Karolina Deiß hat ihr 15 Monate altes Kind an Meningitis verloren

Mutter von totem Baby Leon: „Ich würde Ärzten nicht mehr blind vertrauen!"

"Ich würde den Ärzten nicht mehr blind vertrauen" Baby stirbt an Meningitis
04:49 min
Baby stirbt an Meningitis
"Ich würde den Ärzten nicht mehr blind vertrauen"

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von Lena Wollny, Madeline Jäger, Laura Schuster und Vera Dünnwald

Am 28. September 2022 verlor Karolina Deiß (28) ihren erst 15 Monate alten Sohn Leon auf tragische Art und Weise. Der Grund: Der kleine Junge war einer Pneumokokken- Meningitis, einer Hirnhautentzündung, erkrankt. Diese wurde, nachdem die Ärzte zunächst eine Mandel-, dann eine Kehlkopfentzündung vermuteten, nicht erkannt. Am Ende kam jegliche medizinische Hilfe zu spät.

Rund vier Monate nach Leons Tod herrscht bei der Familie aus Baden-Württemberg noch immer vor allem eines: Unverständnis. Wie konnte so etwas passieren? Aber auch Trauer, Wut und Hoffnungslosigkeit sind Emotionen, mit denen sich Karolina und ihr Ehemann Alex (30) tagtäglich auseinandersetzen müssen. Wie lebt man sein Leben weiter, wenn das eigene Kind viel zu früh stirbt? Die emotionale Geschichte sehen Sie im Video.

Trotz Impfung: Der kleine Leon stirbt mit 15 Monaten an einer Pneumokokken-Meningitis

Sohn von Katharina Deiß, Leon.
Leon Deiß wurde nur 15 Monate alt.
privat / Karolina Deiß

Auf Social Media, genauer gesagt auf ihrem Instagram-Profil @_life_of_karolina_, berichtet Karolina Deiß vor einigen Wochen das erste Mal von ihrem tragischen Verlust. Mit nur 15 Monaten erliegt ihr geliebter Leon einer Hirnhautentzündung, die durch Pneumokokken-Erreger ausgelöst wurde. Und das, obwohl das Kind sogar geimpft ist: „Wir wissen nicht genau, wie es zu der Infektion kommen konnte. Es wurde uns so erklärt, dass es viele Arten von Pneumokokken gibt, man aber leider nicht gegen alle Arten impfen kann. Es hätte sein können, dass Leon gegen 13 Arten geimpft war und aber am Ende eben die 14. Art, gegen die man nicht impfen kann, bekommen hat“, erzählt die 28-Jährige im RTL-Interview.

Eine Infektion mit einem Ausgang, der das ganze Leben von Familie Deiß auf den Kopf stellt. Ein Ausgang, mit dem wohl niemand gerechnet hätte. Hätte man das tragische Schicksal des kleinen Leon verhindern können? Deiß sagt: „Als wir die verschiedenen Diagnosen der Ärzte gehört haben, habe ich mein krankes Kind angeguckt, das überhaupt nicht mehr von meinem Arm runter wollte, total müde war, und mir gedacht: Irgendwas stimmt da nicht.“

Ist es ihr Mutterinstinkt, der ihr eigentlich schon früh zu verstehen geben will, dass sie auf ihr Bauchgefühl hören soll? Davon ist die verwaiste Mutter mittlerweile überzeugt. „Ich würde Ärzten nicht mehr blind vertrauen, sondern auf meinen Mutterinstinkt hören. Und wenn der sagt, dass irgendwas mit meinem Kind nicht stimmt, dann gehe ich lieber nochmal zum Arzt und lasse mein Kind nochmal untersuchen. Hauptsache man hat dann Gewissheit.“

Trotz allem wolle sie Ärzte per se nicht verteufeln: „Ich vertraue Ärzten nach wie vor. Aber wenn mein Gefühl mir sagt, dass etwas nicht stimmt, dann lasse ich mich eben nicht abwimmeln. Dann bleibe ich da und bleibe hartnäckig.“

Meningitis bei Kindern: Auf diese Symptome sollten Sie achten

Gerade Eltern sind bestürzt und viele fragen sich, auf welche Symptome sie bei Kleinkindern achten können, um Meningitis möglichst früh erkennen und behandeln lassen zu können. Laut dem Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht ist es vor allem im Frühstadium nicht einfach, glasklar spezifische Symptome zu charakterisieren.

