Impfung bald für Jüngere freigegeben?

Das sagen unsere Kinder und Eltern zum Impfen

Der Impfstoff von Biontech könnte schon ab zwölf Jahren zugelassen werden
Der Impfstoff von Biontech könnte schon ab zwölf Jahren zugelassen werden
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27. Mai 2021 - 16:53 Uhr

Impfstoff für Kinder könnte bald kommen

Ausgelassen toben die Kinder durch die Räume der Kita "Unterm Regenbogen" in Zahna-Elster (Sachsen-Anhalt). Im ersten Lockdown vor über einem Jahr waren kaum Kinder hier, mittlerweile können die Kinder zumindest in ihrer Gruppe wieder spielen. Gut die Hälfte der Erzieherinnen und Erzieher sind schon geimpft. Und auch für unter 12 Jahren könnte es einen Impfstoff geben – auch wenn das noch länger dauern wird. Aber ist das sinnvoll? Sind die Impfstoffe ausreichend erforscht? Wir fragen Kita-Eltern und Jugendliche in einer Schule.

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"Impfen ja - aber nicht die Kleinsten"

Carina Minas, 31 Jahre alt
Carina Minas ist selbst geimpft - für ihre Kinder möchte sie das aber nicht.
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In der Kita "Unterm Regenbogen" stehen die Eltern der Impfung prinzipiell offen gegenüber. Doch die Kleinsten impfen zu lassen – damit tun sich einige schwer. Carina Minas hat eine vierjährige und eine 14-Monate alte Tochter. Die 31-Jährige arbeitet als OP-Schwester und ist deswegen selbst schon geimpft. "Ich denke, der Impfstoff ist nicht genügend untersucht worden, gerade auf Langzeitfolgen. Ich bin dagegen, dass man so kleine Kinder impft. Auch ab 12 Jahren finde ich das nicht gut. Ich hab mich auch zum Schutz meiner Kinder impfen lassen. Aber ich denke nicht, dass die Impfung das Allheilmittel gegen Corona ist."

"Ab 12 Jahren finde ich es sinnvoll"

Marina Picka, 33 Jahre
Marina Picka findet eine Impfung ab zwölf Jahren sinnvoll - für jüngere Kinder aber nicht.
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Andere Eltern sehen es ähnlich wie Carina. Manche sind zwiegespalten und finden, dass die Langzeitfolgen gerade bei kleinen Kindern noch nicht gut genug erforscht sind.

Marina Picka ist 33 und hat eine fünfjährige Tochter. Sie sagt: "Ab zwölf finde ich es sinnvoll, drunter würde ich es nicht machen. Wir haben uns als Eltern aber entschieden, wir impfen uns auf jeden Fall."

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Viele ältere Schüler wollen geimpft werden

Schulsprecher Fabio Simons
Schulsprecher Fabio Simons hofft, dass bald mehr Impfstoff zur Verfügung steht.
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Am Ritzefeld Gymnasium in Stolberg würden sich viele Schüler über eine Impfung freuen. Schulsprecher Fabio Simons ist 17 – für ihn ist der Impfstoff also schon zugelassen. Aber auch in den Klassen unter ihm warten einige Schüler auf die Impfung: "Klar, der Impfstoff ist momentan noch knapp, aber ich bin zuversichtlich, dass halt mehr Impfstoff da sein wird. Und sobald der Impfstoff verfügbar ist, halte ich es für richtig und vernünftig, auch auf die Schulen einen großen Fokus zu legen. Weil der Schulalltag halt sehr stark eingeschränkt ist. Das Lernen wird erschwert. Und man sollte eine gewisse Bildung wieder ermöglichen."

"Erstmal den Älteren den Vortritt lassen"

Vitnauss, 15 Jahre
Vitnauss findet es richtig, dass ältere Menschen zuerst geimpft werden.
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Noch ist unklar, wann die Schüler mit der Impfung dran sind, falls der Impfstoff ab zwölf Jahren zugelassen wird. Ob sie bis zum Schluss warten müssen oder ähnlich wie andere Gruppen priorisiert werden sollen, steht nicht fest. Der 15-jährige Vitnauss hat sich schon mit Corona infiziert, würde sich aber trotzdem gerne impfen lassen. Er selbst hatte keine Symptome, sein Vater litt aber stark an der Infektion. Bis zu einer Impfung kann es aber selbst bei ihm noch dauern. Vitnauss findet, dass ältere Menschen vorgezogen werden sollten: "Ich weiß ja, wie ich auf Corona reagiert habe und wie andere reagieren. Deshalb wäre es mir wichtiger, dass mein Vater und meine Mutter geimpft werden."

"Schule ist kein Infektionsherd"

Dass die Schüler noch nicht geimpft sind, stellt nach der Meinung von Schulleiter Uwe Bettscheider aber kein großes Risiko dar. Ab nächster Woche startet die Schule wieder im vollen Präsenzbetrieb: "Unsere Schule hat sich bisher nicht als Infektionsherd herausgestellt. Wir hatten natürlich auch paar Infizierte, das kommt immer mal wieder vor. Aber es ist nie so gewesen, dass zwei Schüler sich aneinander angesteckt haben, es war maximal einer pro Klasse infiziert und sonst keiner." Außerdem seien die Schüler sehr vorsichtig und die regelmäßigen Corona-Test geben auch Sicherheit: "Durch die Tests finden wir Infizierte schnell und die Gefahr, dass sie dann jemanden anstecken, ist doch sehr gering." Seine Kollegin Sandra Peters, Lehrerin für Latein und evangelische Religion, pflichtet ihm bei und findet: "Präsenzunterricht sollte ein Recht jedes Schülers sein. Ich finde, jeder hat das Recht auf Bildung. Und das darf nicht abhängig gemacht werden von einer Impfung."

Schulleiter Uwe Bettscheider
Schulleiter Uwe Bettscheider hält seine Schule für sicher.
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"Thema ist noch sehr weit weg"

Als Vater zweier Töchter befürwortet Bettscheider das Impfen von Jugendlichen zwar, das Thema sei aber "noch sehr weit weg": "Das wird bei uns überhaupt noch nicht diskutiert. Heute bekommen gerade die letzten Lehrerinnen und Lehrer ihre Erstimpfung. Das heißt, über Schülerimpfungen haben wir uns im Grunde noch gar keine Gedanken gemacht." (rcl)

Bundesweite Initiative „Impfen gegen Corona“

STERN, RTL und ntv starten in Zusammenarbeit mit Handbook Germany die bundesweite Initiative "Impfen gegen Corona". Die Initiative möchte aufklären und informieren. Sollte man sich impfen lassen? Wie wirken die Impfstoffe? Was sind die Risiken? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie in elf Sprachen auf der Online-Plattform www.impfen-gegen-corona.eu.

TVNOW Doku "Zwischen Hoffnung und Tod - wer hat Schuld am deutschen Impf-Desaster?"

Könnten in Deutschland bereits mehr Menschen geschützt sein? Wer trägt die Schuld am Impf-Desaster? Die Bundesregierung? Die EU? Die Hersteller? Oder die Bundesländer? Die Dokumentation geht den Verantwortlichkeiten auf den Grund. Auf TVNOW: "Zwischen Hoffnung und Tod"