RKI: "Ungewöhnlich steiler Anstieg" von Infektionen

Immer mehr Fälle registriert! An welchen Symptomen erkenne ich Scharlach?

Kind liegt krank mit Scharlach im Bett.
In Großbritannien mehren sich Todesfälle bei Minderjährigen infolge von Infektionen mit A-Streptokokken. Nun droht auch Deutschland eine Scharlach-Welle.
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von Diana Heuschkel und Jessica Bürger

In Großbritannien steigt bereits seit September die Zahl der Infektionen mit A-Streptokokken, die unter anderem auch Scharlach auslösen. Auf der Insel sind an der Krankheit auch mehrere Kinder gestorben. In Deutschland war ein Anstieg der Scharlach-Infektionen lange Zeit nicht auszumachen – bis jetzt. Wir erklären, woran Sie Scharlach bei sich und ihrem Kinder erkennen und wie Sie es behandeln können.

Nicht alle Streptokokken-Arten machen krank

Laut der „Apotheken Umschau“ handele es sich bei Streptokokken um kugelförmige Bakterien, die sich vor allem in den Schleimhäuten von Darm, Mund- und Rachenrauch wiederfinden. Nicht alle Streptokokken machen krank und nicht alle krankmachenden Streptokokken sind automatisch gefährlich oder sogar tödlich. Die Apotheken Umschau hebt vor allem folgende Streptokokken-Arten hervor:

  • A-Streptokokken, die unter anderem Ohr- und Mandelentzündungen und Scharlach hervorrufen.
  • B-Streptokokken, die vor allem für Neugeborenen gefährlich ist. Die Kinder können sich noch während der Schwangerschaft bei der Mutter anstecken und eine Hirnhautentzündung bekommen.
  • Pneumokokken, die Lungenentzündungen hervorrufen.

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Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen aktuell die A-Streptokokken. Mitte Dezember 2022 registriert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in fünf europäischen Staaten nämlich einen Anstieg der Scharlach-Fälle. Ganz oben steht damals noch Großbritannien. Mittlerweile spricht das Robert Koch-Institut (RKI) jedoch auch für Deutschland eine erhöhte Alarmbereitschaft aus. Demnach sei hierzulande ein "ungewöhnlich steiler Anstieg von invasiven und nicht-invasiven Gruppe-A-Streptokokken aus Arztpraxen und Krankenhäusern zu verzeichnen“, heißt es auf der Website. Genaue Zahlen nennt das RKI allerdings nicht. Doch woran erkennt man Scharlach und wie behandelt man die Krankheit?

Was sind die Symptome von Scharlach?

Dr. Specht
Dr. Specht erklärt, woran man eine Scharlach-Infektion erkennt.
RTL

„Es gibt hier wirklich absolute Klassiker an Symptomen“, sagt Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht gegenüber RTL und zählt auf:

  • die rote "Himbeerzunge"
  • ein geschwollener Rachen
  • der klassische Hautausschlag, der die Sohlen und Handinnenflächen ausspart und nach etwa zwei Tagen auftritt
  • später kann sich die Haut schälen

„Die Infektion dauert etwa eine Woche bis zehn Tage“, so Specht, „wenn man Antibiotika nimmt.“ Auch Scharlach berge wie jede Infektionskrankheit Gefahren für Immungeschädigte. Zum Beispiel für Menschen mit einem angeborenen Immundefekt oder für chronisch kranke Kinder, die zum Beispiel Asthma oder Mukoviszidose haben.

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Warum sind so oft Kinder betroffen?

„Scharlach ist eine klassische Kinderkrankheit“, erklärt Specht. Mit Kinderkrankheiten seien die Krankheiten gemeint, die durch Erreger ausgelöst werden, die so infektiös sind, dass schon ein junger Organismus - sprich ein Kind - eben davon betroffen sei und eine Immunität dagegen ausbilde. Ähnlich sei es mit Masern, Mumps oder Windpocken, von denen speziell Kinder betroffen seien. „Deren Organismus hatte noch keinen Kontakt mit dem Virus oder dem Bakterium“, sagt der Allgemeinmediziner. Scharlach sei zudem sehr leicht übertragbar.

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Wie wird Scharlach behandelt?

„Bei Scharlach handelt es sich ja um Bakterien, die werden in den allermeisten Fällen mit Antibiotika behandelt.“ Heißt: Eine schwerwiegendere, gerötete Infektion im Rachen solle man immer ärztlich abklären lassen, empfiehlt Specht. Eine Behandlung mit Antibiotika habe zwei Vorteile: „Erstens geht der ganze Spaß viel schneller vorbei und zweitens ist die Ansteckungsfähigkeit viel geringer.“ Deshalb solle man das Antibiotikum auch zu Ende nehmen, denn sonst können Streptokokken-Resistenzen entstehen und das Kind bleibe weiter ansteckend.

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Wann ist man immun?

Das eigentliche Problem bei Scharlach seien nicht die Bakterien, sagt Specht, sondern die Toxine, die Giftstoffe, die die Bakterien bilden. „Jede Art von A- Streptokokken macht aber unterschiedliche Gifte.“ Das Problem dabei: „Die Immunabwehr bauen wir nicht gegen die Bakterien an sich auf, sondern gegen die Giftstoffe.“ Man sei dann zwar gegen die eine A-Streptokokken-Erkrankung immun, aber gegen andere wiederum nicht und könne wieder Scharlach bekommen.

Im Video: Was ist Scharlach eigentlich?

Was ist Scharlach und wie kann man ihn behandeln? Ausgelöst durch Streptokokken
01:05 min
Ausgelöst durch Streptokokken
Was ist Scharlach und wie kann man ihn behandeln?

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Risiko für die Allgemeinbevölkerung niedrig

In Deutschland sind Erkrankungen mit A-Streptokokken nicht meldepflichtig, weshalb dem RKI auch nur bedingt Zahlen zur Erhebung vorliegen. Laut der WHO betreffe der aktuelle Anstieg von Infektionen vor allem Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren, der der Phase „niedrigerer Inzidenzen während der COVID-19-Pandemie“ folge. Für die Allgemeinbevölkerung wiederum sei das Risiko einer Infektion insgesamt jedoch niedrig.