„Es gibt einige Meningitis-Symptome, die jedoch nicht besonders eindeutig sind. Anfangs haben Kinder ein echtes Krankheitsgefühl mit Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerz. Erst im späteren Verlauf kommt es zu Benommenheit“, schildert der Arzt. „Wenn es im weiteren Verlauf zu Apathie und Abwesenheit kommt, ist es schon sehr ernst“, ergänzt der Mediziner. Daher sollten Eltern schon vorher die unspezifischen Symptome unbedingt beim Kinderarzt abklären lassen. Laut des Mediziners ist als ein typisches Symptom für die Meningitis außerdem die „Nackensteifigkeit“ zu nennen, die sich auch beim kleinen Leon bemerkbar gemacht hatte, wie Karolina Deiß im RTL-Interview erzählt. Dieses Symptom trete jedoch erst im späteren Verlauf der Meningitis auf.

Auch auf Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, neurologische Störungen wie Schwindel, Hörstörungen und epileptische Anfälle sollten Sie achten.

Dr. Specht rät außerdem zur Schutzimpfung. Eltern sollten sich frühzeitig beim Kinderarzt über empfohlene Maßnahmen aufklären und beraten lassen.

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Instagram als Art der Trauerbewältigung

Heute möchte Karolina Deiß vor allem eines: aufklären. Dazu nutzt sie ihren Social-Media-Account, der ihr außerdem immens bei der Trauerbewältigung hilft. Deiß erklärt: „Jeder geht mit Trauer anders um. Am Anfang wollte ich niemanden sehen. Dann habe ich jeden Tag Briefe an Leon geschrieben, in denen ich meine Gefühle und Gedanken niedergeschrieben habe, und diese auf meinem Profil veröffentlicht. Und dann ging es irgendwie von heute auf morgen, dass ich so eine Reichweite bekommen habe und mir immer wieder Fragen gestellt wurden. Ich habe gemerkt, dass viele Leute zu wenig über Meningitis oder Pneumokokken wissen, dass es eben nicht das Gleiche ist.“ Nicht nur die Tatsache, dass sie viel Zuspruch von anderen Eltern erhält, sondern auch von Ärzten und Medizinstudenten, die sich informieren, freue die 28-Jährige sehr, wie sie erzählt.

Aber: „Natürlich kommt das Posten nicht bei jedem gut an, und man bekommt auch manchmal blöde Nachrichten. Ich musste erst mal lernen, damit klar zu kommen. Trotzdem ist das gerade wie ein kleiner Anker für mich. Es lenkt mich ab.“

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"Ich werde ihn nie wieder lachen hören"

Die wohl größte Frage lautet aktuell: Wie geht man mit einem solchen Verlust um? Selbst nach Leons Beerdigung denkt Karolina Deiß, dass ihr kleiner Sohn doch noch um die Ecke gerannt kommt: „Es ist wie in einem Albtraum. Irgendwann ist mir bewusst geworden: ‘Okay, ich sehe ihn nie wieder. Ich höre nie wieder seine Stimme. Ich werde ihn nie wieder lachen hören, ich kann ihn nie wieder umarmen. Diese Zeit war ganz, ganz schlimm. Ich habe mich in seinem Zimmer verkrochen und nur geweint. Jetzt versucht man, von Tag zu Tag zu überleben.“

Das Schlimmste sei aktuell das Vermissen: „Mein Mann und ich gehen spazieren, gehen einkaufen und erleben einfach Situationen, wo wir dann darüber reden, wie Leon wohl reagiert hätte, was Leon wohl gemacht hätte. Er ist trotzdem immer noch bei uns. Tagtäglich reden wir über ihn, so als wäre er noch immer da. Nur, dass wir ihn halt nicht sehen.“

Dennoch verbringe sie immer noch den größten Teil des Tages in seinem Zimmer, schaut sich Bilder und Videos von ihrem Kind an. „Ich möchte nicht, dass er in Vergessenheit gerät. Er war so lebensfroh und fröhlich.“ Anderen Eltern möchte Karolina Deiß mit auf den Weg geben, dass sie die Zeit miteinander genießen und zu schätzen wissen sollen: „Seid dankbar für eure Kinder. Kinder sind das größte Glück und das größte Wunder auf der Welt. Gesunde Kinder sind nicht selbstverständlich.“

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