen Orten im ganzen Land auftreten werden.

Apropos Corona: Unter dem Motto "Eine Hommage an Amerikas Helden an der Pandemiefront" hat das Inaugurationskomitee für die Zuschauer zu Hause eine virtuelle Parade mit Musik, Dichtern und Tänzern quer durch das ganzen Land geplant. Bereits am Dienstagabend gegen 17.30 Uhr soll rund um das Lincoln Denkmal in Washington, D.C. eine Lichtershow stattfinden, um an die zahlreichen Corona-Toten in den USA zu erinnern.

Welche ehemaligen US-Präsidenten kommen?

Der 43. US-Präsident George W. Bush hat bestätigt, dass er gemeinsam mit der der ehemaligen First Lady, Laura Bush, zum Tag der Amtseinführung nach Washington reisen wird. Barack Obama und Bill Clinton werden ebenfalls erwartet, zusammen mit den ehemaligen First Ladies Michelle Obama und Hillary Clinton. Jimmy Carter, der mit 96 Jahren der älteste lebende ehemalige Präsident ist, gab bekannt, dass er und seine Frau nicht teilnehmen werden. Es wird die erste Amtseinführung eines Präsidenten sein, die Carter seit seiner eigenen Vereidigung verpasst.

Was ist mit Donald Trump und Mike Pence?

Ex-Präsident Donald Trump kündigte bereits an, nicht zur Amtseinführung seines Nachfolgers zu kommen.
Ex-Präsident Donald Trump kündigte bereits an, nicht zur Amtseinführung seines Nachfolgers zu kommen.
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Auch Präsident Trump kündigte am Freitag an, dass er nicht an Bidens Inauguration teilnehmen werde. Biden nannte diese Entscheidung "eine der wenigen Dinge, bei der er und ich uns jemals einig waren". Dennoch ist es ein weiterer großer Traditionsbruch, mit dem Trump seine Amtszeit beendet. Im Gegensatz zu ihm wird Vizepräsident Mike Pence anwesend sein, wie ein Sprecher am Samstag mitteilte.

In der Geschichte der Vereinigten Staaten haben bislang nur drei Präsidenten die Vereidigung ihres Nachfolgers verpasst: John Adams im Jahr 1801, sein Sohn John Quincy Adams im Jahr 1829 und Andrew Johnson, ein Demokrat, der die Amtseinführung von 1869 aussetzen musste, nachdem er durch den Republikaner Ulysses S. Grant ersetzt worden war.

Welche Auswirkungen hat der Kapitol-Sturm auf die Inauguration?

Seit Wochen bereitet sich Washington auf mögliche Demonstrationen vor. Aber nachdem am 6. Januar ein gewalttätiger Mob das Kapitolgebäude gestürmt hat – mit dem Ziel, die Bestätigung von Bidens Wahlsieg zu verhindern – ist die Hauptstadt in Alarmbereitschaft. Bürgermeisterin Muriel E. Bowser hat daher den öffentlichen Notstand bis zum 21. Januar verlängert und davor gewarnt, dass gewaltbereite Trump-Anhänger erneut Chaos anrichten könnten.

Das FBI und der Secret Service haben die geplanten Sicherheitsmaßnahmen nach den Ereignissen verdreifacht. Mehr als 20.000 Soldaten der Nationalgarde aus dem ganzen Land werden bei Bidens Amtseinführung im Einsatz sein. Die Sorge vor weiteren Ausschreitungen scheint berechtigt: Experten warnen, dass rechtsextremistische Gruppen bereits online erneut Angriffe planen. Zuletzt waren in mehreren US-Bundesstaaten bewaffnete Pro-Trump-Demonstranten um die Kapitolgebäude gezogen.

Dennoch sind Unruhen am Tag der Amtseinführung nicht außergewöhnlich: Während der Amtseinführung von Donald Trump im Jahr 2017 zogen ebenfalls wütende Demonstranten durch Washingtons Straßen. Sie beschädigten Ladenscheiben, warfen Steine auf Polizisten und steckten aus Protest gegen Trumps Wahlsieg sogar eine Limousine in Brand. Der Tag endete damals mit mehr als 200 Festnahmen.

Warum ist die Amtseinführung des Präsidenten so wichtig?

Es geht natürlich wie immer auch um Geld. Seit jeher ist die Inauguration eine beliebte Gelegenheit, um Spenden für den neuen Präsidenten zu sammeln. Zwar wurden pandemiebedingt traditionelle Veranstaltungen wie Bälle abgesagt, Bidens Komitee bietet jedoch Unternehmen und gut betuchten Privatpersonen eine spezielle "V.I.P. Teilnahme" an, mit der diese die Gelegenheit nutzen können, sich bei der neuen Verwaltung beliebt zu machen.

Überschüssige Spenden können in den USA nicht an Bundeskampagnen oder Parteikomitees überwiesen werden. Nicht ausgegebene finanzielle Mittel werden daher an Wohltätigkeitsorganisationen sowie an Gruppen vergeben, die das Weiße Haus und die Residenz der Vizepräsidenten schmücken und pflegen.

Weitere Quellen: "The New York Times"

Hinweis: Dieser Artikel von Leonie Scheuble erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.